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Wenn in Marrakesch das Wasser verdampft

Die Schattenseiten des billigen Supertourismus

Einmal im Leben nach Asien, einmal schnell die Sonne in Kuba genie√üen. Viele tr√§umen von weiten, wei√üen Str√§nden und tollen Reisen – jedoch zu einem m√∂glichst g√ľnstigen Preis. Klingt toll, oder etwa nicht? Sommer Sonne, Sonnenschein – ohne Schattenseiten?

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Wer f√ľr zwei Wochen nach Kuba reisen m√∂chte, der kann dies schon f√ľr unter 1000 Euro buchen. Zahlreiche Bonusreisen f√ľr Mitarbeiter von Verkaufsunternehmen und Versicherungen haben ebenfalls die Karibikinsel zum Ziel. Tolle Str√§nde, viel Sonne und grandiose Erholung sind vorprogrammiert.

Aber sieht man wirklich das ‚Äěwahre“ Kuba, wenn man im Hotelpool am Cuba Libre nuckelt? Der geschlossene Mikrokosmos hat wohl wenig gemein mit den Realit√§ten des Landes. Der H√∂hepunkt der kulturellen Mission w√§re wohl eine Bussightseeing-Tour durch Havanna.

Zwei Währungen auf Kuba
Es ist eine Perversion des Tourismus (und des engstirnigen Sozialismus Kubas), dass auf Kuba zwei Währungen im Umlauf sind. Die Löhne der Einheimischen werden im Peso Cubano ausgezahlt, während Touristen mit dem US-Dollar-Ersatz Peso convertible bezahlen. Negative Konsequenz dessen: Einheimische können sich viele Artikel, die nur mit den Peso convertible bezahlt werden können, nicht leisten.

Es sind negative Auswirkungen, die gepaart mit der reformhemmenden kubanischen Regierung, fatale Auswirkungen f√ľr die Einheimischen haben k√∂nnen. Klar ist zudem, dass zahlreiche Gebiete in Kuba f√ľr Touristen ohne Begleitung nur sehr bedingt zug√§nglich sind. Zu gef√§hrlich, zu schwierig – da macht man doch lieber Urlaub am Pool und verl√§sst nur per Flieger gen Heimat das Hotelareal.

Wasserverschwendung auf Golfplätzen
Auch in Marrakesch, der Hauptstadt Marokkos, die j√§hrlich immer mehr Touristen anlockt, lassen sich die Auswirkungen des Tourismus erleben. W√§hrend das Land unter einer eklatanten Wassernot leidet, verdampfen auf den Golfpl√§tzen des Landes t√§glich unz√§hlige Liter Wasser. Die Golfplatzsprinkler laufen auf Hochtouren, die Politik geht √ľberaus dilettantisch und verschwenderisch mit der Ressource Wasser um. Durch die Hitze verdampft das Wasser oft noch, bevor es √ľberhaupt den Boden erreicht. Parallel dazu wird das √ľbrige Wasser nicht ad√§quat gespeichert und verarbeitet, wodurch f√ľr die Bev√∂lkerung eine Wassernot entsteht.

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Es sind auch hier die Kehrseiten der Tourismusmedaille. Der Urlauber an sich kann f√ľr die Umst√§nde grunds√§tzlich einmal wenig – und dennoch unterst√ľtzt und manifestiert er durch seinen Urlaub die Schieflage vor Ort. Dass der Tourismus auch positive Folgen f√ľr die Bev√∂lkerung hat, das soll gar nicht bestritten werden. Aber ein wenig mehr Differenzierung kann dennoch nicht schaden.

Der Tourismus boomt, die Umwelt ächzt

Laut Wikipedia wurden 2004 beispielsweise weltweit 623 Milliarden Euro durch die boomende Tourismuswirtschaft in die Kassen gesp√ľlt – Tendenz sicherlich steigend. Klar, dass dabei auch ein Teil der Geldmenge in den H√§nden der Einheimischen landet. Die Frage bleibt jedoch, zu welchem Preis das geschieht. Neben Wasserversorgung und W√§hrungsproblematik bleiben auch massive Zweifel am stetig wachsenden Flugverkehr, der vor allem durch die Billiganbieter befeuert wird. Umweltprobleme sind aber nicht nur Resultat der steigenden Flugzahlen.

Auch der M√ľll, der von den Touristen am Strand, Wald oder den St√§dten hinterlassen wird, belastet die Umwelt. In den √∂sterreichischen Alpen werden beispielsweise j√§hrlich 4.500 Tonnen M√ľll zur√ľckgelassen. Ganz zu schweigen von den Stromfressern wie Klimaanlage und Swimmingpool.

Ein Sonnenurlaub ohne Schattenseiten? Wohl kaum – von der Illusion des unproblematischen Ferienausflugs kann man sich schnell verabschieden. Es geht nicht darum, den Tourismus in seiner Gesamtheit zu d√§monisieren, aber ein wenig mehr √ľber den Tellerrand zu schauen – das w√§re schon ein erster Schritt zur Besserung.

(Text: Jerome Kirschbaum / Foto: Lucas Dienemann by jugendfotos.de)
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√úber den Autor

Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten √ľber Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling f√ľr back view, neben den Leibes√ľbungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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