In Echtzeit oder mit Lichtgeschwindigkeit?

500 junge Medienmacher hetzten bei den nun schon zum zehnten Mal stattfindenden Jugendmedientagen in Stuttgart von Workshop zu Podiumsdiskussion, von Erzählcafé zu Medieneinblick – alles unter dem Motto „In Echtzeit”- doch was steckt alles dahinter?


Die Luft ist dünn, die Schlange scheint kein Ende zu nehmen und der Rücken schmerzt während geschätzte 250 Leute vor uns auf den Check-In warten. 90 Minuten später haben wir unser Gepäck abgegeben, die obligatorische JMT- Tasche erhalten und können noch die letzten Gespräche an den Dialoginseln, die in der Carl Benz Arena aufgebaut sind verfolgen. An ihnen führen Medienprofis lockere Gespräche mit Nachwuchsmedienmachern, bevor auch schon die Auftaktveranstaltung mit Moderator Jan Böhmermann beginnt, der Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron und Joachim Dorfs, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung zu Gast hat, die per Impulsgespräch mit den jungen Medienmachern diskutieren.In Echtzeit- alles schneller, alles live, die Zeit regiert über den Inhalt. Nach dem Abi keine Zeit verschwenden – Studium, Auslandsaufenthalt, Volontariat, freie Mitarbeiten, und das mit 25?

Darauf und auf  vieles mehr konnte man im Verlauf der Veranstaltung Antworten und Anregungen finden. Aber nicht nur die Reflexion von gesellschaftsrelevanten Themen standen im Mittelpunkt, sondern natürlich auch Erzählcafés oder spannende Diskussionsrunden, seien sie als „Fishbowl” oder auch „Podium” angelegt, die den Teilnehmern immer die Möglichkeit zur Partizipation gaben.

jmt_radioDie Workshops nahmen in diesem Jahr einen weitaus zentraleren Programmpunkt ein, als man es von vergangenen JMT gewohnt war: Workshops von Sportjournalismus über PR und Boulevardjournalismus bis hin zu Moderation, Fotografie und Layout-Basics fanden an drei Terminen statt und trugen zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik bei, deren Ergebnisse den anderen Teilnehmer in der Abschlussveranstaltung veranschaulicht wurden.

Ob Medieneinblick bei BILD, der Soko Stuttgart, dem SWR, dem Radiosender bigFM, der Württembergischen Landesbibliothek, der Stuttgarter Zeitung oder auch bei Reader’s Digest – jeder konnte einen Blick hinter die Kulissen des Medienzirkus werfen und seine individuellen Fragen loswerden.

Die Open Night bot den angehenden Redakteuren aus Bild, Ton, Online oder Print die Möglichkeit zum Austausch mit Medienfirmen, Kontakteknüpfen, Kulis absahnen oder auch nur zum Entspannen bei Kurzfilmen oder Poetry Slam.

Ob Improvisationstheater, Yoga für die nach Entspannung Lechzenden, Zirkus für die, die noch nicht genug Zirkus hatten oder Bewerbungstraining für die Karrierebewussten, jeder konnte bei den Turboworkshops findig werden.

Hohe Decken, eine Orgel, Jesus an einem riesigen Kreuz, Bühne und Ausschanktheke: Das ist die Party der Jugendmedientage in der Jugendkirche Stuttgart. Die Schweizer Folk-Rock Band „77 Bombay Street” sorgte bei großartiger Akustik und Atmosphäre für Live-Musik bevor alle in den extra angemieteten Shuttlebussen wieder zur Schlafstätte, einem Stuttgarter Gymnasium, gebracht wurden, um in ihre unbequemen Schlafsäcke, die in Klassenzimmern oder auch der Turnhalle aufgebaut waren, zu klettern.

Die Stuttgarter Hochschule der Medien war vier Tage kulinarisches und thematisches Zuhause, die Projektleitung zu jeder Zeit Herr der Lage und die Teamerschaft bei jeglichen Problemen Anlaufstelle, auch wenn der ein oder andere vor Erschöpfung in den luxuriösen Sesseln der Eingangshalle einschlief.

In Echtzeit ging die Zeit rum und doch schien es wie mit Lichtgeschwindigkeit. Viele Teilnehmer äußerten den Wunsch, dass die Zeit bis zum Herbst 2012 noch schneller als mit Lichtgeschwindigkeit umgehen solle, denn dann werden die Jugendmedientage 2012 in Hamburg stattfinden und man wird wieder mit neuen und altbekannten Gesichter zusammentreffen.

(Text: Lisa Brüßler/ Fotos: Fabian Sommer)

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