The same procedure as every year

Eigentlich ist es langweilig. Schließlich ist es immer das gleiche Spiel. Kommt der neue Knipser? Oder bleibt die alte Abwehrkante? Der vermeintlichen Zusage eines Wechsels folgt meist wenige Stunden später das Dementi. Manchmal bleibt doch alles beim Alten. Meistens aber eben nicht. Das macht es dann wohl interessant, das Transfer-Karussell der Fußball-Bundesliga.[divide]

Die Hauptattraktion des diesjährigen Zirkuses ist der FC Bayern München. In der vergangenen Saison spielten die Männer nur verbal die erste Geige – und wurden am Ende für eigene Ansprüche katastrophaler Vierter der Tabelle. Da gibt es Nachholbedarf! Und offensichtlich ein bisschen zu viel Kohle auf der hohen Kante. Etwa 165 Millionen Euro investierte der Rekordmeister in eine nahezu komplett neue Mannschaft. Gekommen sind Spieler, welche ihr Jahressalär noch rechtfertigen müssen.

Jan Schlaudraff dribbelte lediglich anderthalb Jahre in der fußballerischen Provinz zu Aachen, Marcell Jansen grätschte die vergangenen zweieinhalb Jahre im Tabellenkeller der Bundesliga (Okay, zwischendurch auch Mal in der Nationalmannschaft), Luca Toni trug als vermeintlicher Top-Stürmer einen Treffer zur italienischen Weltmeisterschaft bei. Respekt! Mit dem guten alten Bekannten, Linksaußen Zé Roberto, und WM-Torschützenkönig Miroslav Klose (97 Bundesliga-Tore in 209 Spielen) gibt es dann doch immerhin zwei von neun Neuen, auf die man sich verlassen kann. Ein fragwürdiger Schnitt.

Eine bessere Bilanz wollen die Vereine vorweisen, die nicht so viel Geld haben. Der VfL Bochum zum Beispiel. Oder Energie Cottbus. Das Motto: günstig Spieler aus dem Ausland kaufen (im Falle Bochum gerne aus Griechenland, Cottbus bedient sich vorzugsweise in der Balkanregion), um sie dann möglichst Gewinn bringend im Inland weiter zu verscherbeln. Der Bochumer Torschützenkönig Theofanis Gekas (für etwa vier Millionen Euro zu Bayer Leverkusen) ist solch ein Produkt. Ebenso das Cottbusser Offensiv-Duo Vlad Munteanu und Sergiu Radu, das für mehr als vier Millionen Euro zum VfL Wolfsburg wechselte. Dabei haben sie den Verein aus der Lausitz gemeinsam nur 200.000 Euro gekostet.

Apropos Wolfsburg. Die Autostadt beherbergt einen von nur zwei Vereinen, die ihren Fußball-Lehrer ausgetauscht haben. Nun wollen die „Wölfe“ mit großen Namen protzen. Bislang gelang es dem zweimaligem Meistertrainer Felix Magath aber lediglich, kleine Fische an Land zu ziehen. Sein Name soll in den nächsten Wochen der bis Ende Juli dauernden Wechselfrist jedoch dazu verhelfen, dickere Brocken an Land zu ziehen als Zweitliga-Spieler und bosnische Vielleicht-eines-Tages-Torjäger. Geld ist bei dem Sponsor mit den zwei großen Buchstaben vom Ende des Alphabets genug vorhanden.

Wer es in den vergangenen Jahren jedoch mit Neuerwerbungen übertrieben hat, oder von Natur aus eher klamm ist, setzt mittlerweile auf den eigenen Nachwuchs. Anders als Bochum (zehn kamen, elf gingen diese Sommerpause) oder Cottbus (neun Neue, zehn weg) Zwischenstation für Reisende zu sein, sind Hertha BSC Berlin und Überraschungs-Champion VfB Stuttgart die erste Bühne, auf der sich Talente aus der Region blicken lassen.

In Stuttgart mit mehr, in Berlin mit weniger Erfolg. Einige haben sich zu Nationalspielern gemausert, andere brauchen noch Zeit für den großen Durchbruch. Wie das kann und wann es passiert, dafür gibt es keine Erklärung. Und macht die Beobachtung und Spekulationen auf dem nationalen Transfermarkt dann doch alles andere als langweilig. Auch wenn es Jahr für Jahr das gleiche Spiel ist.

(Text: Christian Spolders)

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