Ein Stereotyp schwimmt mit dem Fluss

Der 21-Jährige erfüllt alle Kriterien, um sich in naher Zukunft mit seichtem Folkpop in die Herzen der Mädchen zu spielen. Dunkelbraune, gelockte Haare, ein Schmollmund und eine Stimme, mit der er seine tiefsten Sehnsüchte zum Ausdruck bringt. Aber irgendwann haben wir genug von diesem Stereotyp.


Wenn Max Prosa die Bühne betritt, durchfährt das Publikum eine kleine Woge der Euphorie. Fast könnte man erleichtert sein, dass jemand, der von so viel Schmerz in seinen Liedern erzählt, noch die Kraft hat, eine Performance hinzulegen.Diese Kraftlosigkeit illustriert Prosa mit Händen, die wie kleine Flügel hin und her dirigieren und dabei weniger wie Adlersschwingen wirken mit denen sich der Poet zu den großen Dichtern erheben kann, sondern vielmehr wie kleine Federn.

Seine Texte werden als kantig beschrieben, während sie eigentlich nicht mehr oder weniger Inhalt bieten als andere Clueso- oder Poisel-Poesie. Hinter manchen Worten verbirgt sich eine interessante Zweideutigkeit, doch auch mit hohlen Phrasen spart er nicht.

In „Schöner Tag” wird klar zum Ausdruck gebracht, worum es geht: „Heute ist ein schöner Tag zum Laufen, wirf deine Kleider auf den Haufen, und wir schwimmen mit dem Fluss”. Denn mit dem Fluss schwimmt Max Prosa, und springt auf den Zug all jener Singer/Songwriter auf, die bereits vor ihm Schmerz und Sehnsüchte vertonten.

Es ist die Hoffnungslosigkeit und der Weltschmerz einer Generation, die angesichts von Globalisierung und Ungerechtigkeiten der modernen Welt als letzten Ausweg die Realitätsflucht in die eigene Phantasie sieht. „Sie wollen totale Kontrolle, über das was sich bewegt, über das was in uns lebt. Manchmal bleibt nur die Enklave der eigenen Phantasie, denn dorthin kommen sie nie”. Doch wer sind „sie” denn nun eigentlich?Gemäß des Titels Max Prosas Debütalbums wird die Phantasie siegen. Jedoch sollte man sich bewusst machen, dass dieser Sieg Scheuklappen mit sich bringt, die den Blick auf schöne Utopien statt auf die Realität richten. Doch Prosa will nicht „dumm rumsteh‘n, in schweren Stiefeln der Realität, in denen man, wenn überhaupt, immer nur kleine Schritte geht” („Abgründe der Stadt”).

Für Liebhaber verklärter Lyrics ist Max Prosa sicherlich eine Neuentdeckung, die dieses Jahr auf zahlreichen Festivals (Reeperbahn Festival, Umsonst & Draußen Festival, etc.) mit Gitarre und genuschelten Worten die Zuschauer berieseln wird.

(Text: Ronja Heintzsch)

Ronja H.

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren üben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gründe, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schließlich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Affären in dieser Welt.

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