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Franzis Leseecke: Red

Rezension zum Drama von John Logan

Weil nicht nur Romane guter Lesestoff sind, geht es in Franzis Leseecke in dieser Woche um ein Drama. John Logans „Red“ muss nicht im Theater gesehen werden, um den Leser (oder Zuschauer) durch seine Diskussionen ├╝ber Kunst und Kommerz zum Nachdenken anzuregen.

Franzis Leseecke back viewJohn Logans Drama „Red“ wurde 2009 zum ersten Mal im Donmar Warehouse Theatre in London aufgef├╝hrt. Im Mittelpunkt steht der Abstrakte K├╝nstler Mark Rothko und sein Assistent Ken, der ihm dabei helfen soll, eine Serie von Bildern f├╝r das Four Season Restaurant anzufertigen. Gespielt wurden die beiden von zwei englischen Stars, die dem begeisterten Filmeschauer nicht unbekannt sein werden: Alfred Molina und Eddie Redmayne. Auch in New York konnte sich das St├╝ck behaupten und gewann sechs Tony Awards.

Franzis LeseeckeIst das noch Kunst?

Mark Rothkos Bilder sind f├╝r den Laien genau die Art Kunst, die ihn ausrufen l├Ąsst: ÔÇ×Das h├Ątte ich doch auch gekonnt.ÔÇť Die riesigen Leinw├Ąnde, mit Farbbl├Âcken bemalt, sind eine der wichtigsten Dekorationen f├╝r die Auff├╝hrung, um Stimmung zu erzeugen. Denn das will Rothko bewirken: Stimmungen erzeugen, die den Betrachter bis zu einer Art religi├Âsen Erfahrung bringen.

Doch so wie wir nur schwer Rothkos Kunst verstehen, so konstant beschimpft er die K├╝nstler der neuen Generation, wie Andy Warhol und Jackson Pollock, die seelenlose Kunst hervorbr├Ąchten, mit ihren Suppendosen und Album-Covern.

Ken ist das Symbol f├╝r diese neue Generation und stellt die Ansichten und teilweise widerspr├╝chlichen Aussagen Rothkos in Frage. Jeder K├╝nstler sollte hungern, nur er nicht, sagt Rothko im St├╝ck und sieht seine kommerzielle Arbeit f├╝r das Restaurant nicht im Widerspruch zu seiner eigenen Kunsttheorie.

Lehrer und Sch├╝ler

Glaubt man Rothkos Biograf Breslin und den Texten, die Rothko selbst hinterlie├č, war der K├╝nstler extrem eifers├╝chtig gegen├╝ber der neuen, beliebten Generation, die von Anfang an die Anerkennung erhielt, um die er jahrelang hart k├Ąmpfen musste. Obwohl er selbst zugibt, seine Vorg├Ąnger vom Thron gesto├čen zu haben, will er dies in seinem eigenen Fall verhindern. Und so kommt es immer wieder zum Streit zwischen Lehrer und Sch├╝ler; zwischen Surrealismus und Pop Art.

Der Streit um die Kunst

W├╝tend und brutal stellt Logan den K├╝nstler oft dar. Immer wieder schreit er seinen Assistenten an, wird handgreiflich. Doch immer mit dem Ziel, den Sch├╝ler aufzur├╝tteln, ihn aus seiner Lethargie des reinen Betrachtens zu rei├čen und sich des Bildes anzunehmen – das Bild zu f├╝hlen und mit ihm zu f├╝hlen.

Fazit

John Logans St├╝ck ├╝ber den K├╝nstler Mark Rothko ist auch ohne das Ambiente der mit Bildern best├╝ckten B├╝hne lesenswert. Der Diskurs ├╝ber die Rezeption von Kunst und ├╝ber die Verantwortung des K├╝nstlers als moralische Instanz hat nichts an seiner Aktualit├Ąt verloren. Rothko w├╝rde heute vielleicht genauso polemisch ├╝ber Street Art K├╝nstler reden wie ├╝ber Warhol. Es stellt die wichtigen Fragen: Ist ein K├╝nstler noch glaubhaft, wenn er zur Marke wird? Oder ist ein K├╝nstler nur ein K├╝nstler wenn er am Hungertuch nagt?

Meine Bewertung von „Red“:
Franzis Leseecke
5 von 5 Sternen

Titel: Red
Autor: John Logan
Verlag: Oberon Books
Seiten: 67
Amazon: Red

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