“You can`t stink a rainbow!”

Wer Greenpeace hört, denkt an Schlauchboote auf dem offenen Meer, Menschen, die sich an Bäume ketten oder sich mit einem Transparent vom Dach eines Hochhauses abseilen. Greenpeace bedeutet auch Aktivismus und Widerstand. Es bedeutet aber vor allem Umweltschutz und Gewaltfreiheit.

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Gegründet wurde die Organisation von einer Gruppe junger Männer und Frauen, die 1970/71 auf die Atomtests auf der Insel Amchitka vor der Küste Alaskas aufmerksam machten und einen Stopp dieser erreichten. Heute ist Amchitka, Lebensraum seltener Seeotter, ein Naturschutzgebiet. Sechs Wochen befanden sich zwölf euphorische Menschen an Bord der „Greenpeace”, setzten sich großen Gefahren aus und legten so den Grundstein für die heute erfolgreichste Umweltschutzorganisation der Welt.
Die anfängliche Ökobewegung, rund um Irving und Dorothy Stowe, Dorothy Metcalfe, Paul Cote, Jim Bohlen und Bob Hunter, brauchte nur einen geeigneten Namen. Schon Ende der Sechziger waren sie in Friedensbewegungen aktiv und wollten einen „grünen Frieden” gegen die Atomgefahr: damit war Greenpeace geboren.

Heute ist Greenpeace eine weltweit bekannte und international agierende Umweltschutzorganisation, nach dem WWF (World Wildlife Fund) die zweitgrößte mit etwa 3,5 Millionen Mitgliedern und Spendern. Greenpeace ist vollkommen unabhängig von politischen sowie wirtschaftlichen Institutionen und wird nur von privaten, freiwilligen Spendern unterstützt. Diese Unabhängigkeit ist extrem wichtig, denn nur so kann Greenpeace frei und ohne das Einmischen größerer Konzerne arbeiten.

Natürlich wäre es einfacher, Spenden in fünf- oder gar sechsstelligen Bereichen anzunehmen, anstatt mühsam Förderer auf der Straße anzuwerben. Jedoch müsste man sich dann, wie es beim WWF schon teilweise der Fall ist, nach diesen, in Wirtschaft oder Politik einflussreichen, Unternehmen richten und könnte in Umweltfragen nicht frei gegen sie ermitteln, ohne die Spenden wieder zu verlieren. Denn niemand hat nach Meinung von Greenpeace das Recht, die Gesundheit unserer Erde und ihre Zukunft zu bedrohen oder zu beeinträchtigen. Sollte es doch jemand tun, egal ob Großkonzern oder Staatengemeinschaft, klagt Greenpeace diesen öffentlich an und bringt die Verantwortlichen ans Licht.

Da die Umweltschutzorganisation eine Welt umfassende Bewegung ist und sich gegenseitig international unterstützt, setzt sie sich sowohl über gesellschaftliche als auch politische Grenzen hinweg, um dringende Welt umfassende Lösungen zu suchen und zu liefern. Genauso wichtig wie die berühmten direkten Aktionen von Greenpeace sind ebenso Lobbying und Medienpräsenz, die sich in allen Belangen ergänzen.
Die Hälfte der Gründungsmitglieder beispielsweise waren Journalisten bei großen kanadischen und amerikanischen Zeitungen, so wurde die bis heute hervorragend in Szene gesetzte Medienarbeit der Vereinigung quasi schon mit in die Wiege gelegt. Ein kleines Schlauchboot zwischen zwei japanischen Piratenschiffen, Harpunen werden abgefeuert – solch ein Bild sagt mehr als tausend Worte und zeugt vom momentsicheren Fingerspitzengefühl des Fotografen.

Die frühen Jahre
Die Richtung von Greenpeace hat sich in den Anfangsjahren zunächst geändert, statt gegen die globale atomare Bedrohung kümmerte man sich mehr um den Schutz von Walen und Robben. Viele der Gründer stiegen deshalb aus und sahen die Organisation, auch aufgrund vieler interner Streitereien, schon bald zum Scheitern verurteilt. Größtenteils von Hippies geführt, war man der Auffassung, keine gezielte und geplante Leitung zu brauchen.
Geld bekam man durch Spenden, den Verkauf von Buttons und T-Shirts sowie die Veranstaltung von Benefizkonzerten, den Vorläufern des heutigen modernen „Fundraising”. Betrug untereinander ließ Greenpeace immer wieder pleite gehen, doch glückliche Zufälle erhielten es am Leben. Allerdings wurde schließlich klar, dass eine Bürokratie nötig war, um die bürokratischen Maschinen von Regierungen und Multis zu bekämpfen. Eine Struktur mit Kraft und Ausdauer musste ihnen entgegenstehen statt des bisherigen Chaos. 1979 wurde Greenpeace International gegründet, das offizielle Anfangsjahr der Organisation.

Einer der wichtigsten und nachhaltigsten, wenn auch weniger Aufsehens erregenden Erfolge war die Einführung des FCKW-freien Kühlschranks. 1992 wartete Greenpeace mit dieser Greenfreeze-Technologie auf und bewies, dass mit Hilfe des Kohlenwasserstoffs Iso-Butan statt dem Ozonschichtkillern FCKW und Treibhausgasen als Kältemittel, eine umweltfreundliche Kühlung möglich ist. Heute ist diese Technologie weltweit selbstverständlich, besonders in den Wirtschaftsboom-Ländern Asiens.

Konzentration auf fünf Gebiete
Inzwischen befasst Greenpeace sich mit fünf wichtigen Kampagnen: den Meeren und dem Schutz ihrer Lebewesen, den Ur- und Regenwäldern, dem Klimawandel, Atomenergie sowie Gentechnik. Alle sind sie gleich wichtig, mehr oder weniger spektakulär und die eine dringender als die andere. Dass sich Greenpeace für die Rettung der Wale einsetzt, ist wohl eines ihrer bekanntesten Merkmale. Die Meereskampagne ist  auch die älteste der fünf Kampagnen. Schon 1986 erreichte die Organisation einen Stopp des kommerziellen Walfangs, dass heißt Walfang zum Zweck des Fleischverkaufs und -genusses.

Einzig und allein Japan sowie Island haben das Recht, pro Jahr eine bestimmte Anzahl von Walen zu „fangen” – allerdings nur zu Forschungszwecken. Dass Greenpeace mit seinen drei Schiffen „Rainbow Warrior II”, „Esperanza” und „Arctic Sunrise” immer noch Piratenschiffe dieser beiden Länder verfolgen und aufdecken muss, um bereits massiv bedrohte Walarten zu schützen, zeigt, dass man die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Sache immer noch präsent ist – über zwanzig Jahre nach dem Walfangmoratorium. Aber nicht nur die Meeressäuger brauchen unsere Hilfe – fast 75 Prozent der Speisefischarten, die besonders in Europa und Amerika gern auf dem Teller landen, sind vom Aussterben bedroht.

Die Tunfischbestände im Mittelmeer sind mittlerweile leer gefischt, europäische Fischerboote fahren nicht erst seit gestern vor die Küsten Afrikas, Südamerikas oder Neuseelands und fischen dort mit ihren riesigen Netzen pro Tag ungefähr soviel aus dem Wasser, wie sechzig einheimische Fischer in einem Monat fangen würden. Nicht nur Arten wie Seehecht, Garnelen, Alaska-Seelachs und der Neuseeländische Sankt Petersfisch sind bedroht sondern auch die Existenz derer,  an deren Küsten ohne jegliche Berechtigung die Netze ausgeworfen werden,  wo gut zwei Drittel der Beute unbrauchbarer Beifang sind, wie Delfine, Krebse oder auch Seevögel, der dann von den Fischern achtlos, mehr tot als lebendig, wieder ins Meer zurückgeworfen wird. Treibnetze, die auch Korallenriffe zerstören und in denen sich größere Meeresbewohner verfangen und darin qualvoll verenden, sind seit Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts offiziell verboten.

Greenpeace hat schon einige Piratenschiffe enttarnt und am Auslaufen gehindert, durch gute Recherche und viel Mut, den die Aktivisten bewiesen, und somit erreicht, dass diese nicht mehr illegal über die gesetzlichen Fangquoten hinaus fischen dürfen. Leider sind schnelle Erfolge äußerst selten und so bleibt in der Meereskampagne noch viel zu tun. Weitere Missstände müssen aufgedeckt, die Kampagnenarbeit muss erweitert, Lobbying betrieben sowie Druck mit verschiedenen Aktionen ausgeübt werden. Viele Rückschläge wird Greenpeace auch hier erleben, doch Aufgeben ist für die Organisation ein Fremdwort.

Die spektakulärste Niederlage war wohl der Anschlag des französischen Geheimdienstes auf die „Rainbow Warrior I” vor der neuseeländischen Küste, die von Florida ausgelaufen war, um Atomtests der Franzosen auf den benachbarten Inselatollen zu stören. Doch ging Greenpeace, trotz eines Todesopfers und Versenkung des Schiffes, gestärkt aus dieser Situation hervor, gewann als noch unbekannte Umweltvereinung Aufmerksamkeit, Sympathisanten und neue Spender.

(Text: Katrin Kircheis)

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