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Der Mann, der zu sehr hoffte

 

Wenn Baz Luhrmann ruft, kommen sie alle. In seinem neusten Film, einer Adaption von F. Scott Fitzgeralds „Der große Gatsby“, spielen GrĂ¶ĂŸen wie Leonardo DiCaprio und Toby Maguire eine der grĂ¶ĂŸten Dreiecksgeschichten der Literatur. Doch trotz authentischer Schauspieler kommt der Zeitgeist der „Roaring Twenties“ nicht ganz auf.

 

Im New York der 20er Jahre lernt der junge Nick Carraway (Tobey Maguire) seinen Nachbarn Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio) kennen. Ein geheimnisvoller Neureicher, der in seinem schlossartigen Haus an jedem Wochenende ausufernde Parties veranstaltet, um das Interesse einer bestimmten Frau zu erregen: Nicks Cousine Daisy (Carey Mulligan).

 

Beide lernten sich vor Jahren kennen und lieben, doch wurden vom Zweiten Weltkrieg und Gatsbys Drang „etwas aus sich zu machen“ getrennt. Sicher, dass Daisy ihn trotz ihrer Ehe mit dem Erben Tom Buchanan immer noch liebt, entfaltet sich eine Dreicksgeschichte, die alle Beteiligten in einen Strudel aus LĂŒgen, Wut und TrĂ€nen reißt. 

 

Luhrmann scheint eine Vorliebe fĂŒr Charaktere zu haben, deren Liebesgeschichte nur negativ enden kann. Egal ob Romeo und Julia oder Christian und Satine aus „Moulin Rouge“: Dem Zuschauer wird von Anfang an klar gemacht, dass dieser Film kein Happy End haben kann.

 

Die graue, triste Szenerie des Anfangs und der bleich und ungesund aussehende Nick, der die Geschichte dieses Sommers erzĂ€hlt, stehen in extremem Gegensatz zu den farbenprĂ€chtigen Szenen der Parties. Wenn der Pool und die GĂ€ste auf Gatsbys Anwesen gezeigt werden, kommt es dem Zuschauer vor, als wĂŒrde er durch ein Kaleidoskop blicken; alles glitzert und glĂ€nzt. 

 

Leonardo DiCaprio schafft es, beide Seiten Gatsbys darzustellen: Seine unrealistische Vorstellung von Liebe und das Image, dass er sich als Lebemann aufgebaut hat. Sein entstelltes, wĂŒtendes Gesicht, als beide Rollen im selben Augenblick zusammenfallen, ist vielleicht sogar identisch mit dem Ausdruck, den DiCaprio auflegt, wenn er ohne Statue von den Oscars nach Hause gehen muss. So sicher und zum Greifen nah scheint ihm das GlĂŒck, aber es wird ihm im letzten Augenblick genommen.

 

Das AuffÀlligste an der Gestaltung des Films ist sicherlich die Musik. Lana del Reys Lieder mögen noch in die 20er Jahre passen. Der HipHop von Jay-Z wirkt jedoch fehl am Platz. Dass diese Musik in einer Szene gespielt wird, in der eine Gruppe von Schwarzen schampustrinkend vorbeifÀhrt, wirkt mehr klischeehaft als authentisch.

 

Cineasten, die „The Great Gatsby“ nicht gelesen haben, bietet Luhrmanns Film eine ParallelrealitĂ€t, die bunter und ĂŒbertriebender ist als der Roman selbst. Wer dieses Werk jedoch tatsĂ€chlich gelesen haben sollte, wird eher mit EnttĂ€uschung aus dem Kinosaal gehen, fĂ€ngt dieser Film doch nur halbherzig die AtmosphĂ€re des großen Jay Gatsbys ein.

 


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