Der wahre Roadtrip kann beginnen

ayers_rockNachdem back view Mitarbeiterin Julia acht mehr oder weniger amüsante Tage mit Reisepartner Markus auf der Nordinsel Neuseelands verbracht hat, geht es nun drei Wochen lang auf die Südinsel – mit neuen Travelmates und neuen Erkenntnissen.
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Die acht Tage mit Markus waren vorbei. Endlich. Der Österreicher, der mit mir Englisch reden wollte, weil Deutsch für ihn eine „Fremdsprache” ist, war für mich einfach zu viel des Guten. So sagte ich Vincent (so hieß unser gemieteter Campervan) und Markus „Bye Bye” anstatt „Tschüss” und traf meine neuen Travelmates in Nelson. Drei Deutsche und ein Italiener. Von nun an konnte der wahre Roadtrip durch die Südinsel beginnen. p1070472Die Magic-Bus-Crew
Zugegebenermaßen mag es für einen Italiener nicht die größte Freude sein, mit vier Deutschen zu reisen. Für die Deutschen ist es dafür umso amüsanter. Die Gruppe mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten hatte sich im Internet über eine Mitfahrgelegenheits-Anfrage gefunden. Zu fünft im recht komfortablen Stationwagen (alias „Magic Bus”), der allerdings das Tempolimit von 80 km/h nur sehr mühsam überschreiten konnte, ruckelten wir in Richtung Süden.

Das neue Quintett war nun der komplette Kontrast zum trostlosen Duo. Wir verstanden uns prima, gute Laune war angesagt. Landschaftlich war die Südinsel noch beeindruckender als ihre nördliche Hälfte. Allerdings auch recht isoliert und einsam. Stundenlang konnte man durch die Lande tuckern ohne auf ein Dorf mit mehr als 200 Einwohnern zu stoßen. Unsere nächtlichen Ausgehversuche scheiterten jedes Mal mehr oder weniger kläglich, da sich die Dörfchen mit 500 Bewohnern doch nicht so als Party-Hochburg entpuppten. Aber wir sind ja auch nicht nach Neuseeland gekommen, um zu feiern!

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Sondern? Richtig, um zu wandern! Keiner kann Neuseeland verlassen, ohne ein paar richtige Wanderungen gemacht zu haben. Das ist ein inoffizielles Gesetz. Wir haben uns natürlich fleißig an dieses Gebot gehalten. Besonders gerne unternahmen wir Zwei-Tages-Wanderungen bei strömendem Regen. Damit man auch so richtig schön nass wird. Und auf den glitschigen Steinen ausrutscht. Und Blasen von feuchten Schuhen bekommt. Der beste Teil kommt allerdings erst, wenn man auf der Hütte zum Übernachten ankommt und feststellt, dass die Schlafsäcke völlig durchnässt sind. Ja, ich muss zugeben, wir waren teilweise etwas unorganisiert. Aber das hat dem Spaß keinen Abbruch getan und vor allem nicht der Freude, die wir hatten, als wir nach fast sieben Stunden Walk an unserer Hütte angekommen waren und in die nahe gelegenen natürlichen Hot Pools hüpfen konnten. Auf dem Weg dorthin musste man sich allerdings beeilen, wollte man nicht von Sandfliegen, kleinen tückischen Biestern, die tagelangen Juckreiz verursachen, aufgefressen werden. Insektenspray war unser ständiger, treuer und lebensrettender Begleiter.

Genauso wie Pasta mit Fertigsauce, wie es sich für richtige Backpacker eben gehört. Wobei nach mehreren internen Protesten schließlich auf gesünderes, gemüsehaltiges Essen umgestellt wurde.

Von Mt Cook bis Milford Sound
Gesehen haben wir mit Sicherheit nicht alles, aber doch schon einiges. Vom ersten großen Highlight, dem erwähnten Copland-Track beim Fox Glacier, ging es weiter in Richtung Queenstown, ein kleines beschauliches Städtchen zwischen den Bergen. Wir hatten aber eigentlich etwas mehr erwartet, daher zog es uns weiter in den Süden nach Milformilfordd Sound. Das 15 Kilometer lange Fjordland gehört zum UNESCO Kulturwelterbe und lockt trotz der weit abgelegenen Lage jedes Jahr tausende Touristen an. Milford Sound gehört eigentlich zu den regenreichsten Gegenden der Welt, doch siehe da! Wir hatten Glück und die Sonne im Nacken. Zu einer der berühmten Bootstouren vorbei an unberührter Natur und 1200 Meter hohen Felswänden konnten wir uns dann allerdings doch nicht durchringen. Stattdessen lieber die Aussicht vom sicheren Ufer aus genießen.

Egal wo man hinkam, traumhafte Ausblicke gab es fast überall. Wirklich beeindruckend war auch die Sicht auf Mount Cook, den höchsten Berg Neuseelands, mit gewaltigen Gletscherhängen. Am Lake Tekapo hieß es dann nochmal entspannen, in den eiskalten Gletschersee springen und stundenlang sinnlose Kartenspiele spielen.

„Happiness is only real when shared”
Irgendwann trennen sich allerdings auch die Wege der besten Crew. Wir haben gemeinsam unsere Liebe für Haferflockenbrei zum Frühstück entdeckt, uns zu dritt hinten auf der Rückbank nie gegenseitig erdolcht und unglaublicherweise jedes Mal unser insgesamt drei Tonnen schweres Gepäck wieder im Magic Bus verstauen können. Was will man mehr? So endete unsere gemeinsame Reise in Christchurch, wenige Tage bevor dieses unter dem Erdbeben begraben werden sollte.

Wie nach jedem Urlaub bleiben auch von Neuseeland Fotos, wunderschöne Erinnerungen und Freundschaften. Was jedoch viel wichtiger ist: Es bleibt die Erkenntnis, dass auch die schönste Zeit nur ihre Faszination behält, wenn man sie mit anderen teilen konnte. In diesem Sinne wieder zurück zu den Kängurus und Koalas, denn in wenigen Wochen beginnt schon der nächste Roadtrip durch Australien!

(Text und Fotos: Julia Jung)

 

Julia J.

Hauptberuflich ist Julia Weltenbummlerin, nebenberuflich studiert sie Politik. Wenn sie nicht gerade durch Australien, Neuseeland, Südafrika oder Hongkong reist, schreibt sie ein paar Zeilen für back view und das schon seit 2009.

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