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„Puppenspiel ist zwischen Hollywood und Lesen“

Interview mit dem Puppenspieler und Schauspieler Ren├ę Marik

YouTube hat ihn bekannt gemacht und seine Puppen sind mittlerweile Kult. Jetzt ist Ren├ę Marik mit seinem neuen Programm ÔÇ×KasperPop“ auf Tour. Mit back view hat er ├╝ber die Magie der Puppen, das Gef├╝hl beim Publikum anzukommen und seine neue Figur, den Hasskasper, gesprochen.

marikback view: Wie ist das Leben im Schatten vom Maulwurf und Herrn Falkenhorst? Gibt es da Neid hinter der B├╝hne?
Ren├ę Marik:
Ach nee, ich bin ja eigentlich ganz froh dr├╝ber, dass ich nicht so sehr im Rampenlicht stehe. Gerade den Maulwurf erkennen mittlerweile ganz viele Menschen. Mich erkennen die Leute auf der Stra├če noch nicht so h├Ąufig und das finde ich eigentlich auch ganz angenehm.

Es ist also f├╝r Dich eher ein Vorteil, dass die Puppen im Vordergrund stehen?
Ja, auf jeden Fall. Ich meine, es ist nat├╝rlich schon ein bisschen mehr geworden bei mir – dadurch, dass ich jetzt im letzten Jahr doch mehr im Fernsehen zu sehen war. Aber ich kann mich immer noch ├╝berall ungest├Ârt bewegen und das finde ich auch ganz gut so.

Wer ist dann f├╝r den Erfolg verantwortlich – Du oder die Puppen?
Das ist schwierig zu sagen. Hat der Ball den Erfolg oder der Spieler? Die Puppen sind ja einfach nur ein St├╝ck Stoff; die w├╝rden ohne mich gar nicht leben. Sie sind Dinge und Dinge haben ja keinen Erfolg – das ist Quatsch.

Und was macht f├╝r Dich dann die Magie der Puppen aus?
Puppenspiel ist irgendwo zwischen Hollywood und Lesen. In Hollywood geht es immer darum, alles m├Âglichst bis ins kleinste Detail darzustellen. Und beim Lesen passiert im Prinzip alles im Kopf. F├╝r mich ist Puppenspiel im besten Falle beides: Auf der einen Seite bekommt man etwas Handfestes auf der B├╝hne geliefert und zu sehen, aber auf der anderen Seite muss man auch noch ganz viel dazu assoziieren, damit es sich im Kopf zu einem Bild zusammensetzt – oder damit man ├╝berhaupt versteht, was da gerade passiert.

Hast Du Vorbilder?
Ja, es gibt nat├╝rlich gro├čartige Puppenspieler. Und es sind auch gar nicht so wenige Leute, die richtig tolles Puppentheater machen. Man wird ja generell immer ein bisschen bel├Ąchelt als Puppenspieler, aber zum Beispiel im Osten Deutschlands gibt es noch einige feste Ensembles, wo es dann auch richtige Erwachsenenspielpl├Ąne und gro├čartige Programme gibt. Da gibt es wahre Magier. Wirklich tolle Leute, die einiges draufhaben, an dem ich noch lange nicht angekommen bin.

Wie viel Ren├ę Marik steckt in den Figuren und Geschichten auf der B├╝hne?
Naja, auf einer gewissen Art und Weise bin das nat├╝rlich immer alles ich. Ich gehe ja durch die Welt und sehe die Dinge, aus denen ich dann die Geschichten bastel. Aber trotzdem bin ich noch nie selbst auf den Mond geflogen und bin dann dem Wackeldackel begegnet. Und ich bin auch noch nie vor einem Turm gestanden und habe versucht, dass mir eine Blondine das Haar herunter l├Ąsst. Es gibt also dennoch eine gewisse Distanz zwischen mir und den Erz├Ąhlungen auf der B├╝hne.

Geh├Ârt dann eine gewisse Beklopptheit dazu, um auf derartige absurde Geschichten zu kommen?
(lacht) Na das hast Du jetzt gesagt. Wei├č ich nicht – da kann ich jetzt nichts dazu sagen. Da m├╝sste man vielleicht eher einen Psychologen befragen.

In Deinem aktuellen Programm ÔÇ×KasperPop“ spielt der Hasskasper als neue Figur eine wichtige Rolle – als glatzk├Âpfiger Miesepeter l├Ąstert und schimpft er einfach ├╝ber alles und jeden. Gab es daf├╝r irgendwelche Vorlagen?
Nein. Es war einfach so, dass ich ihn irgendwann mal gefunden habe. Das war so ein alter Industrie- so ein Ost-Kasper aus einem merkw├╝rdigen Gummi. Der hatte vorher so eine rote Zipfelm├╝tze und darunter war dann der CoJack. Weil die Puppe so ein bisschen einen Blick wie Chucky die M├Ârderpuppe hatte, obwohl das ja eigentlich ein Kinderspielzeug war, ist sie mir sofort ins Auge gesprungen. Und so einen klassischen B├Âsewicht im Programm zu haben, das ist doch super. Dachte ich mir zumindest.

Wie ist denn das Gef├╝hl, wenn Du am Ende des Abends bei den Zugaben die alten, bekannten Nummern spielst und das Publikum schon ausflippt, wenn es nur den Turm von ÔÇ×Rapante“ sieht oder die ersten Worte von Kalle auf dem Eisberg h├Ârt?
Das ist nat├╝rlich immer wieder richtig toll. Das ist mittlerweile einfach ein Selbstl├Ąufer geworden. Ich finde es aber auch ganz sch├Ân, wenn das neue Programm noch v├Âllig unbekannt ist und die Leute noch vergleichsweise frisch in den Abend gehen.

Das ist aber schwierig, wenn man wie Du durch das Internet erst der breiten Masse bekannt geworden ist.
Ja, klar. Aber ich achte deshalb im Moment auch sehr drauf, dass bei YouTube nichts Neues von mir auftaucht. Es war bei meinem vorherigen Programm ÔÇ×Autschn!“ („Hage! Jemand ze Hage!?“) n├Ąmlich irgendwann auch ein bisschen das Problem, dass die Leute alles auswendig kannten, rein gerufen und einfach die Pointen vorweg genommen haben. Ich will dieses Mal einfach dieses Gef├╝hl genie├čen, wenn die Leute es eben noch nicht kennen, sondern bei mir auf der B├╝hne live zum ersten Mal sehen und nat├╝rlich auch viel direkter darauf reagieren, als wenn sie schon alles mitsprechen k├Ânnen.

Dieser Weg ist gerade f├╝r Dich dennoch sehr ├╝berraschend. Gerade ├╝ber YouTube sind deine Figuren ja erst zum Kult geworden – und jetzt willst Du dein eigenes Erfolgskonzept ablegen?
Ja, also es werden mit der Zeit nat├╝rlich schon auch Clips aus dem neuen Programm im Internet auftauchen. Und ich habe ja eine neue Nummer schon im Fernsehen gespielt – die ist jetzt nat├╝rlich auch schon bei YouTube zu sehen. Ich gehe diesmal einfach bewusst den anderen Weg und will so viel wie m├Âglich aus dem B├╝hnenprogramm unbekannt lassen, damit ich dir direkten Reaktionen des Publikums besser heraus kitzeln kann. Deshalb habe ich jetzt auch erst einmal bis August s├Ąmtliche Auftritte im Fernsehen abgesagt. Aber sp├Ątestens dann werden nat├╝rlich auch neue Videos im Netz auftauchen, nur dieses Mal etwas dosierter. Irgendwann verbrennt das Material ja sonst auch furchtbar schnell.

Du hast bei Deiner letzten Tour ja noch in deutlich kleineren S├Ąlen gespielt – jetzt f├╝llst du gro├če Hallen. Macht das f├╝r Dich auf der B├╝hne einen Unterschied?
Je gr├Â├čer desto sch├Ân – sag ich immer. F├╝r mich eine ganz einfache Formel.
Ich finde, wenn 1000 Leute ausrasten, dann ist es einfach ein sch├Âneres Ger├Ąusch, als wenn 100 Leute ausrasten. Ich mag es auch, wenn die B├╝hnen gro├č sind und ich mit der Gitarre ÔÇ×abspasten“ kann. Deswegen macht es mir schon deutlich mehr Spa├č, in gr├Â├čeren Hallen zu spielen. Das hat bestimmt auch Grenzen, ab 5000 wird es dann wahrscheinlich auch zu viel. Aber ich glaube das ist jetzt so in einem Rahmen, in dem man noch selbst direkt auf die B├╝hne schauen kann. Und die Puppen werden ja auch abgefilmt und auf Leinwand ├╝bertragen. Und ich glaube, dass das noch irgendeine Art von Charme hat. Aber in Stadien wird man mich wohl eher nicht sehen – ich glaube, das wird dann einfach zu un├╝bersichtlich.

Weil die Puppen so klein sind und f├╝r das Publikum sowieso schon schwierig zu erkennen sind?
Ich wei├č gar nicht, ob ich das so sehr auf die Puppen beziehen w├╝rde, die funktionieren ja trotzdem – die Leinwand muss einfach nur gro├č genug sein. Aber irgendwann sieht man von hinten nur noch so einen kleinen Typen auf der B├╝hne, wenn ich zum Beispiel singe. Dann m├╝sste ich selbst auch noch auf die Leinwand ├╝bertragen werden und ich glaube, dann wird auch irgendwann der Abstand zu gro├č f├╝r das Publikum zu dem, was da passiert und die Beziehung zu dem K├╝nstler geht verloren.

Wie hat sich das Leben vom Maulwurf eigentlich ver├Ąndert? Hat er mittlerweile Groupies, die vor der Garderobe auf ihn warten?
Also f├╝r alle, die das nicht wissen: Der Maulwurf ist eine Puppe. Der Maulwurf ist ein St├╝ck Pl├╝sch mit einem St├╝ck Schaumstoff vorne dran. Also ich gehe jetzt gleich hinter auf die B├╝hne, nehme ihn und packe ihn in die Kiste. Dann f├Ąhrt der morgen mit dem Auto in die n├Ąchste Stadt und da hole ich ihn wieder raus. Und dann ist er immer noch ein St├╝ck Pl├╝sch.

Ren├ę Marik, vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch und weiterhin viel Erfolg.

Weitere Informationen zum neuen Programm ÔÇ×KasperPop“ und die Tourtermine gibt es unter renemarik.de

(Interview: Konrad Welzel / Fotos: Ben Wolf)
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├ťber den Autor

Gr├╝nder und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegr├╝ndet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - daf├╝r ist er viel zu neugierig!!!

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