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Die Bundeswehr kommt in der Zukunft an

Ein Kommentar zur Abschaffung der Wehrpflicht

Mit der Beendigung der Wehrpflicht wird in Deutschland eine Ära beendet. Vorbei sind nun die Zeiten der Massenheere zur Landesverteidigung, die Bundeswehr tritt in das Zeitalter der Spezialisierung und Modernisierung ein – wenn auch etwas verspĂ€tet.

Seit ihrer EinfĂŒhrung im Jahr 1957 haben bis Januar 2011 fast 8,5 Millionen junge deutsche MĂ€nner ihren Grundwehrdienst bei der Bundeswehr geleistet. Die Wehrpflicht wurde anfangs noch als absolut notwendig angesehen, um ein starkes MilitĂ€r zur Landesverteidigung mit einer gewissen TruppenstĂ€rke aufstellen zu können.
Bis zum Jahr 1995 betrug die Dauer des Grundwehrdienstes stets mindestens zwölf Monate, zwischen den Jahren 1962 und 1972 sogar 18 Monate. Mit solchen langen Dienstzeiten war eine Integration der einzelnen Soldaten in die gesamte Truppe nicht nur einfacher, sondern auch weit produktiver, da die jungen Soldaten sich lÀngere Zeit mit ihrem Einsatz im MilitÀr beschÀftigen mussten.

Heute ist davon nicht mehr viel ĂŒbrig. Ab 2002 mussten Grundwehrdienstleistende nur noch neun Monate dienen, ab dem 1. Dezember 2010 waren es gar nur noch sechs Monate, wovon drei Monate die Grundausbildung ausmachen. Die verbleibende Zeit entfĂ€llt auf den folgenden Dienst in den Stammeinheiten, in denen die Soldaten oftmals nur einfache HilfstĂ€tigkeiten verrichten dĂŒrfen und mĂŒssen. Das Ziel ihrer Arbeit besteht oft darin, die bestehenden Strukturen, die eine durch Wehrdienstleistende aufgeblasene und in vielen Dingen veraltete Armee beeintrĂ€chtigt, so gut wie möglich am Laufen zu halten.

Die Rechnung ist einfach: Viele Wehrdienstleistende verbrauchen viele Ressourcen wie Essen, Kleidung, Transport, Waffen. Doch genau diese Dinge mĂŒssen dann durch bestimmte Stellen zur VerfĂŒgung gestellt werden. Da werden Grundwehrdienstleistende eben an völlig veralteten Gewehren ausgebildet, die sie im Kriegsfall nicht mehr einsetzen wĂŒrden und, die nur aus Mangel an neuem GerĂ€t noch benutzt werden.

TĂ€glich fahren unzĂ€hlige Ausbildungskompanien mit unmotivierten jungen Soldaten in tagelange GefechtsĂŒbungen, um dort den Verteidigungsernstfall „Rotland greift Blauland an“ zu proben – erschöpfende MĂ€rsche und ruhelose ZeltĂŒbernachtungen im Wald inklusive. Und wem diese AusflĂŒge mit „Y-Reisen“ – in Anspielung an die bekannten Bundeswehrkennzeichen – noch nicht genug sind, den erwartet nach der tagelangen Tortur die Krönung eines jeden Ausfluges in die Wildnis: das Reinigen der AusrĂŒstung.
Da werden die Gewehre auch schon einmal  vier Stunden am StĂŒck immer wieder geputzt, nur um die Zeit bis zum Dienstschluss irgendwie zu ĂŒberbrĂŒcken. EffektivitĂ€t und gezielte Ausbildung zur Landesverteidigung sehen heutzutage anders aus.

Vorbei sind nun also die Zeiten des Drills und der Massenausbildung von begrenzt motivierten jungen Landesverteidigern. Die Bundeswehr muss sich im Zuge der Haushaltskonsolidierung und hinsichtlich ihrer Aufgaben neu orientieren. StabilisierungseinsĂ€tze von Krisenregionen sind heutzutage die Hauptaufgabe des deutschen MilitĂ€rs und hierfĂŒr durfte noch nie ein Grundwehrdienstleistender eingesetzt werden. Technologisch fortschrittliche Waffensysteme mĂŒssen heute mit höchster Verantwortungsbereitschaft und entsprechenden FĂ€higkeiten bedient werden, um einen Einsatz  erfolgreich zu gestalten. All dies kann und darf man keinem jungen Mann im Grundwehrdienst abverlangen.

Die Abschaffung der Wehrpflicht ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Das veraltete System einer Volksarmee ist mit den GrundsĂ€tzen einer effektiven Sicherheits- und Verteidigungspolitik nicht mehr vereinbar. Auch, wenn die Umgestaltung und Neuordnung der Bundeswehrstrukturen durch den Wegfall an Wehrpflichtigen und das schrumpfende System viel Zeit und auch Geld in Anspruch nehmen werden, so ist der Wegfall der Wehrpflicht doch auch ein Schritt hin zu einem moderneren Deutschland und zu mehr individueller Freiheit.

(Text: Robert Reiche)
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Über den Autor

Wenn Robert mal groß ist, will er es auch bleiben. Bis dahin verbringt er seine Zeit in virtuellen Welten und denkt, redet und schreibt ĂŒber Filme, Spiele sowie ĂŒber Gesellschaftsthemen. Der studierte Historiker arbeitet dazu noch als IT-Berater und verreist gern mit dem Fahrrad, um LĂ€nder und Leute kennenzulernen.

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