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Amerika ist wieder soweit

Die USA und ihre eindrucksvolle Wahlschlacht
In der US-Wahl 2012 liefern sich die beiden Kontrahenten – der einstige HoffnungstrĂ€ger Barack Obama und der Herausforderer Mitt Romney – ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Viele WĂ€hler sind vom jetzigen PrĂ€sidenten enttĂ€uscht, doch auch die Blockadepolitik der Republikaner stĂ¶ĂŸt auf Ablehnung. Es herrscht das GefĂŒhl, sich fĂŒr das „kleinere Übel“ entscheiden zu mĂŒssen.


Es ist das Spektakel des Jahres – und kommt auch in Deutschland gleich nach der neuen „Wetten dass…?“-Ausgabe: Die US-PrĂ€sidentschaftswahl 2012. Sie lĂ€sst die deutsche Bundestagswahl nicht nur langweilig und grau, sondern auch kurz und reibungslos erscheinen. Die Wahl hat nicht nur eine Bedeutung fĂŒr die amerikanische Bevölkerung, sondern auch fĂŒr Europa, ja die ganze Welt.

So sind es doch wir, die ein amerikanisches Netzwerk zum Kontakthalten nutzen oder New York als Traumstadt schlechthin abstempeln. Es sind wir, die wirtschaftlich eng mit den USA zusammenarbeiten und die Auswirkungen amerikanischer Prozesse, wie den Kollaps der Bank Lehman Brothers, zu spĂŒren kriegen. Nicht nur deshalb löst die Wahl auch in Deutschland eine immense Faszination aus.

Keine Wahl ohne Show
Das Politikspektakel ist milliardenschwer. Etwa 5,7 Milliarden US-Dollar soll der Wahlkampf 2012 kosten. Im Vergleich dazu: FĂŒr die letzte Bundestagswahl in Deutschland wurden im politischen Vorkampf umgerechnet lediglich 84 Millionen US-Dollar aufgebracht. Der dahinterstehende Patriotismus, die Glitzerwelt, die groß aufgezogenen Debatten in Amerika – all das trĂ€gt zum Hype bei.
Dagegen wirken unsere politischen Duelle gemĂŒtlich, ja fast fad. Wir haben klare Regeln zur Parteienfinanzierung – die Amerikaner dagegen lassen Geldspenden an Politiker und Parteien als freie MeinungsĂ€ußerung durchgehen und bilden deshalb sogenannte „Super-Pacs“, bei denen ganz offen teilweise Millionen US-Dollar in den Kampf um den PrĂ€sidentschaftsthron gesteckt werden.

Wir haben eine vielschichtige Parteienlandschaft, in der Kompromisse eingegangen werden und in der alles mit einer fast regen GemĂŒtlichkeit vonstatten geht. Die Amerikaner dagegen lieben die Emotionen und die aufgebauschte Diskrepanz, die zwischen zwei Lagern herrscht.
Nicht nur in der Medienwelt herrscht eine Aufsplitterung, auch die Bevölkerung radikalisiert sich fĂŒr einen Vertreter des Volkes, die die USA weiterhin als Weltmacht und als bestes Land schlechthin dastehen lassen soll. Wenn man es als WĂ€hler darauf anlegt, bekommt man in seiner eigens geformten Blase nur die Informationen, die man hören will, die ins eigene politische Weltbild passen und, die nur die eigene Meinung unterstĂŒtzen.

Hope und Change und was davon ĂŒbrig bleibt
Die politische Schlacht lĂ€sst ein tief gespaltenes Land zurĂŒck, das sich trotz seiner GrĂ¶ĂŸe auf einen Mann einigen muss. Um am Ende die politische Auseinandersetzung als Sieger zu verlassen, werden nicht nur Millionen Dollar in die Hand genommen; es werden im Rahmen der spektakulĂ€ren Kampagnen im Wahlkampfmarathon auch Aktionen durchgefĂŒhrt, bei der einfache BĂŒrgernĂ€he durch persönlichen Kontakt auf der Straße oder vor der HaustĂŒr verdeutlicht werden soll.

Damit sollen vor allem die WĂ€hler erreicht werden, die 2008 den ersten schwarzen PrĂ€sidenten wĂ€hlten; die damit ein Zeichen setzten und einen Hauch von Revolution spĂŒrten. Die unter FreudetrĂ€nen den Wahlspruch „Yes, we can!“ ausriefen und dabei ihre geballte Faust in den Himmel reckten und die vier Jahre spĂ€ter enttĂ€uscht sind, dass auch mit Obama kein neues Zeitalter einbrach.

Die durchdachte und ganz neue Kampagne war nicht nur eine moderne Methode, die Möglichkeiten des Webs 2.0 zu nutzen, sondern auch ein Wahlkampf mit immensen Erwartungen, bei dem sich Medien und WÀhler wohl von einem Mann mehr Hope und Change erhofften, als es innerhalb einer Periode von vier Jahren zu schaffen ist.

Scheinbar auch deshalb ist die US-PrĂ€sidentschaftswahl mal wieder eine Medienshow voller Emotionen, GĂ€nsehautmomenten und Schwarz-Weiß-Malerei. Eine Debatte mit Spezialeffekten, viel Drumherum und trotzdem dem einfachen Prinzip eines Bad Guy und dem eines Good Guy.
Am Ende der Schlacht geht es nicht mehr darum, wer die stĂ€rkeren Argumente hat und, wer die hoffnungsvollsten Versprechen liefert, sondern darum, wer den Kampf durchhĂ€lt, das gegnerische Lager wĂŒster beschimpfen und den American Dream besser verkörpern kann. Die Inhalte der Kandidaten rĂŒcken damit in den Hintergrund.

(Text: Christina Hubmann)
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Über den Autor

Redakteurin

Christina Hubmann wollte eigentlich mal Busfahrer werden, ehe sie sich entschloss, doch "irgendwas mit Medien" zu machen. Schreiben tut sie nÀmlich schon immer gern. Und wie das Leben ohne dieses Internet funktioniert hat, fragt sie sich schon seit LÀngerem - erfolglos.

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