Generation Weltenbummler

Die Welt rückt näher zusammen. Wohin der Blick auch fällt, begegnen einem fremde Kulturen. Sei es der Döner um die Ecke, der Asialaden in der Innenstadt oder die allseits beliebten Anglizismen in unserer Sprache – Globalisierung ist überall. back view über das Leben sowie Tipps und Tricks als Weltenbummler.

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Reisen von Kontinent zu Kontinent ist so einfach wie nie. Airlines bieten „Around the world“-Tickets an, für den Zug gibt es Eurorail-Pässe oder Explorer-Tickets für Greyhound Busse in Nordamerika. Und immer mehr Menschen machen von diesen auch Gebrauch. Wie man sich am besten durch die Welt schlängelt und wer es schon alles getan hat, ist hier kurz und kompakt zusammengefasst.

Die wohl bekannteste Möglichkeit einmal Auslandsluft zu schnuppern, ist immer noch das sogenannte GAP year nach dem Abitur oder dem Studienabschluss: Egal, ob als Au-pair nach Amerika oder doch lieber ein Jahr jobben durch Australien – hier gibt es für jeden Geschmack das richtige Paket.
Der Vorteil dabei ist, dass im Hintergrund meist eine Organisation am Werke ist, die Erfahrung hat und im Zweifelsfall eingreifen kann. Gerade für die erste Auslandserfahrung ist es sicherlich hilfreich, nicht gleich ins Blaue zu springen und zu hoffen, dass alles klappt.

Und oft kann so ein Jahr auch schon Hinweise und Hilfe für die richtige Berufswahl geben. Nach ihrem Au-pair-Jahr in Amerika zum Beispiel war es für Isabell (25) aus Baden Württemberg nicht nur einfacher einen Platz an der Pädagogischen Hochschule zu bekommen, sie hatte auch schon erste Erfahrungen in der Kinderbetreuung gesammelt und konnte nach einem Jahr in den Staaten auch ohne Probleme den Englisch-Aufnahmetest bestehen.

Auslandspraktikum gefällig?
Für Leute, die gerne etwas mehr Berufserfahrung sammeln wollen, gibt es organisierte Praktika im Ausland. So bieten zum Beispiel viele deutsche Universitäten heute schon organisierte Auslandspraktika im Zuge einer Kooperation oder eines international orientierten Studiums an.
Aber auch hierfür gibt es Organisationen die einem helfen, die richtige Stelle zu finden. Leider verlangen diese meist eine recht hohe Aufwandsentschädigung für die Organisation. Und die Praktika sind dann meist nur sehr gering oder gar nicht bezahlt.

Besser ist es da natürlich, man findet über private Kontakte eine Stelle. Bei der Wahl des Ziellandes sollte man natürlich die eigenen Vorlieben sowie die dort gesprochenen Sprachen beachten. Doch grundsätzlich gilt: Exotisch kommt besser an. VWL-Student Christian (25) aus Magdeburg hat es zum Beispiel durch Connections zu einem Auslandspraktikum nach Israel geschafft.
Seine Kollegen dort sprachen Englisch oder in vielen Fällen auch zumindest ein wenig Deutsch und zurück in der Heimat beeindruckte der Aufenthalt in dem Krisengebiet den ein oder anderen Chef beim Vorstellungsgespräch. Dadurch fiel es Christian sehr leicht, auch nach seinem Bachelorabschluss schnell Praktika und somit Berufserfahrung zu sammeln.

Eigeninitiative hat viele Vorteile
Etwas abenteuerlicher – aber dafür vielleicht auch etwas interessanter – gestaltet sich da die Praktikumssuche auf eigene Faust. Es muss ja nicht immer gleich über den Teich gehen. Auch in Europa lässt sich mit einem englischen Lebenslauf und etwas Zeit im Internet das ein oder andere interessante Angebot entdecken.
Ich persönlich habe mir zum Beispiel mein Hobby, die Reiterei, zum Ferienjob gemacht und habe eine Suchanzeige auf der weltweit größten Community für Pferdejobs geschaltet. Die Anzeige ist kostenlos und bis jetzt hat sie mich schon zweimal nach Kanada, kurz nach Irland, nach der Schule nach Frankreich und 2010 auch nach Ungarn gebracht.

Die Bedingungen variieren dabei je nach Job, doch die generelle Prämisse ist Unterkunft und Verpflegung gegen Mithilfe im Stall. Die Anreise muss dabei meist selbst gezahlt werden, doch da sonst keinerlei Kosten anfallen und man trotzdem mindestens zwei freie Tage die Woche hat, ist es eine gute Alternative, um sein Hobby mit einem ausgedehnten Auslandsaufenthalt zu verbinden.

Auf gut Glück hinaus in die Welt
Für die Abenteurer unter uns gibt es dann noch die Hardcore Variante: All sein Hab und Gut in ein Lagerhaus (oder wahlweise bei den Eltern) unterbringen, Ticket kaufen und los. Was sich früher wie ein nie erreichbares Abenteuer angehört hat, ist heute einfacher, als manch einer vielleicht denkt.
Sonja (30) aus Hamburg zum Beispiel hat sich für eines der vielen „Around the world“-Tickets entschieden. Erster Stopp war Neuseeland. Überwältigt von der Schönheit des Landes und der Freundlichkeit der Leute hat sie sich dann dort auch eine Weile niedergelassen.

Ihren Alltag finanzierte Soja durch Aushilfsjobs – die es auf den beiden Inseln bei entsprechenden Englischkenntnissen zu genüge gibt – und durch den Verkauf ihres Autos in der Heimat. Ein bisschen Cash sollte man schon zur Verfügung haben, wenn man ans andere Ende der Welt reist.
Doch das dort Verdiente reichte immerhin, um ihre Tour dann nach gut sechs Monaten doch noch fortzuführen. Aktuell ist sie mit ihrem Freund in Kambodscha auf Tempel-Tour und stellt quasi wöchentlich atemberaubende Bilder von Gewürzmärkten, weißen Stränden an türkisblauem Wasser oder mystisch anmutenden Statuen und Tempeln ins Internet.

Aber auch Europa hat viel zu bieten. Sean (22) aus England buchte erst einmal nur einen Billigflug von der Insel nach Deutschland und schlägt sich jetzt mit Hilfe von Couchsurfing und Mitfahrgelegenheiten durchs Festland. Einen wirklichen Plan hat er dabei nicht.
Nach Wien soll es gehen, vielleicht nach Italien, aber zuerst quer durch Deutschland und in die Nachbarländer. Und dank Couchsurfing – einer internationalen Community von gleichgesinnten Reisebegeisterten jungen Menschen, die kostenlos ihre Couch zur Verfügung stellen – klappt das recht kostengünstig – inklusive direktem Anschluss an Locals.

Ein Barbesuch am Abend, Mittagessen im Lieblingsrestaurant des Hosts oder der ultimative Insidertipp vom Stadtexperten, das ist es, was Couchsurfing so einzigartig macht. Hinzu kommt die ultimative Erfahrung, dass die Menschheit doch gar nicht so schlecht ist, wie manche vielleicht denken. Es gibt viele nette Menschen auf dieser Welt und die meisten davon haben sicher auch eine Couch für dich. Also, ab ins Internet, Reiseroute raussuchen, Koffer packen und auf in die Ferne! Es gibt viel zu erleben und zu entdecken.

Weitere Informationen und Tipps unter:
Couchsurfing.org
Aroundtheworldticket.de

Weitere Texte zum Titelthema „LEBENSWEGE“:
18-jährige Erstis versus 30-jährige Langzeitstudenten
Karriersingles
Ohne zu Hause in der Welt daheim
Ein Leben im Kloster
Zeitgeist des Heiratens

(Text: Carolin Schmitt)

Carolin S.

Ich habe 2009 angefangen für back view zu schreiben, damals vor allem im Bereich *Sport*. Mittlerweile schreibe ich auch über andere Themen und versuche mein Studium der Anglistik und Amerikanistik auch ab und zu mit meinen Artikeln zu verknüpfen.

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