Skurrile Charaktere und geistreiche Dialoge

Knapp daneben ist auch vorbei. Auf Stephen McQueen passt dieser Satz wie die Faust aufs Auge. Der erfolglose Schauspieler ist die ewige Zweitbesetzung – in privater Hinsicht für seine Ex-Frau und in beruflicher Hinsicht für Englands neuen Bühnenstar Josh Harper, der kürzlich auch noch zum zwölft-sexiesten Mann der Welt gewählt wurde.[divide]

Mit seinem 2003 erschienenen Debütroman „Keine weiteren Fragen” stürmte der Engländer David Nicholls die Bestsellerlisten. Mit viel Witz und Ironie ließ er seinen chaotischen Protagonisten Brian in die vielen Fettnäpfchen des Erwachsenwerdens tapsen. Auch Nicholls’ zweites Buch handelt vom Scheitern und Versagen, vom Verfehlen und Verirren. Im Zentrum steht diesmal der Durchschnittstyp Stephen, der seit Jahren vergeblich auf seinen Durchbruch als Schauspieler hofft. Bisher glänzte er lediglich als „Sammy das Einhörnchen” – im Ganzkörperkostüm versteht sich.

Als er die Zweitbesetzung des charismatischen Hollywoodstars Josh Harper ergattert, schöpft Stephen wieder Hoffnung, ist er doch nur einen Bein-, Hals-, Armbruch von der großen Karriere entfernt. Dummerweise erfreut sich Josh Harper – talentiert, sexy, intelligent – einer frustrierend guten Gesundheit. Dass Stephen sich mit Joshs Frau Nora anfreundet und sich unsterblich verliebt, macht die Sache natürlich nicht einfacher.

Wer seine Schwierigkeiten mit dem Britischen Humor hat, lässt besser die Finger von David Nicholls’ zweitem Roman. Im Stile seines populären Landmannes Nick Hornby greift der Autor alltägliche Situationen des Lebens auf und ironisiert sie mit einer unglaublich trockenen Bissigkeit, die stets anklingt, aber nie künstlich wirkt.

Mit der Figur des „Stephen McQueen” schuf Nicholls erneut einen Protagonisten, den der Leser einfach lieben muss. Weil er sich mit Rollen als Eichhörnchen und Geist zufrieden geben muss, weil er in einer schäbigen Absteige ohne Kühlschrank lebt, weil er den „Golden Globe” von Josh Harper mitgehen lässt und ihn aus schlechtem Gewissen wieder zurück bringt. Seine vielen Fehler und Schwächen machen den Chaoten zu einem unglaublich sympathischen Anti-Helden, dessen Schicksal man teilt, dessen Tragik man mitfühlt.

Mit Nicholls’ Erfolgsromanen „Keine weiteren Fragen” und „Zwei an einem Tag” kann dieses Buch dennoch nicht mithalten. Die Story wirkt deutlich fingierter, da sie im Schauspielmilieu angesiedelt ist und eine gewisse Authentizität vermissen lässt. Auch hat die eigentliche Handlung eine zu lange Vorlaufszeit, was das Geschehen verzögert und bremst.

Trotz kleiner Schwächen ist Nicholls erneut ein unterhaltsamer Roman gelungen, der von einer geglückten Mischung aus skurrilen Charakteren, geistreich-witzigen Dialogen und tragikomischen Verstrickungen profitiert. Ein Buch, das einen womöglich nicht tief berühren, aber von Herzen amüsieren wird.

(Text: Julia Hanel)

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