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Gelungener Gangsterfilm mit Ben Affleck

Julias Kulturecke: „The Town“

„Stadt ohne Gnade“ lautet der Untertitel der zweiten Regiearbeit von Hollywoodstar Ben Affleck. Gemeint ist Charlestown, ein irisch-proletarisch geprĂ€gtes Viertel in Boston, das als sozialer Brennpunkt gilt und von der Polizei lĂ€ngst aufgegeben wurde. Vor diesem Schauplatz entfaltet sich Afflecks jĂŒngstes Gangsterdrama.


Ein wenig erinnert diese Gegend an die legendĂ€re Comicstadt Gotham mit ihren Ganoven und Gangstern, dem korrupten Polizeiapparat und den gekauften Politikern. Dieser Eindruck wird bereits zu Beginn verstĂ€rkt, wenn der Zuschauer erfĂ€hrt, dass in jenem Charlestown die meisten ÜberfĂ€lle auf Geldtransporter und Banken stattfanden.
Doug MacRay (Ben Affleck) ist in dieser Stadt aufgewachsen, ohne Mutter, mit einem alkoholkranken, kriminellen Vater und Kumpels, die entweder dealen, schleusen oder einbrechen. Er liebt Charlestown, weil es seine Heimat ist, er hasst es, weil es seine Zukunft ist.

„The Town“ beginnt sehr direkt und zeigt einen brillant inszenierten BankĂŒberfall. Vier MĂ€nner in NonnenkostĂŒmen, darunter Doug MacRay, stĂŒrmen die Filiale, plĂŒndern den Tresor und nehmen die junge Angestellte Claire (Rebecca Hall) kurzzeitig als Geisel. Der Coup gelingt, die Polizei tappt im Dunkeln. Claire ist die einzige Zeugin, kann sich aber an kaum etwas erinnern. Nur ein Tattoo auf dem Nacken eines der BankrĂ€uber will sie bemerkt haben.

Als Doug das zu Ohren kommt, wird ihm schnell klar, dass die junge Frau zur Gefahr werden kann, wohnt sie doch nur wenige HĂ€userblocks entfernt. Er beschließt, vorsichtshalber jeden ihrer Schritte zu beobachten. Im Waschsalon treffen beide also „zufĂ€llig“ aufeinander. Und wĂ€hrend Claire keine Ahnung hat, mit wem sie da Kaffee trinken geht, verliebt sich Doug in die junge Bankangestellte. Als er aus dem kriminellen GeschĂ€ft aussteigen will, um mit Claire ein neues Leben zu beginnen, machen ihm sowohl seine Kumpels als auch die Polizei einen Strich durch die Rechnung.

Bei seinen Regiearbeiten setzt Ben Affleck gerne auf literarische Vorlagen. Im Jahr 2007 adaptierte er den Roman „Gone Baby Gone“ und feierte damit große Erfolge. „The Town“ basiert auf Chuck Hogans 2004 erschienenem Roman „Prince of Thieves“. Affleck verwandelte ihn in ein Drehbuch und konnte mit Rebecca Hall und Chris Cooper eine Reihe hochklassiger Schauspieler fĂŒr seinen Film gewinnen. Jeremy Renner erhielt fĂŒr seine schauspielerische Darbietung sogar eine Oscarnominierung.

„The Town“ ist ein guter, aber komplexer Film, der hin und wieder Schwierigkeiten hat, seine verschiedenen Genres stimmig ineinander greifen zu lassen. Mal gibt sich Afflecks Film als Sozialdrama, mal als Romanze, mal als Actionthriller. Das stiftet nicht nur Verwirrung sondern auch OberflĂ€chlichkeit. „The Town“ bleibt dennoch ein absolut sehenswerter Thriller, der mit einer packenden Story und tollen Schauspielern ĂŒberzeugt.

(Text: Julia Hanel)

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