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Everywhere I go: RAMMSTEIN!

Meine Erfahrungen ĂŒber eine Band, der Deutschland zu klein scheint

Ob SĂŒdafrika oder die USA, Rammstein scheint den Lederhosen und dem Bier Konkurrenz zu machen, wenn es um erste Merkmale Deutschlands geht, die die anderen von uns kennen.

Bevor ich nach Deutschland kam, kannte ich Rammstein! Gut, dass ich Rammstein kenne ist wohl nicht ganz so abwĂ€gig, da ich deutsche Wurzeln habe. Trotzdem ist es erstaunlich, da ich in SĂŒdafrika gelebt habe, bevor es nach Deutschland ging. RegelmĂ€ĂŸig fĂŒllen Rammstein die Konzerthallen am anderen Ende der Welt und werden gefeiert wie die großen Stars aus den USA. Nicht nur Rammstein hat es als deutsche Band in SĂŒdafrika geschafft, denn meine Cousine, die noch dort lebt, war neulich auf einem Konzert von Milky Chance. Aber Rammstein ist schon viel lĂ€nger auf den BĂŒhnen Afrikas unterwegs. Eigenartig, wenn mann bedenkt, dass bei weitem der Großteil ihrer Lieder auf Deutsch sind. Ist den Menschen tatsĂ€chlich so egal, was der Inhalt der Songtexte ist? Ist die Ignoranz bereits so weit voran geschritten?

Nicht ganz. Es leben viele Deutsche in SĂŒdafrika. Trotzdem ist der Anteil der nicht deutschen SĂŒdafrikaner enorm, die Rammstein kennen und meist auch lieben. DafĂŒr muss es doch einen Grund geben? Liegt es vielleicht an dem Land?

Rammstein

Es scheint nicht nur am Land zu liegen

In meiner Zeit auf einem Gymnasium am Bodensee habe ich an einem SchĂŒleraustausch zu den USA teilgenommen. Dort angekommen wurden wir von den neugierigen SchĂŒlern der amerikanischen High School selbstverstĂ€ndlich auf unsere deutschen Stereotypen angesprochen. Wieder erwarten wurden wir nicht nur auf Bier und das Oktoberfest angesprochen. HĂ€ufig fielen SĂ€tze wie: „Germany? Rammstein! America ist wunderbar!“

Dies versuche ich mir durch „America ist wunderbar“ zu erklĂ€ren. Im zugehörigen Lied von Rammstein ist der Text grĂ¶ĂŸtenteils auf Englisch und Amerika wird offensichtlich besungen—ob dies jedoch positiv ist, ist eher fraglich. Trotzdem hat mich dies doch erstaunt—auch wenn es irgendwann anstrengend wurde immer wieder in den KlassenrĂ€umen diesem Lied ausgesetzt zu werden, weil ja wir Deutschen da sind.

Auf zwei LÀnder will ich mich trotzdem nicht beschrÀnken. Ich studiere mit vielen Leuten aus den unterschiedlichsten LÀndern zusammen und auch diese scheinen Rammstein zu kennen und sogar zu mögen. Eine Komilitonin aus Bulgarien ist regelrecht vor Begeisterung aufgesprungen, als bei einer Party ein Lied von Rammstein zu hören war.

DafĂŒr muss es doch eine ErklĂ€rung geben!

Ich bin keine Spezialist in dem Gebiet, aber ich möchte trotzdem versuchen zumindest mir diese weltweite Bekanntheit von Rammstein zu erklĂ€ren. Am guten Aussehen kann es nicht liegen. Es ist wohl klar, dass die Mitglieder von Rammstein nicht aussehen wie die Typen einer Boyband, die ihre immer gleich klingenden Songs mit ihrem Aussehen wieder gut machen wollen—zumal ich die Musik von Rammstein bei weitem einer Boyband vorziehen wĂŒrde.

Einer der wohl meist genannten GrĂŒnde von Fans der Band, warum Rammstein so gut ist, sind die Texte. Dies macht auf internationaler Ebene jedoch keinen Sinn, denn Deutsch ist auf keinen Fall eine Weltsprache und ist viel zu schwer zu erlernen, um jemals eine zu werden. Sorry Deutschland! Womöglich ist es der Hang zu Skandalen? Es ist nicht unbekannt, dass diverse Videos und Texte fĂŒr manche am Rand des guten Geschmacks sind und oft zu weit gehen. Auch schlechte Schlagzeilen sind Schlagzeilen und verbreiten sich hĂ€ufig besser als gute Schlagzeilen.

FĂŒr mich gibt es aber einen sehr plausiblen Grund, mit dem ich mir Rammsteins weltweiten erfolg am besten erklĂ€ren kann. Vor zwei Jahren kam ich auf einem Festival in den Genuss Rammstein einmal live auf der BĂŒhne zu erleben. Meine gĂŒte, das war ein Erlebnis! Rammstein ist eindeutig eine Band, die fĂŒr Konzerte vor Publikum gemacht sind. Neben extremer Pyrotechnik, die sogar die hinteren Reihen die WĂ€rme der Flammen haben spĂŒren lassen, zierte Rammstein sich mit enormer BĂŒhnenprĂ€senz und anderen Show-Elementen, die den Zuschauer zum staunen brachten. Es war so viel los, wie in Explosionsszenen eines Blockbuster. Trotz alle dem schaffte die Band es irgendwie, dass die Musik nicht in den Hintergrund rĂŒckte. Nichts zieht die Massen wohl mehr an, als eine gute Show, oder etwa nicht? Nicht umsonst höre ich oft: „Eigentlich mag ich Rammstein nicht, aber live wĂŒrde ich sie trotzdem gerne einmal sehen.“

(Foto: Claudia Helmert by jugendfotos.de)
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