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Gibt es ein Umdenken nach Fukushima?

Wie setzen europÀische LÀnder ihre Energiepolitik fort?

Die wieder populĂ€r gewordenen „Atomkraft? Nein Danke“-Sticker sind voll im Trend. Und auch das Gesicht der Anti-Atom-Proteste hat sich gewandelt: Inzwischen sieht man nicht nur „alternativ“ lebende Leute und Hippies, sondern auch den Rentner von nebenan auf den Demos.  Ist das nur in Deutschland so?

Obwohl der atomare GAU bei den Regierungen der europÀischen LÀnder ein Umdenken bewegt hat, fielen die Konsequenzen insgesamt doch recht gering aus. Bisher haben einzig die Schweiz, die kein Mitglied der EuropÀischen Union ist, und Deutschland einen klaren Atomausstieg beschlossen.
Die Schweiz plant, fĂŒr ihre Atomkraftwerke keine LaufzeitverlĂ€ngerung vorzunehmen. Laut der New York Times soll das im Jahr 2034 geschehen. Derzeit werden beim deutschen Nachbarland aus fĂŒnf Atomkraftwerken circa 40 Prozent des Energieverbrauchs gewonnen. Der Beschluss wurde nach einer großen nationalen Anti-Atomkraft Demonstration verabschiedet. In Zukunft soll mehr in alternative und regenerative Energien investiert werden.

atomkraftWie die Bundesregierung in den vergangenen Tagen beschlossen hat, wird Deutschland der Atomkraft ebenfalls den RĂŒcken zukehren. Nachdem von 17 deutschen Atomkraftwerken nach der nuklearen Katastrophe in Fukushima einige temporĂ€r vom Netz gingen, soll 2022 der endgĂŒltige Kernkraftausstieg stattfinden. Ähnlich wie in der Schweiz soll das dadurch entstehende Defizit durch Erneuerbare Energien ausgeglichen werden – wĂ€hrend die Strompreise aller Voraussicht nach moderat steigen werden.

Sehr viel grundliegendere VerĂ€nderungen wird es in den deutschen Nachbarstaaten jedoch nicht geben. Österreich, das gar keine Atomkraftwerke betreibt, macht sich seit Fukushima fĂŒr einen breiten Atomausstieg stark. Die meisten der MitgliedslĂ€nder der EuropĂ€ischen Union werden jedoch auf ihrem Atomkurs bleiben. FĂŒr Frankreich, das mit 59 Atomkraftwerken an der europĂ€ischen Spitze steht, ist Kernkraftenergie ein „grundliegendes Element“ französischer UnabhĂ€ngigkeit bei der Energieversorgung, wie der PrĂ€sident Nicolas Sarkozy untermauerte.

Italien hat nach der Tschernobyl-Katastrophe auf Atomenergie verzichtet: 1986 gab es eine Volksabstimmung, wodurch 1990 alle vier Atomkraftwerke vollstĂ€ndig abgeschaltet wurden. Über einen Wiedereinstieg wurde schon seit 2006 unter der Regierung Silvio Berlusconis nachgedacht. Nach der aktuellen Atomkatastrophe wurde dieser allerdings vorerst um ein weiteres Jahr verschoben.
Besonders osteuropĂ€ische LĂ€nder möchten durch einen Verzicht auf Kernkraft nicht in die energiepolitische AbhĂ€ngigkeit Russlands geraten. Bisher kommt ein Großteil des dort verwendeten Erdgases nĂ€mlich bereits aus Russland.

Bis zu einem wirklich atomenergiefreien Europa wird es demnach noch einige Jahrzehnte dauern.

(Text: Sarah Fischer / Foto: ausgetrahlt.de)


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