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Alle Jahre wieder lecker!

Weihnachten ohne SchokoladenweihnachtsmÀnner? Undenkbar!

Doch wann entstand eigentlich der erste dieser ’sĂŒĂŸen‘ MĂ€nner? Und wo wurden sie erfunden? back view hat sich in das Innere einer Weihnachtsmannfabrik gewagt und ist dabei auf den grĂ¶ĂŸten Schokoladennikolaus der Welt gestoßen.

Zur Weihnachtszeit belagern sie die GeschĂ€fte und an Nikolaus hatte sie jeder schon im Stiefel: die SchokoladenweihnachtsmĂ€nner. Die Deutschen haben 2008 fast 460 Millionen Euro fĂŒr weihnachtliche Schokoladenartikel ausgegeben. Verkaufsschlager waren die beliebten WeihnachtsmĂ€nner. Über 9 000 Tonnen Schokolade werden in Deutschland jĂ€hrlich in rund 100 Millionen weihnachtliche Hohlfiguren verwandelt.

Wer hat ihn erfunden?
Die Entstehungsgeschichte des Schokoladenweihnachtsmanns beginnt 1832 in Frankreich. Der Franzose Jean Baptiste Letang produzierte den allerersten Mann aus Schokolade. Damals wurden allerdings keine WeihnachtsmÀnner, sondern Abbilder vom Bischof Nikolaus, dem Schutzpatron der Kinder, angefertigt. Die ersten SchokoladenmÀnner waren aus massiver Schokolade, erst spÀter wurden dann die heutigen Hohlfiguren produziert. In Deutschland stellte der Schokoladenfabrik-Besitzer Hermann Walter erst 34 Jahre spÀter die ersten Figuren in Berlin her.

schokotext1Wie werden sie produziert?
Heute benutzen die großen Schokoladenfabriken Europas in den GrundzĂŒgen alle ein Ă€hnliches Verfahren. Die Zutaten werden zunĂ€chst in einer großen RĂŒhrmaschine (Conche) conchiert, also veredelt. Nach zehn Stunden ist die Schokolade glatt und wird dann auf 30°C erwĂ€rmt, um in die Form gegossen zu werden. Damit eine Hohlfigur entstehen kann, wird die Form 20 Minuten lang im Schleuderverfahren gedreht, bis sich die Schokolade gleichmĂ€ĂŸig am Rand verteilt hat.
Danach wird die Figur zur AushĂ€rtung gekĂŒhlt. Eine Maschine umhĂŒllt die Figuren anschließend mit bedruckter Aluminiumfolie und die Mitarbeiter verpacken Tausende von WeihnachtsmĂ€nnern am Fließband in Kartons. So gelangt der Weihnachtsmann schließlich in die GeschĂ€fte und spĂ€ter in die Stiefel der Kinder.

Wie ist die Arbeit in einer Schokoladenfabrik?
Ganz so zuckersĂŒĂŸ wie in dem Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ geht es dabei natĂŒrlich in einer echten Fabrik nicht zu. Auch wenn einem schon vor den Toren des ProduktionsgelĂ€ndes dieser sĂŒĂŸliche Duft in die Nase steigt und einem das Wasser im Munde zusammen lĂ€uft – es ist sehr harte Arbeit. Die Maschinen, die sich durch die meterlangen Hallen ziehen, laufen 24 Stunden durch – ohne Pause, auch nicht am Wochenende. Das bedeutet fĂŒr die Fabrikarbeiter natĂŒrlich, dass es harte acht Stunden Schichten mit nur kurzen Pausen gibt. Und das sowohl am Wochenende, als auch nachts.

Die Geschwindigkeit der FließbĂ€nder ist so schnell, dass eigentlich keiner aus dem Team eine Pause machen kann, ohne dass die anderen fĂŒr ihn mitschuften mĂŒssten. Die laufenden Maschinen sind unvorstellbar laut und wer erst einmal acht Stunden an einer gearbeitet hat, hört den LĂ€rm auch noch abends im Bett. Meist gibt es in den Hallen keine Fenster und das Tageslicht wird durch ein grelles Neonlicht an der Decke ersetzt.
Auch die hĂ€ufig viel zu niedrigen FließbĂ€nder machen die Arbeit noch anstrengender. Das einzig Gute scheint zu sein, dass die Fabrikarbeiter immer von den sĂŒĂŸen Köstlichkeiten naschen dĂŒrfen. Doch eins ist sicher: FrĂŒher oder spĂ€ter kann man keine Schokolade mehr sehen, geschweige denn essen.

Wird der Osterhase zum Weihnachtsmann?
Um die Vielzahl der WeihnachtsmĂ€nner herstellen zu können, die von den Deutschen gegessen werden, mĂŒssen die Schokoladenfabriken schon im Sommer mit der Produktion beginnen. Es bleibt jedoch ein Mythos, dass die Reste der Osterhasen wieder eingeschmolzen werden und somit der Osterhase von gestern der Nikolaus von morgen wird. Die Fabriken können in der heutigen Zeit so genau kalkulieren, dass kaum Reste ĂŒbrig bleiben. Nach Weihnachten oder Ostern werden die letzten Hohlfiguren dann zum halben Preis verkauft, denn das Auspacken und Einschmelzen der Figuren wĂ€re fĂŒr die Fabriken schlicht unwirtschaftlich.

Der grĂ¶ĂŸte Weihnachtsmann der Welt
Bei den zahllosen WeihnachtsmĂ€nnern ĂŒberrascht es kaum, dass auch schon ein Weltrekord aufgestellt wurde. Im letzten Jahr entstand in Wernigerode im Harz der grĂ¶ĂŸte Schokoladenweihnachtsmann der Welt. In nur 72 Stunden erbaute Gerhard Petzl einen 3,65 Meter hohen und 1,55 Meter breiten Schokoladenweihnachtsmann – direkt vor dem historischen Rathaus. Der österreichische Chef-Patissier des Hotels „Ghotisches Haus“ in Wernigerode hatte die Idee zu diesem Projekt und fand schnell UnterstĂŒtzung von der ortsansĂ€ssigen Schokoladenfabrik „Wergona“. Der Innenkörper aus Umzugskartons und Styropor wurde mit 180 Kilogramm Schokolade umhĂŒllt. Und die Besucher des wernigeröder Weihnachtsmarkts waren von dem Riesenweihnachtsmann begeistert.

(Text: Regina G. Gruse / Foto: Gerhard Petzl)
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