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„Vielleicht finden die es cool, eine Waffe in der Hand zu halten“

Umfrage zum Thema Kindersoldaten – in Bremen

backview-teaserBis wann ist ein Soldat ein ÔÇ×Kindersoldat“? Die Studenten der Uni Bremen fanden ganz unterschiedliche Antworten. Mit der Tatsache, dass die deutsche Bundeswehr schon 17-j├Ąhrige Bewerber akzeptiert, waren nicht alle einverstanden.

martinMartin studiert Elektrotechnik im achten Semester:
ÔÇ×Ich w├╝rde alle Soldaten unter 16 Jahren als ÔÇ×Kindersoldaten“ bezeichnen – ganz spontan. Die J├╝ngeren sind zu leicht zu beeinflussen, man kann denen etwas vorschreiben und sie machen das, ohne nachzudenken. J├╝ngere Kinder lassen sich auch leichter unter Druck setzen und das finde ich nicht okay. Die sollten ihre Kindheit ausleben k├Ânnen, bevor sie sich Leichen anschauen m├╝ssen. F├╝r staatliche Truppen, auch f├╝r die Bundeswehr in Deutschland, sollte keiner unter 18 eingestellt werden. Ich glaube, man braucht ein gewisses Alter, um zu verstehen, was man macht und worauf man vorbereitet wird. Als Kindersoldat schlie├čt man sich vielleicht bewaffneten Gruppen an, weil man denkt, dass es cool ist, eine Waffe in der Hand zu halten, dabei hat man noch gar keine Ahnung, dass es um Menschenleben geht.“

nilsNils studiert Politik im zweiten Semester:
ÔÇ×Kindersoldaten sind alle bis 20, finde ich. Oder 18. Dann ist man ja vollj├Ąhrig, also kein Kind mehr. Wenn man j├╝nger ist, ist man nicht in der Lage, m├╝ndig zu entscheiden, ob man jetzt wirklich ÔÇ×Krieg spielen“ will oder nicht. Ich halte generell wenig von Kriegsdienst, deshalb kann man das Alter gar nicht hoch genug ansetzen. 17-J├Ąhrige sind definitiv zu jung. Wenn ich mir ├╝berlege, wie ich in dem Alter drauf war, dann ist es ganz sicher falsch, so eine verantwortungsvolle – oder verantwortungslose – Aufgabe zu ├╝bernehmen. Alle, die Unter-18-J├Ąhrige zum Waffendienst zwingen, sollten bestraft werden.
Mit dem Begriff ÔÇ×Kindersoldaten“ verbinde ich die afrikanischen L├Ąnder, die zur Unterst├╝tzung ihrer Guerilla-Verb├Ąnde Kinder von feindlichen Bev├Âlkerungsgruppen entf├╝hren und versuchen, sie zu Maschinen umzufunktionieren. Das macht es im Nachhinein nat├╝rlich schwer, aus Opfern und T├Ątern, also Kindersoldaten und ihren Opfern, eine gemeinsame Gesellschaft herauszubilden. Das Problem h├Ârt nicht damit auf, dass die Kinder Soldaten werden, sondern es zerst├Ârt auch die ganze Gesellschaft auf lange Sicht. Ich gehe davon aus, dass sich die wenigsten Kinder rekrutieren ÔÇ×lassen“, sondern haupts├Ąchlich entf├╝hrt und gezwungen werden, oder dass Eltern aus finanziellen Gr├╝nden gen├Âtigt werden, ihre Kinder zu verkaufen. Vielleicht spielen auch Rachemotive eine Rolle. Wenn etwa die Familie oder Angeh├Ârige get├Âtet werden, entwickeln gerade Kinder starke Rachegef├╝hle, die sie dann vermeintlich ausleben k├Ânnen.“

Caroline, Dozentin f├╝r Mathematik, hat 2002 ihr Diplom in Bremen gemacht:
ÔÇ×Mit Kindersoldaten kenne ich mich echt wenig aus. Die Grenze w├╝rde ich bei 18 Jahren ziehen, weil man darunter laut unserer Definition ja ein ÔÇ×Kind“ ist. Ich denke, es geht nicht darum, ab welchem Alter man eine Waffe halten kann, sondern die Kinder m├╝ssen ja auch seelisch damit fertig werden, das ist das gr├Â├čte Problem. Au├čerdem ist es nicht richtig, Kinder solchen Gefahren auszusetzen!“ (kein Foto)

marenMaren studiert Soziologie im vierten Semester:
ÔÇ×Ab 16 ist man kein richtiges Kind mehr, sondern Jugendlicher. Generell verbinde ich Kindersoldaten mit der Problematik, dass die Kinder danach traumatisiert sind und auch die Gefahr besteht, dass sie relativ fr├╝h sterben. Ich kann mir vorstellen, dass ein paar Kinder von den Heldenbildern begeistert sind und deshalb freiwillig zur Waffe greifen.“

 

Martin studiert Informatik im zehnten Semester:
ÔÇ×Kindersoldat ist man von dem Alter an, in dem man mit einer Waffe schie├čen kann bis so 16, 17. Ich w├╝rde das an der geistigen Reife festmachen. Mit 16 oder 17 ist man f├╝r mich Jugendlicher und kein Kind mehr. K├Ârperlich kann man dann auf jeden Fall k├Ąmpfen. Aber geistig? Man sollte sich Gedanken machen ├╝ber das, was man tut. Leider wird darauf viel zu wenig Wert gelegt. Ich glaube, wirklich ÔÇ×reif“ f├╝r den Krieg ist man erst mit 23 oder 24 Jahren. Aber in Afrika, wo es die meisten Kindersoldaten gibt, ist das Problem ja ein ganz anderes. Da schlie├čen sich die Kinder wahrscheinlich den bewaffneten Gruppen an, um so etwas wie Ansehen zu bekommen. Oder, wenn ihre Familie gestorben ist, eine Art Ersatzfamilie zu bekommen. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Versorgung in den Truppen vielleicht besser ist als auf dem Dorf und die Not so gro├č ist, dass die Kinder eigentlich keine andere Wahl haben.“ (kein Foto)
back view Umfrage(Text und Fotos: Anna Franz / Zeichnungen: Christina Koormann)


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