Kirche, Steuern und was damit passiert

Die Meinungen über die Kirche gehen bekanntlich weit auseinander. Während die einen Zuflucht finden, beschweren sich andere über Kirchensteuer oder Rückständigkeit zum Beispiel beim Thema gleichgeschlechtliche Ehe. Doch was leistet die Kirche abseits des Gottesdienstes für die Gesellschaft?


Kirche im 21. Jahrhundert. Zumindest in meiner Generation wird „21. Jahrhundert“ sofort mit dem Internet assoziiert. Daher lohnt sich zunächst einmal ein Blick auf die offizielle Homepages der katholischen (katholisch.de) und evangelischen Kirche (ekd.de).

Bei dem Wort „Kirche“ kommen den meisten Menschen vermutlich eher langweilige und lange Predigten in den Sinn. Doch was leistet die Kirche abseits des Gottesdienstes für das Wohl der Gesellschaft und welche Stellung nimmt sie dadurch in ihr ein? Entgegen meiner Erwartungen stieß ich auf zwei interessante und informative Sites, die es wert sind, einmal länger dort zu verweilen. Das dort vorgestellte soziale Angebot der Kirche in Deutschland gilt als wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. back view schaute sich genauer an, was die Kirchen im Einzelnen anbieten.

Die Kirchensteuer
Wenn man über das weit gefächerte Angebot der Kirche spricht, stellt sich zuerst die Frage nach der Finanzierung. Laut dem Statistischen Bundesamt entfielen 2008 knapp 19 Prozent (rund 25,7 Millionen Euro) der katholischen Kirchesteuer auf soziale Dienste, vor allem die Seelsorge.
Die Gesamteinnahmen der evangelischen Kirche sind mit 4,3 Milliarden Euro (Stand 2010) etwas geringer als die der katholischen mit 4,7 Milliarde (Stand 2007), wenn man davon ausgeht, dass die Zahlen relativ stabil bleiben.

Die Seelsorge
Schon im Mittelalter war die Seelsorge eine der Hauptaufgaben der Kirche. Auch heute noch kann man sich persönlich und brieflich oder moderner per Telefon, Chat oder E-Mail melden, um Hilfe und Rat zu erhalten oder einfach nur einen Zuhörer finden.
Dieses Angebot ist für den Nutzer kostenlos und selbstverständlich auch anonym wahrzunehmen. Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern unterstützen auch viele Ehrenamtliche Hilfesuchende in Krisensituationen.

Angeboten wird unter anderem Ehe- und Familienberatung, Beratung für Menschen mit Behinderung, Schwangerschaftsberatung und Militärseelsorge. Aber auch Migranten, Schuldner, Gefängnisinsassen, AIDS-Kranke und Sektenaussteiger finden hier ein offenes Ohr.

Kirche als Träger sozialer Einrichtungen
Zunächst einmal bedeutet Träger in diesem Fall nicht, dass die Kirche die finanzielle Last der Institution alleine trägt, sondern vor allem Schirmherr der Organisation ist.  Tatsächlich bezuschusst werden vor allem konfessionelle Kindergärten und Sozialstationen, ebenso wie die bereits angesprochenen Beratungseinrichtungen.

Die Bezuschussung aller Einrichtungen in Deutschland, deren Träger die Kirche ist, erfolgt bei der katholischen Kirche durch die bereits genannten rund 19 Prozent der Kirchensteuer. Da diese Summe selbstverständlich nicht ausreicht, kommt der Hauptteil der Finanzierung dieser Institutionen vom Staat, also von allgemeinen Steuergeldern.

Die Kirche ist durch diese Teilfinanzierung gesellschaftlicher, sozialer Einrichtungen Teil dieser Gesellschaft, allerdings in viel geringerem Maße als allgemein angenommen wird. Daher würde auch ohne diese finanzielle Zuwendung die Errichtung neuer Kindergärten oder Beratungsstellen möglich sein, wäre für den Staat aber teurer.
Aber ob wir unser Geld nun an den Staat abtragen, der sowieso den Löwenanteil der Finanzierung stemmt, oder es über den Umweg der Kirchensteuer dort landet, ist gleichgültig. Im Endeffekt zahlen wir – und niemand sonst.

(Text: Julia-Friederike Barbier)

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