Minimalistisch und komplex

„Es klingt manchmal so als würde eure kleine Schwester einfach auf dem Keyboard herumdrücken.“ Mit diesen vielversprechenden Worten wurde die italienisch/schwedisch/finnische Produktion „We call it Skweee“ auf dem Münchner Filmfest eingeleitet.


Eigentlich wollte Iacopo Patierno 2008 seine Freunde bei einem Auftritt auf einem Festival mit der Kamera begleiten. Dann sprach sich herum, er würde einen Dokumentarfilm über Skweee-Musik machen. Jetzt, drei Jahre später, feiert die Dokumentation, die er dann tatsächlich drehte, Deutschlandpremiere.
Als die Protagonisten zu Beginn des Filmes versuchen zu erklären, was sie da eigentlich machen, scheint es nicht annähernd einfach zu sein: „Skweee music is something slow and complex“.

Skweee ist elektronische Musik, die mit einfachsten Mitteln produziert wird. Zur Ausstattung gehören ein Keyboard und ein Sequenzer. Keines davon sollte mehr als 25 € kosten. Man mag es pathetisch finden, aber im Grund geht es in „We call it Skweee“ um  den Rhythmus einer Generation. Das Suchen nach dem Sinn des Lebens in der Holzhüttendisco am Stadtrand.
Skweee ist keine große Bewegung. Es gibt eine kleine Szene. Man kennt sich. Bei Gigs im Ausland schläft man bei befreundeten Musikern oder Fans. Doch Skweee ist mehr als Musik – es ist eher ein Lebensstil. Der Film lebt von den Menschen und den skurrilen Geschichten, die sie erzählen. Er begleitet sie durch ihren Alltag mit der Skweeemusik.

Schemenhaft werden verschiedene Charaktere abgebildet. So gibt es beispielweise den Produzenten, der die Stücke seiner Musiker in einem selbstgezimmerten Studio aufnimmt; und auf der anderen Seite den Künstler der in seinem Bollywood-Benz vorfährt und versucht, sein Mixtape unterzubringen.

„We call it Skweee“ ist ein No-Budget-Film. Die Produktion wurde komplett von den Protagonisten, den Musikern und vom Regisseur getragen. Aus diesem Grund wurde der Film auch erst drei Jahre nach der letzten Klappe veröffentlicht. Dem Thema tut das Ganze keinen Abbruch: Skweee ist zwar immer noch eine Untergrundbewegung, aber hat es verdient, nun endlich mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Gedreht ist der Film mit einer Handkamera. Alles was passiert und interessant erschien wurde mitgefilmt und später in bester MTV-Manier zu einem großen Musikvideo zusammengeschnitten. In diesem speziellen Fall macht das Sinn. Denn das Chaos, das die Musik ausstrahlt, wird letztendlich in der Dramaturgie des Filmes widergespiegelt. Als Versatzstücke werden Ausschnitte aneinandergereiht. Am Ende entstand auf diese Weise ein komischer und gleichzeitig melancholischer Coming-of-Age-Film über das Leben und die Liebe zur Musik.

„We call it Skweee“ läuft im Oktober in den deutschen Kinos.

(Text: Lea Kramer)

Schreibe einen Kommentar