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Mediale Finsternis

Das TV-Duell „Steinmeier versus Merkel“

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen wurde versprochen, vom „Verhörfeuer“ gesprochen, Ansagen und Vorschauen waren omniprĂ€sent. „Das Duell war dennoch ein Reinfall“, stellte back view-Mitarbeiterin Verena BrĂ€ndle ernĂŒchtert fest. Die Politiker trugen hierfĂŒr aber nur zum Teil die Schuld.

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„Es ist nicht alles Gold was glĂ€nzt.“ Das gilt auch fĂŒr den vergangenen Sonntagabend. Deutschland saß gebannt vor dem Fernseher und wartete auf das „TV-Duell“. Gleich vier Sender, ARD und ZDF, sowie RTL und Sat.1 haben sich zur medialen Inszenierung zusammengeschlossen. NatĂŒrlich ist da nur, dass auch jeweils vier Moderatoren die Debatte leiteten. Nur leider ist ihnen das nicht gelungen. Bissig und provokant wollten sie wirken, verbissen und kleinlich verhielten sie sich aber stattdessen.

2245010Geht man einmal davon aus, dass Moderatoren die Regeln der Konversation kennen sollten, könnte der eine oder andere mit Fug und Recht vermuten, dass Illner, Limbourg, Plasberg und Kloeppel wohl zum ersten Mal vor der Kamera standen. Selten haben Moderatoren so zielstrebig und unangemessen unterbrochen, selten waren sie so polemisch wie am Sonntag. Wenn sie verĂ€rgert darĂŒber waren, denn so erschien es auf weiten Strecken, dass Merkel und Steinmeier nicht radikal genug oder nicht willig zur Abgrenzung waren, so fragt man sich, was sie denn erwartet haben.

Wie sollen Bundeskanzlerin und Vizekanzler, die vier Jahre nebeneinander regiert haben, auf einmal eine 180-Grad-Drehung vollziehen? Und ganz ehrlich: Was wĂŒrde das denn ĂŒber die Effizienz und AuthentizitĂ€t der Regierung der letzen Legislaturperiode verraten? Sicherlich mag der eine oder andere hier laut lachen, aber der Tatsache, dass die Große Koalition selbst in den schlimmsten Zeiten der Finanzkrise den Kopf behalten hat, kann wohl keiner widersprechen.

2245012ZurĂŒck zur medialen Finsternis: Die Analyse des Duells fand ebenso auf den vier Sendern statt. Der Unterschied zwischen den Öffentlich-rechtlichen und den Privaten war jedoch nur schwer auszumachen. Da saß doch tatsĂ€chlich Bunte-Chefradakteurin Riekel bei Anne Will auf dem Sofa und solle als Expertin fĂŒr die Unterschiede von Mann und Frau in der Debatte Rede und Antwort stehen, so Will bei der AnkĂŒndigung.
Bei RTL wurden eine Rentnerin und der Inhaber eines „Wurstimperiums“ – Wortlaut: die Journalistin – nach ihrer professionellen EinschĂ€tzung gefragt. Na vielen Dank, so viel zum Thema Analyse. Überraschend war da nur Sat.1, immerhin kamen da diejenigen zum Zug, die erst gar nicht zum Duell eingeladen worden waren: Westerwelle und Trittin hatten jedoch wenigstens Spaß.

In der Tat hat das „TV-Duell“ am Sonntag zwei Lager aufgetan: Nicht das Merkel- bzw. Steinmeier-Lager. Vielmehr musste man zwischen Moderatoren und Politikern wĂ€hlen. Welchem der Kandidaten am 27. September man seine Stimme denn nun geben soll, ist fĂŒr viele immer noch ungewiss. Die Moderatoren bekommen jedenfalls keine.

(Text: Verena BrÀndle / Fotos: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde)


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