Der gute Ruf des Mister Heisenberg

Vom Chemielehrer zum Drogenkoch. Das klingt nicht nach einem üblichen Lebenslauf, doch für Walter White wird er zur Berufung. Inwieweit gehen die Macher der Serie „Breaking Bad“ auf die Drogen-Problematik ein? Das hat back view für euch analysiert.

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Sieben Emmy-Nominierungen in mehreren Jahren – Bester Hauptdarsteller, Nebendarsteller und Bestes Drama – zeigen, dass die US-Serie Breaking Bad nicht nur bei Chemie-Studenten beliebt ist. Mit dem Start der zweiten Hälfte der fünften Staffel im August, nähert sich die Geschichte um Walter White und Jesse Pinkman langsam ihrem Höhepunkt.

Um eine möglichst authentische Atmosphäre zu schaffen, greifen die Macher der Serie immer wieder auf die Hilfe von Donna Nelson, einer Professorin für Organische Chemie an der Universität von Oklahoma zurück. Laborausstattung und Formeln sind ebenso wahrheitsgetreu wie das Aussehen der Junkies, die in der Serie auftauchen. Nur zu sehr erinnern sie uns an die abschreckenden Polizeibilder, die immer wieder auf die Folgen des gefährlichen Crystal Meth-Konsums aufmerksam machen.

Drogenhandel, nicht die Droge, ist schlecht
Doch trotz der dramatischen Bilder – hagere, von Abszessen geplagte Gesichter und völlig unkontrollierte Handlungen – tritt der Endkonsument des Produktes „Blue Sky“ nur selten in der Serie auf. Es wird zwar klargestellt, dass das Drogenmilieu kein „Kinderspielplatz“ ist und im Laufe der Staffeln sterben viele Charaktere, aber in den seltensten Fällen an den Drogen selbst.

Jane kommt wegen Walt’s unterlassener Hilfeleistung zu Tode und andere Personen sterben eher, weil sie in den Drogenhandel involviert sind oder werden. Hier wird nicht der Konsum, sondern der gefährliche Kampf um die Vorherrschaft als das gravierende Problem dargestellt.

Besonders die Auftritte von Jesses Freunden zeigen eher eine Verharmlosung des Problems. Badger und Skinny Pete scheinen eine gewisse Kontrolle über ihren Konsum zu haben. Auch ihr Aussehen stimmt nicht mit dem gängigen Klischee des zerstörten Gesicht eines Meth-Süchtigen überein.

heisenbergVom Familienvater zum Drogenkoch
Die fatalen Folgen der Drogen und des Handels mit diesen werden noch am ehesten am Charakter von „Mister Heisenberg“ deutlich. Im Laufe der Serie entwickelt sich Walter vom Helden, der sich von seiner Krebserkrankung nicht unterkriegen lässt, zum Antagonisten der Geschichte und verliert immer mehr die Sympathie der Fans. Was am Anfang aussieht wie der Aufstieg des kleinen Mannes vom Tellerwäscher zum Millionär, endet mit ihm in der Rolle des „Scarface“.

Die Sympathie, die die Fans am Anfang für ihn empfinden, ist vor allem an ihren Reaktionen zu Walt’s Frau Skyler zu sehen, die eine der bestgehassten Figuren der Serie ist. Ihre normale, rationale Reaktion zu Walt’s Verwicklung in die Drogenszene ist Ablehnung und der Wunsch nach einer Scheidung. Die Fans allerdings sind so von der Serie und den Figuren so fasziniert, dass sie mit deren Verhalten nicht sympathisieren.

Midlife-Crisis Deluxe
Walt’s Motivation ist insoweit verständlich, als dass am Anfang der Serie die Drogenherstellung nur als Mittel zum Zweck gesehen wird. Wir als Zuschauer können verstehen, dass Walt für seine Familie für die Zeit nach seinem Tod vorsorgen möchte. Vor allem, wenn man die Unmengen an Studiengebühren kennt, die junge Amerikaner gleich am Anfang ihres Lebens in eine Schuldenfalle treiben, ein verständlicher Wunsch. Wir können deshalb kurzzeitig die Illegalität seines Vorhabens vergessen.

Im Laufe der Serie verbessert sich seine Gesundheit stark, seine Begründung verliert an Boden. Da er sich trotzdem immer tiefer verwickeln lässt, geht ihm die Sympathie der Zuschauer verloren. Besonders die Freude, die er immer mehr in seiner Rolle als Scarface zu finden scheint, hinterlässt beim Zuschauer einen fahlen Beigeschmack.

Aus dem Chemielehrer, der sich weder gegen seine Schüler durchsetzen noch deren Respekt erlangen konnte, wird der gefürchtete Heisenberg, dem sogar die Drogenpolizei auf der Spur ist. Man könnte seine Karriere als extreme Midlife-Crisis sehen.

 

Obwohl in der Serie die negativen Auswirkungen des Drogenmissbrauchs und des Drogenhandels nicht ausgespart werden, liegt der Fokus doch eher auf der psychologischen Entwicklung der Figuren.

Vielleicht setzen die Macher voraus, dass der Zuschauer schon aus etlichen Präventionsveranstaltungen weiß, wie schlecht kurzzeitige Glücklichmacher auf den Körper wirken. Wenn die Serie „Breaking Bad“ mit ihrer fünften Staffel in diesem Jahr ihr Ende findet, hat sie hoffentlich mehr Leute in die Chemie-Vorlesungen der Universitäten als in die heimischen Küchen getrieben.

(Text: Franziska Mayer / Foto: Julian Beger)

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