Studium? Ja, vielleicht, nein?

„Was willst du mal werden?” Diese Frage beantworten Abiturienten oft mit einem kurzen Schulterzucken – vielleicht erst einmal studieren. Aber was? Nicht nur Deutschen geht es so, auch Franzosen sehen sich mit einer Vielzahl von Studiengängen konfrontiert, und ebenso vielen Abkürzungen. Allerdings ist der berufliche Werdegang durch eine Schwerpunktsetzung im Abitur bereits vorgezeichnet. back view hat sich deshalb in Metz umgehört.

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amrane2Amrane, 27, arbeitet in einer Bank:
„Ich bin vor zwei Jahren mit meinem Studium fertig geworden – ich habe einen Master AES gemacht (Anmerkung der Redaktion: AES=Administration, économique et sociales; deutsch: Verwaltung, Wirtschaft, Soziales, AdA.). Es ist ein Generalisten-Studium, das hat mir gut gefallen. Auf der anderen Seite ist das auch wieder ein Nachteil, weil man nicht spezialisiert ist. Auf dem Arbeitsmarkt hat man eine schwierige Stellung als Generalist. Jetzt arbeite ich in einer Bank und bin in einer Gruppe, die die Klienten identifiziert, die mit Investmentbanken in Beziehungen treten.”

clement2Clément, 18, studiert DUT mesures physiques:
„Ich studiere DUT-mesures physiques (Anmerkung der Redaktion: DUT=diplôme universitaire de technologie, Technisches Universitäts-Diplom). Man braucht nur zwei Jahre, bis man den DUT-Abschluss hat und es eröffnet einem viele Perspektiven; außerdem hat man etwa doppelt so viel Unterricht wie an der Uni. Es gibt zwar nicht mehr Kurse, aber den Rest der Zeit macht man Übungen. Es ist aber nicht doppelt so viel Arbeit, weil man in den Übungskursen die Sachen schon lernt und sie nicht mehr zu Hause nachholen muss.”

camille2Camille, 15, Schülerin:
„Ich werde ein Abitur mit einem Technologie-Schwerpunkt machen und dann ein BTS (Anmerkung der Redaktion: Brevet de technicien supérieur=ein zweijähriges Studium, etwa wie BWL) mit Schwerpunkt auf Handel/BWL. Was mich daran interessiert, ist der Kontakt mit den Leuten. Aber ich habe nicht so große Lust auf den ganzen Mathe-Unterricht, die tausend Formeln, die man für den commerce braucht.”


sylvaine2Sylvaine, 20, arbeitet in einem Behindertenheim:
„Letztes Jahr war ich für zwei Semester an der Uni und war enttäuscht. Ich habe bildende Kunst studiert, aber viele Kurse hatten überhaupt nichts mit Kunst zu tun. Deshalb habe ich beschlossen, jetzt etwas ganz anderes zu machen und arbeite jetzt in einem Behindertenheim. Im Moment habe ich einen befristeten Arbeitsvertrag für sechs Monate. Wenn sie in einem halben Jahr zufrieden mit meiner Arbeit sind, wird daraus ein unbefristeter Vertrag und sie bezahlen mir die Ausbildung zur Krankenpflegehelferin.”

Vincent, 17, Schüler:
„Ich möchte überhaupt nicht studieren, weil ich Schule schrecklich finde. Nach meinem Abi will ich weit weg. Später vielleicht in die Werbung. Dafür muss ich zwar auch in die Schule, aber wenigstens ist der Unterricht dann auf Marketing spezialisiert.”

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(Umfrage und Fotos: Anna Franz / Zeichnungen: Christina Koormann)

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