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Senf des Stoibers

Zur Erinnerung an König Edmund I. von Bayern.
Lobeshymnen, Begeisterung, Zuwendung, Liebesbekenntnisse und ganz viel Honig, der Edmund Stoiber um die „Àh“-Lippen gestrichen wird. Es kommt einem fast so vor, als ob der scheidende MinisterprĂ€sident nicht seinen 66. Geburtstag feiert, sondern im sterben liegt.Irgendwie ist es doch erstaunlich, dass „das blonde Fallbeil“, wie er von ehemaligen „Parteifreunden“ liebevoll genannt wird, so viele vertrauenswĂŒrdige WeggefĂ€hrten sein Eigen nennen darf. Nach 14 Jahren Herrschaft ĂŒber dem schönen Bayern, agierte Edmund Stoiber zuletzt wahrhaftig wie ein Monarch.

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Unbestritten brachte er den Freistaat voran und setzte das Erbe von Franz Josef Strauß wĂŒrdig fort. Stellte sich jedoch ein politischer Mitstreiter in den Weg – egal ob Freund oder Feind – machte der scheidende MinisterprĂ€sident und CSU-Chef kurzen Prozess. Schon allein deshalb sahen es einige Parteimitglieder mit Freuden, wie die FĂŒrther LandrĂ€tin Gabriele Pauli vor fast einem Jahr damit begann am heiligen Stuhl des Edmunds zu sĂ€gen und seinen RĂŒcktritt zu fordern. Zeigte er sich noch am 9. Januar 2007 unbeeindruckt mit der Äußerung, seine Ämter bis 2013 weiterfĂŒhren zu wollen, kĂŒndigte er nur neun Tage spĂ€ter seinen RĂŒcktritt von beiden Posten im September an.

Auch wenn viele Parteimitglieder damals mit der Forderung des RĂŒcktritts Stoibers nur fĂŒr „Ruhe innerhalb der Partei“ sorgen wollten, wird bei seinem letzten Parteitag doch klar, wie sehr die CSU-GefĂ€hrten die Wachablösung herbei sehnten. Fast 29 Jahre stand Stoiber in bayerischen SpitzenĂ€mtern von Staat und Partei, als GeneralsekretĂ€r, StaatssekretĂ€r, MinisterprĂ€sident und Parteichef. Manche politischen Freundschaften sind zerbrochen und trotzdem beharrt er darauf, dass sein RĂŒcktritt nach „freier Entscheidung“ und nicht auf Druck der Partei erfolgte.

Mit groß klingenden Worten verabschiedet sich der MinisterprĂ€sident: Die Partei werde „durch Inhalte zusammengehalten – und nicht durch Show“. Will er doch eigentlich auf die Aussagen und das Agieren der FĂŒrther LandrĂ€tin Gabriele Pauli anspielen, hat gerade er selbst in den vergangenen Jahren gezeigt, wie man durch Show in die Schlagzeilen gelangt.
„Jeder Bayer mĂŒsse drei GrĂŒnde kennen, um die CSU zu wĂ€hlen“, spornt er seine Kollegen fĂŒr die Zukunft an. Doch was wĂ€ren denn drei derartige Argumente fĂŒr die CSU? Der Transrapid? Die privaten Geschichten von liebenden Politikern? Oder etwa die Ja-Sager-Sippschaft, die sich aus Angst um den eigenen Kopf um Edmund Stoiber kultiviert hat?

Eine die Delegierten wenig begeisternde aber doch voller Einsatz vorgetragene Rede endet zwar mit stehenden Ovationen, allerdings waren die vereinzelten „Edmund, Edmund“-Rufe frĂŒher aus deutlich mehr Kehlen zu hören. Die Parteimitglieder scheinen fast erleichtert. Stoiber genießt und zelebriert seinen Abgang dennoch: Er klettert auf seinen Stuhl in der ersten Reihe, allerdings bezeichnend: Der Blick geht nicht in die Menge, sondern auf die beiden Großbildschirme links und rechts neben der BĂŒhne. Der große Edmund Stoiber feiert sich selbst und blickt dabei wie in einem Spiegel stolz in seine Augen.

Auch politische Misserfolge weiß der Bayer geschickt zu verkaufen: So habe seine Kanzlerkandidatur 2002 doch den Weg fĂŒr die Kanzlerschaft 2005 geebnet. WĂ€hrend Erwin Huber und GĂŒnter Beckstein bereits nach der gewonnen Wahl die Messer wetzten und den Kampf um das Amt des MinisterprĂ€sidenten eröffneten, entschied sich Stoiber ĂŒberraschend dafĂŒr, aus Berlin zu flĂŒchten, ein Ministeramt abzulehnen und nach Bayern zurĂŒck zu kehren. Dort angekommen, sprachen ihm alle Regierungsmitglieder selbstverstĂ€ndlich ihr Vertrauen aus – wollten sie doch nur spielen – und die heile bayerische Stoiber-Welt war wieder in Ordnung.
Um so erleichterter schienen nun Erwin Huber als neuer Parteichef und GĂŒnter Beckstein als neuer MinisterprĂ€sident zu sein und verabschiedeten Edmund Stoiber mit dem Ehrenvorsitz der CSU.

Die Spannung der Landtagswahl 2008 in Bayern wird sich allerdings traditionell eher auf die Höhe des Sieges der CSU beziehen und ob die 60 % der letzten Abstimmung wieder erreicht werden können.

(Text: Konrad Welzel / Zeichnung: Christina Koormann)


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Über den Autor

GrĂŒnder und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegrĂŒndet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - dafĂŒr ist er viel zu neugierig!!!

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