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Das Zauberwort ist Dezentralisierung

Deutsche Entwicklungshilfe am Beispiel von Mali

Berlin, 15. Januar: Amadou Toumani TourĂ©, der StaatsprĂ€sident von Mali in weißem Gewand, schĂŒttelt Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Hand. Beide lĂ€cheln, er bedankt sich – doch fĂŒr was eigentlich? back view stellt die deutsche Entwicklungshilfe am Beispiel Mali vor.

In seiner Dankesrede betont er, dass es der deutschen Hilfe zu verdanken sei, dass Mali die „Milleniumsziele“ noch erreichen könne. Der euphorisch klingende Begriff geht auf eine Konferenz der Vereinten Nationen in New York zurĂŒck, in der acht Ziele fĂŒr die Welt formuliert wurden. Von der BekĂ€mpfung der Armut, ĂŒber Grundschulbildung fĂŒr alle Kinder, Gleichstellung der Geschlechter bis hin zur Verringerung der Kindersterblichkeit hat man sich viel vorgenommen.
Weiterhin soll die MĂŒttergesundheit verbessert, ĂŒbertragbare Krankheiten bekĂ€mpft und der Umweltschutz verstĂ€rkt werden. Um das alles zu erreichen, sollen weltweit Entwicklungspartnerschaften etabliert werden. Die Ziele sollen bis 2015 erreicht werden.

Optimistische Ziele und ehrgeizige Projekte fĂŒr eines der Ă€rmsten LĂ€nder der Erde
Der Sturz des Diktator TraorĂ© 1991 und der wacklige Frieden zwischen den Schwarzen und Touareg-Nomaden werden als Anzeichen einer positiven Entwicklung gewertet. So wird der Staat als Musterbeispiel der afrikanischen Demokratisierung bezeichnet. Die Bundesrepublik möchte diese Entwicklung durch verschiedene Projekte mit konkret formulierten Zielen unterstĂŒtzen.

Ein großes Problem des dĂŒnn besiedelten Landes ist die zentrale Ausrichtung auf die Hauptstadt. Mali ist flĂ€chenmĂ€ĂŸig fast viermal so groß wie Deutschland, hat aber nur zwölf Millionen Einwohner. Deshalb fördert die Bundesregierung unter anderem den Dezentralisierungsprozess des Landes. Hierzu sollen lokale Selbstverwaltung und Gemeinden etabliert werden. Neben der finanziellen UnterstĂŒtzung ist vor allem die Ausbildung durch deutsche Verwaltungsexperten entscheidend. In einem Zeitraum von zehn Jahren sollen bis 2012 zu diesen Zwecken 14,3 Millionen Euro ausgegeben werden.

Ein weiteres Projekt soll die Trinkwasserversorgung sicherstellen. Gerade in den KleinstĂ€dten der Sahelzone, also den Dornsavannen sĂŒdlich der Sahara, waren die Trinkwasseranlagen entweder veraltet, marode oder schlichtweg nicht vorhanden. Auch hier heißt das Zauberwort „Dezentralisierung“.
Damit und durch den Verkauf des kostbaren Wassers soll der Betrieb und die Instandhaltung der Anlagen gewÀhrleistet werden. Der Löwenanteil des Projektes ist bereits abgeschlossen. Zirka 50 KleinstÀdte konnten bis zum Dezember 2008 in Zusammenarbeit mit der EU mit Wasser versorgt werden. Deutscher Kostenbeitrag: 55,5 Millionen Euro.

Das Musterbeispiel fĂŒr afrikanische Demokratisierung und die Kölner Handwerkskammer
Im Vergleich mit anderen afrikanischen Staaten verfĂŒgt Mali ĂŒber eine gut organisierte Handwerkskammer. Diese QualitĂ€t soll gesichert und verbessert werden. So richteten die malischen Kammern in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Köln bereits Ausbildungszentren fĂŒr Schuster und Kfz-Mechaniker ein. Besonders interessant dĂŒrften auch die Studienreisen malischer Handwerker nach Deutschland sein, in deren Folge die Reisenden ihre Erkenntnisse auf die heimischen VerhĂ€ltnisse ĂŒbertragen wollen. Das Ministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung plante das Projekt fĂŒr einen Zeitraum von 2006 bis 2009. Mit einem Kostenaufwand von 800.000 Euro ist es vergleichsweise gĂŒnstig.

Der SĂŒdosten Malis ist felsig, zerklĂŒftet, unwirtlich. Trotzdem leben die Menschen hier von der Landwirtschaft und dem Handel mit den selbst produzierten GĂŒtern. Einfachste Infrastrukturmaßnahmen, wie das Anlegen von Pfaden, KleinststaudĂ€mmen und einfachen BewĂ€sserungsanlagen bedeuten hier bereits einen Fortschritt.
Auf diese Art und Weise konnte beispielsweise die Landflucht eingedĂ€mmt werden. Entscheidend sind hier die Eigenleistungen der Bewohner, welche durch die deutsche Entwicklungshilfe lediglich organisatorisch und finanziell unterstĂŒtzt wird. Das Projekt begann 1995 und soll dieses Jahr im Dezember abgeschlossen sein. Deutscher Beitrag: 8,5 Millionen Euro.

Konzentration der Entwicklungshilfe auf die Staaten sĂŒdlich der Sahara
Bis Mitte der 90er Jahre förderte Deutschland 120 verschiedene Staaten weltweit. Dieses „Gießkannenprinzip“ wurde allgemein kritisiert, da man ĂŒberall ein wenig half, aber nirgendwo richtig. Also wurde das Programm stufenweise reduziert, sodass man sich mittlerweile auf 57 LĂ€nder konzentriert. Fast die HĂ€lfte dieser Staaten, nĂ€mlich 24, befindet sich im so genannten „Sub-Sahara-Afrika“. Wie das Beispiel Mali zeigt, sollen konkrete und zeitlich begrenzte Projekte durchgefĂŒhrt werden, um ein Versickern der Gelder zu verhindern.

FĂŒr die Entwicklungshelfer und fĂŒr Mali scheint der PrĂ€sident Amadou Toumani TourĂ© eine große UnterstĂŒtzung zu sein. Der ehemalige Offizier der malischen Truppen unterstĂŒtzte 1991 den MilitĂ€rputsch gegen den langjĂ€hrigen Diktator TraorĂ© und wurde selbst zum ÜbergangsprĂ€sidenten gewĂ€hlt. Die eigentliche Überraschung – fĂŒr afrikanische VerhĂ€ltnisse – erfolgte dann 1992: Er gab seine Macht ab und ermöglichte demokratische Wahlen. 2002 stellte er sich erneut zur Wahl und wurde mit einer ordentlichen Mehrheit von 62 Prozent gewĂ€hlt. Mali ist ein Staat, der Hoffnung macht.

(Text: Martin Böcker)
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