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Senf der Woche (kw37)

Die Kolumne zum Geschehen der vergangenen Woche

Die Woche endet mit der ersten Sendung des Sonntag-Polittalks der ARD nach Sabine Christiansen. Eine neue √Ąra bricht an und Anne Will hatte in neuem Studio und mit etwas ver√§ndertem Konzept ihre G√§ste scheinbar im Griff. Deutlich ruhiger und seri√∂ser ging es zu – kein wildes profilierendes Politikergeschrei mehr. Vielleicht lag das aber auch einfach noch an den der neuen Gastgeberin gegen√ľber etwas unsicher wirkenden G√§sten und nicht am Stil der Anne Will. Apropos H√ľhnchen – rechtzeitig f√ľr Olympia wollen die chinesischen Beh√∂rden die f√ľr ausl√§ndische G√§ste mysteri√∂s klingenden Gerichte und Getr√§nke von der Speisekarte nehmen.

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Vor allem die falsche √úbersetzung ins Englische f√ľhrte bisher zu anr√ľchigen oder gar bizarren Namen wie ‚ÄěJungfrau-H√ľhnchen“ (Virgin Chicken), ‚ÄěGed√§mpfter Mist“ (Steamed Crap) oder ‚ÄěDer Tempel explodiert den H√ľhnerw√ľrfel“ (eigentlich Kung Pao H√ľhnerfleisch). Doch das Reich der Mitte geht noch weiter und stellt sich auf den Westen ein. So wird unb√ľrgerliches Benehmen wie etwa Spucken, Dreck auf die Stra√üe zu werfen und r√ľcksichtsloses Autofahren in Zukunft unter Strafe gestellt. Schade, denn einige Touristen h√§tten sich sicherlich gerade durch dieses Verhalten wie zu Hause gef√ľhlt.

Der mittlerweile sechste Jahrestag der Anschl√§ge auf das World Trade Center in New York stand in dieser Woche an. Passend dazu √ľberschlugen sich die TV-Sender mit Informationssendungen, Dokumentationen und Verschw√∂rungstheorien. Das Ergebnis liefert eine Online-Abstimmung des ZDF, denn die Frage nach den Drahtziehern der Anschl√§ge von 9/11 wurde folgenderma√üen beantwortet: jeweils 25 % gaben George W. Bush und die US-Beh√∂rden an, 15 % nannten die R√ľstungslobby, 27 % stimmten f√ľr Osama Bin Laden und 9 % hatten keine Meinung. Das hei√üt, zwei von drei Zuschauern glauben an Verschw√∂rungstheorien und verlieren die Wahrheit aus den Augen.

Nat√ľrlich haben sich George W. Bush, die US-Beh√∂rden und gerade die R√ľstungslobby die Anschl√§ge zu Nutzen gemacht und von den folgenden Eingriffen im Irak in gewisser Weise auch profitiert. Aber wie sollte es bitte gerade diese US-Regierung schaffen, 3000 eigene B√ľrger zu opfern, ohne dass auch nur einer der an der Verschw√∂rung Beteiligten sein Schweigen bricht? Kein kleiner Korruptionsskandal, ja selbst jeder noch so unscheinbare Fahrradunfall konnte bisher unter den Teppich¬† gekehrt werden.

Aber die öffentliche Dummheit hat noch größere Auswirkungen- so glaubt sie daran, dass die Mondlandung gefaket war, dass Lady Di ermordet wurde, dass Elvis noch lebt und dass die Titanic von Kapitän Nemo versenkt wurde.

Scheinbar wirde die öffentliche Dummheit auch in der Formel-1 ausgenutzt. Nach dem einschlagenden Urteil der FIA, die McLaren-Mercedes zu einer Geldstrafe von 100 Millionen Euro verdonnert hat, liegen scheinbar klare Beweise gegen das Team und auch die Fahrer vor. Doch der eigentliche Skandal ist nicht die Spionage selbst, sondern die Trennung von Fahrer und Team in der Bestrafung. Trotz der hohen Geldstrafe und dem Verlust aller Punkte in der Konstrukteurs-WM Рdie Fahrer bleiben unbestraft.

Der FIA lagen sogar zuverl√§ssige Unterlagen von Gespr√§chen, Emails und SMS-Verkehr vor, die auch die damaligen Fahrer Pedro de la Rosa und Fernando Alonso schwer belasten. Trotzdem darf der Spanier in dieser Saison weiter um die Weltmeisterschaft k√§mpfen und auch die letzt j√§hrige Saison, die direkt von der Spionage betroffen war, bleibt unber√ľhrt. Will die FIA wieder einmal die Spannung in der Formel-1 erhalten und sich mit ihren Urteilen dieser beugen? Scheinbar ja! V√∂llig unbetrachtet blieb bisher auch, dass die FIA in die 100 Millionen Euro Strafe bereits die rund 30 Millionen Euro f√ľr den nun verhinderten Gewinn der Konstrukteurs-WM einberechnet hat.

Bevor ich eine angenehme Woche w√ľnsche, habe ich jedoch noch ein Tipp f√ľr jeden, der in den eigenen Gehirnzellen Energie sparen will: Pronomen verwenden. Wissenschaftler haben bei Scans des Denkorgans herausgefunden, dass die Verarbeitung von Namen deutlich mehr Arbeitsaufwand im Oberst√ľbchen verursacht. Die plastische Vorstellung, T√∂ne und Aussehen steigern die Aktivit√§t enorm. Also in diesem Sinne – er w√ľnscht sie und er eine erholsame aber ereignisreiche Woche!

(Text: Konrad Welzel / Zeichnung: Christina Koormann)


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Gr√ľnder und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegr√ľndet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - daf√ľr ist er viel zu neugierig!!!

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