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Auch eine Frau darf eine Sexbeziehung führen!

Kommentar zum Geheimnis einer Sexaffäre

Eigentlich weiß ich nichts über ihn. Ich weiß nicht, welche Musik er gerne hört, was sein Lieblingsessen ist oder ob er Geschwister hat. Ich weiß nicht, wen er anruft, wenn es ihm schlecht geht und ob er lieber Fußball oder Formel 1 sieht. Ich weiß nicht, wovor er sich fürchtet und wovon er nachts träumt. Aber ich weiß, wie er aussieht, wenn er kommt.

SexbeziehungIch habe eine Affäre. Und niemand weiß davon. Es ist unser Geheimnis. Das Schema ist immer das gleiche. Abends bekomme ich eine SMS von ihm: „Bist du zu Hause?“ – wenn ich mit „ja“ antworte, steht er wenig später vor meiner Haustür. Meistens bleibt er dann bis zum nächsten Morgen.

Wenn er zur Arbeit muss, bleibe ich im Bett liegen. Muss ich in die Uni, steht er ebenfalls auf. Er zieht sich an und geht. Ein gemeinsames Frühstück gibt es nicht. Nicht einmal einen Kaffee. Außerhalb des Bettes haben wir uns wenig zu sagen.

Seit über einem Jahr geht das nun schon. Angefangen hat alles ganz klassisch: Kennenlernen im Club, ein erster Kuss vor der Haustür, Nummern austauschen, danach SMS-Kontakt. Viele flüchtige Bekanntschaften fangen so an, manchmal enden sie in Beziehungen.

Nicht so bei uns. Wir leben in unterschiedlichen Welten, haben unterschiedliche Prioritäten im Leben. Das anfängliche Interesse an seiner Person hat schnell abgenommen, die sexuelle Anziehungskraft ist aber geblieben.



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Eine unkomplizierte Affäre?

Und so kam es zu diesem Arrangement – Sex ja, alles andere nein: eine Sexbeziehung. Doch warum ein Geheimnis daraus machen? An sich ist eine Affäre ja nichts Außergewöhnliches: zwei erwachsene Menschen einigen sich darauf, nichts weiter als Sex miteinander haben zu wollen und darüber hinaus keinerlei Ansprüche aneinander zu stellen. So einfach habe ich mir das zumindest immer vorgestellt. Jetzt kann ich aus eigener Erfahrung sagen: die Realität ist viel komplizierter.

Naiv, wie ich war, erzählte ich am Anfang meiner Sexbeziehung einigen meiner Freunde und Bekannten davon. Die Sache war neu und aufregend für mich und ich wollte meine Erlebnisse mit jemandem teilen. Die Erkenntnis war ernüchternd: viele Menschen aus meinem Umfeld zeigten kein Verständnis. Einige äußerten sofort ihre Ablehnung, andere gaben zunächst noch nach außen vor, kein Problem damit zu haben.

Sexbeziehung: “Willst du das wirklich?”

In den meisten Fällen musste ich jedoch nicht lange warten, bis mir unangenehme Fragen gestellt wurden. „Willst du das wirklich?“ – „Bist du dir sicher, dass er dich nicht nur ausnutzt?“ – „Ist er nicht eigentlich viel zu jung für dich?“ – „Ist das nicht unter deinem Niveau? Der hat ja nicht mal studiert!“ – „Willst du in Wirklichkeit nicht mehr als Sex von ihm?“ „Wenn das zu nichts führt, wieso beendest du es nicht?“ – „Kommst du dir nicht billig dabei vor?“ – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Kurzum, meine Freunde schwangen die Moralkeule, und ich musste mich rechtfertigen.

Viele dieser Kommentare haben mich sehr verletzt. Meine Freunde meinen es gut mit mir, das weiß ich. Aber es hat mich überrascht, dass mein Umfeld, das ich bisher für sehr liberal hielt, so konservativ reagiert. Die Reaktionen haben mir gezeigt: viele Menschen scheinen noch nicht akzeptieren zu können, dass eine Frau ihr Sexualleben fernab von herkömmlichen gesellschaftlichen Konventionen gestalten will. Dass eine Frau nicht immer auf der Suche nach einer glücklichen Beziehung mit Hochzeit, Kindern und Happy End sein muss, sondern manchmal einfach nur unkomplizierten Sex will.

Ich bin mir sicher, wäre ich ein Mann, müsste ich mich nicht rechtfertigen. Diese Erkenntnis finde ich erschreckend und traurig zugleich. Natürlich sind einige der Einwände gerechtfertigt. Viele der Fragen, die mir meine Freunde gestellt haben, sind mir vorher schon selbst durch den Kopf gegangen. Ja, ich weiß, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Ja, manchmal hinterlässt Sex ganz ohne Gefühle einen faden Beigeschmack. Und ja, manchmal komme ich mir benutzt vor, wenn er morgens einfach aufsteht und geht. Doch ist es nicht umgekehrt genauso? Benutze ich ihn nicht auch? Ist es nicht eher ein gegenseitiges Benutzen?

Ich tue, was ich für richtig halte

Viele Menschen scheinen nur in Schubladen denken zu können oder zu wollen. Ich habe meine Konsequenzen daraus gezogen. Niemand kann mir vorschreiben, wie ich mein Leben zu leben habe.

Ich mag vielleicht nicht wissen, wie es mit meiner Sexbeziehung weitergehen wird. Aber eines weiß ich ganz genau: Wenn er das nächste Mal an meiner Haustür klingelt, werde ich wieder aufmachen. Trotz aller Bedenken, trotz aller Einwände. Ich habe nur keine Lust, mir ständig Sprüche anhören zu müssen oder mich zu rechtfertigen. Ich tue, was ich für richtig halte, aber ich schweige darüber. Es ist mein Geheimnis. Und es ist wahnsinnig aufregend.

(Text: anonym / Foto: Stefan Franke by jugendfotos.de)

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Kommentare (22)

  • löchlein deluxe

    “Ich bin mir sicher, wäre ich ein Mann, müsste ich mich nicht rechtfertigen. Diese Erkenntnis finde ich erschreckend und traurig zugleich.”

    Ja, das finde ich auch erschreckend, dass da jemand glaubt, “die Gesellschaft” (waswower ist das?) würde an einen Mann dann keinen Rechtfertigungsanspruch stellen. Oder ist es die vorweggenommene Begründung “triebgesteuerter Halbaffe”, die hier ausgeblendet wird?

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  • dann halt auch anonym

    Ach, ich bin mir auch nicht sicher, ob “die Gesellschaft” einem Mann das immer freundlich und selbstverständlich gönnen würde. Die Bedenken und Vorwürfen wären vermutlich etwas anders. Ich kann jedenfalls sagen, dass es auch Freundes- und Bekanntenkreise gibt, die mit so etwas anders umgehen.

    “Viele Menschen scheinen nur in Schubladen denken zu können oder zu wollen.” — “Männer” und “Frauen” zum Beispiel.

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    • männlich

      Es geht doch hier im Beispiel gar nicht so sehr um die Meinung “der Gesellschaft” sondern um Meinung und Reaktion des eigenen Freundes- und Bekanntenkreises. Der Gruppe von Personen eben mit der man sich vergleicht und der gegenüber man sich rechtfertigt. Natürlich würde die Oma mit ihrer christlichen Sexualmoral auch den promiskuitiven Mann kritisieren. Aber der eigene Freundeskreis? Je, nach sozialem Milieu würde ich eher von Neutralität bis zu Beglückwünschungen ausgehen.
      Ich meine, dass schlägt sich doch sogar in unserer Sprache nieder. Das weibliche Pendant zum Frauenheld ist eben nicht die Männerheldin, sondern die Schlampe.

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  • Bernd

    Die Reaktionen sind Neid, nicht konservatives Denken.

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  • Olaf Schneider

    in der Überschrift steht etwas von “Sex-Beziehung”, im Text aber “Ich habe eine Affäre. Und niemand weiß davon.”.
    Ich stelle mir gerade einfach die Frage, ob einer oder beide der Beteiligten bereits in einer anderen Beziehung sind? Das würde die Vorzeichen in meinen Augen deutlich ändern. Dass davon niemand weiß wird doch außerdem im Text widerlegt oder irre ich mich?
    Wie auch immer, warum sollen zwei Ungebundene nicht eine rein sexuelle Beziehung führen? Wenn das in irgendeiner Weise eine mehrminütige Erfüllung darstellt, warum nicht.
    Am Ende aber mal eine etwas provokative Frage: warum nicht Geld dafür verlangen, wenn ihm nichts weiter an ihr liegt als der reine Sex…?

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    • DemolitionDoener

      Was ist denn das für eine sinnentleert “provokative Frage”? Vielleicht deswegen nicht, weil ihr das gleiche an ihm liegt wie ihm an ihr? Weil beide nur Sex wollen und – wenn man schon den Vergleich zu einem Tauschgeschäft ziehen will – die beiderseitigen Gegenleistungen in – offenbar gutem – Sex bestehen? Die gleiche Frage könnte man ähnlich sinnfrei in die andere Richtung stellen – Warum sollte er nicht Geld von ihr verlangen? – und mit der gleichen Begründung beantworten.

      Warum so ein einseitig “provokativer” Vergleich zu einer kommerziellen Sexgeschäftsbeziehung? Das ist ne rhetorische Frage von mir. Die hinter der Geld-frage stehende Provokation ist der Versuch, eine Parallele zur Prostitution zu ziehen und solche Bestehen in Verhältnissen wie hier – siehe oben – gerade nicht. Das hätte sich der Fragesteller sicher auch leicht selbst erschließen können.
      Provokationen können ja ganz lustig sein, aber ins leere zielende Provokationen sind eigentlich eher billig.

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  • Jeeves

    Wieso teilt man sein Sexleben der Welt mit (die gar nicht danach gefragt hat)? Was für ‘ne Schublade (oder noch seltsamer) ist DAS denn?

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    • JM

      1. Warum sollte man nicht öffentlich darüber sprechen, insbesondere wenn offensichtlich ein gesellschaftliches Problem dahinter steckt.
      2. Der Artikel geht mehr über Gefühle, die durch die Ablehnung des eigenen Sexlebens entstehen. Das Sie das nicht erkennen, zeugt von mangelnder Sensibilität.
      3. Es ist in der Überschrift erkennbar, dass es um das Sexleben der Autorin geht – wenn Sie das stört, lesen Sie es nicht. Dann brauchen Sie auch keinen Kommentar abgeben, der völlig am Thema vorbeigeht…

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  • Jun

    Und wie sollte ein hetero Mann so eine Beziehung führen können wenn es für eine Frau unmöglich ist?
    Auch als Mann muss man in so einer Situation Fragen beantworten…
    Ob man nicht den Eindruck hat, finanziell ausgebeutet zu werden oder nicht mal eine richtige Familie gründen will.

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  • Viktor Lustig

    “Viele Menschen aus meinem Umfeld zeigen kein Verständnis”

    Ich möchte dies mal aufgreifen; Warum ist dies so wichtig? Warum denken viele Menschen, dass ihr Umfeld und ihre Freunde Verständnis zeigen müssen bzw. zeigen sollen? Ich denke diese ganze Mann/ Frau Argumente greifen da zu kurz.

    Ich bin ein Mann, und ich zeige für ein solches Verhalten kein Verständnis, weder bei Männern noch bei Frauen. Ich nehme es zur Kenntniss, und bei Personen zu denen ich eine soziale Beziehung habe bilde ich mir selbstverständlich eine Meinung.
    Ich halte eine solche Art der rein körperlichen Beziehung für unbefriedigen und schädlich, für beide Seiten. Bin ich das Maß aller Dinge? Sicher nicht, aber genauso wenig wie ich Verständnis für meine Sichtweise verlangen kann, können dies die Beteiligten in einer solchen Situation tun.

    Es gehört nun mal zu einem Leben als Erwachsener dazu, auch mal alleine zu stehn mit seiner Sichtweise. Eine solche Situation ist nicht leicht zu ertragen, soll es aber auch nicht sein. Es gehört eben dazu, wenn man sich selbst verstehen und erkennen will.Gute Freunde stehen immer zu einem, keine Frage, aber dafür brauchen sie kein Verständnis.

    Gute Freunde sind eben nicht dafür da, um einem zu sagen, was man hören will, sondern um das zu sagen, was man hören soll

    Dieser angesprochene Rechtfertigungsdruck ist hausgemacht, den dahinter steht das Bedürfnis, sich rechtfertigen zu müssen. Wenn man zu seinem Tun vollkommen steht, muss man sich nicht rechtfertigen, und nach meiner Erfahrung hört dann meist das Gerede des Umfeldes auf. Wenn ich aber diesen Artikel lese, meine ich viele innere Zweifel über eine solche Art der Beziehung herauszulesen… und daraus bildet sich der Rechtfertigungsdruck. Ich finde es sehr bedenklich, Freunde dazu benutzen zu wollen, diese inneren Zweifel zu kompensieren.

    Die Aussage, dass bei einem Mann ein solches Verhalten mehr Verständnis generieren würde halte ich für sehr sexistisch. Vielleicht bekommt man dieses subjektive Gefühl aber dadurch, dass Männer es zumeist nicht zeigen, wenn sie Zweifel haben.

    Ist eine Frau ein schlechterer Mensch wenn sie so eine Beziehung führt? sicher nicht, auch eine solche Aussage wäre sexistisch.

    Aber ein Mensch kann nicht verlangen, dass das eigene Tun immer gut geheißen wird. Es ist ein kindliches Verhalten, immer die Zustimmung seiner Umgebung einholen zu wollen. Den ich denke es geht in diesem Artikel nicht um Verständnis, sondern um Zustimmung.
    Und wenn man sie sich selber nicht geben kann, wer kann es sonst tun?

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  • anonym³

    Also wirklich, dieser Artikel ist doch auch nur stereotypisches Denken.

    Die Reaktionen deiner Freunde und Bekannten ist doch normal, ich glaube das hat weniger was mit “Mann” und “Frau” an sich zu tun, sondern damit, das Männer unter sich nicht über “Gefühle” reden und Frauen im allgemeinen eher schon.

    Auch glaube ich, dass Frauen einfach eher Bedenken äußern (musste sich meine Freundin auch anhören: “Ist er nicht zu Jung”, “Wie macht ihr das mit der Entfernung”, “Ich würde das ja nicht machen”…
    So what, who cares… Es ist ja dein Leben….

    Ich habe (als Mann) die Erfahrung gemacht, dass eine reine Sexbeziehung nichts ist für mich und auch das Gefühl, dass Leute die nur sexuelle Beziehungen führen nicht Glücklich sind. Ist eine rein objektive Beobachtung, versteht sich…

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  • anonym

    In meinem Umfeld tut ein Mann genau das und wird im übrigen mit unterschwelligen Homosexualitätsvorwürfen (“der will doch was kompensieren”) dafür “abgestraft”, abzuweichen. Ist auch nicht schön für ihn denke ich. Die Situation für Frauen ist denke ich etwas schlimmer, aber auch sehr anders.

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  • Kate

    Glückwunsch! So ein Verhältnis könnte ich mir auch sehr gut vorstellen. Einfach Spaß an der Leidenschaft haben, ohne sonstige Verpflichtungen, Abmachungen und Verantwortlichkeiten gegenüber dem anderen. Leider habe ich einen geeigneten Gegenpart bisher noch nicht getroffen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es sicher den einen oder anderen im Freundeskreis gäbe, der mit ähnlichen Einwänden daherkäme, wie oben geschildert wurde. Aber wenn es beiden Spaß macht und Freude schafft und man niemanden damit verletzt, was solls? Viele Menschen tun sich eben furchtbar schwer damit, mit gesellschaftlichen Gewohnheiten, erlernten Sitten und Gebräuchen oder irgendwelchen vermeintlichen ungeschriebenen Gesetzen zu brechen. Sollen sie ihre Denkschubladen mit dem füllen, was ihnen gefällt. Am Ende meines Lebens möchte ich mich jedenfalls an mehr erinnern können als an gut durchgeschlafene, ereignislose Nächte und ein Dasein nach anderer Leute Vorstellungen. Ich hab ja schließlich nur dieses eine.

    Antworten
    • Anonyma

      mach dir keinen kopp, liebe autorin, ich habe vor meiner jetzigen beziehung genauso gelebt: 5 männer in meiner liste gehabt, mit denen ich mehr oder weniger regelmäßig geschlafen habe, wenn mir gerade danach war, mit dreien war und bin ich befreundet. ich glaube, von uns gibt es mehr, als man glauben mag.

      Antworten
  • Olaf Schneider

    “Viele Menschen tun sich eben furchtbar schwer damit, mit gesellschaftlichen Gewohnheiten, erlernten Sitten und Gebräuchen oder irgendwelchen vermeintlichen ungeschriebenen Gesetzen zu brechen. Sollen sie ihre Denkschubladen mit dem füllen, was ihnen gefällt. Am Ende meines Lebens möchte ich mich jedenfalls an mehr erinnern können als an gut durchgeschlafene, ereignislose Nächte und ein Dasein nach anderer Leute Vorstellungen.”

    Es gibt auch Leute, deren Ziel es NICHT ist, möglichst viele sexuelle Abenteuer zu haben. Für einige ist Sex eben wichtiger Lebensinhalt und für andere eben weniger wichtig. Das muss nichts mit der Gesellschaft oder Gewohnheit zu tun haben. Und ereignislose Nächte sind für viele Leute eben auch notwendige Erholung. Kaum zu glauben, oder?

    Antworten
    • Kate

      Lieber Olaf Schneider,
      dochdoch, ich glaube dir. Aufgrund zahlreicher auf diesem Planeten verbrachten Jahre habe ich festgestellt, dass Menschen äußerst individuelle und aufgrund ihrer Intelligenz und Kreativität schwer berechenbare Wesen sind. Die jeweiligen Werte, Vorstellungen, Wünsche und Träume unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander. Ich versuche es grundsätzlich mit der Methode “Leben und leben lassen” zu halten, auch wenn es manchmal schwerfällt. Ich würde dir auch keine einzige deiner erholsamen Nächte rauben wollen (die ich übrigens selbst sehr schätze, man fühlt sich danach schließlich frisch und erholt und bereit zu neuen Schandtaten). Jeder sollte nach seiner Fasson glücklich werden, so lange niemand anderer darunter leiden muss. Es ist auch keineswegs mein Ziel, möglichst viele sexuelle Abenteuer zu sammeln, falls dieser Eindruck durch meine wenigen Sätze und die Erwähnung ereignisloser Nächte aufgekommen sein sollte (man kann mit so einer Nacht ja auch noch viele andere Dinge anfangen als nur Sex zu haben). Aber der anonymen Autorin des Artikels geht es offenbar sehr gut dabei, und warum auch nicht? Ich würde mich ebenfalls freuen, wenn mir eine solche Geschichte passierte und ich sie entsprechend genießen könnte. Und ich freue mich für sie mit. Nicht anderes wollte ich damit ausdrücken.

      Antworten
  • Rob

    Warum das so selten funktioniert, liegt meiner Meinung nach an der Macht der Gewohnheit und des entstandenen Anspruches. Am Anfang ist alles unverfänglich und sensibel und aufregend. Irgendwann hat man sich aber auch an die Situation gewöhnt: Man ERWARTET also bald wieder ein Treffen (Warten= Passivität= Abhängig machen – aus Erfahrung gab es ja immer bisher ein Treffen, es klappte also für unser Gehirn. Es hat als BonBon bereits gelernt…) Je öfter dies geschieht, umso mehr macht man sich aber bereits von dieser Situation abhängig. Irgendwann kommt Frust hoch, wenn es mit dem Treffen mal wieder nicht geklappt hat, weil einer von beiden sich nicht meldete… So entsteht eine “Beziehung” ohne das man das möchte. Die dahinterstehenden Spannungen werden vielleicht erst mal ne Weile in Sex kanalisiert, haben aber ungeheures Potential für Zerstörung.

    Frauen, die gerne Verhältnisse mit verheirateten Männern haben, leiden ja unter dem selben Symptom:

    Nähe einer Beziehung zu einem freien Mann nicht ertragen können und dennoch immer mehr eine Beziehung zum verheirateten aufzubauen. Spätestens wenn er sich nach erfolgreichem Verlangen trennt, wird auch alles beendet. Der Mann wird vordergründig unattraktiv. Hintergründig hat aber die Vermeidungsangst wieder gesiegt.

    So sehe ich das…

    Was kann man dagegen tun?

    Sich immer wieder klarmachen, was man will, seinem Bauchgefühl entscheiden lassen, dabei aber konsequent sein.

    Eigentlich bist du, liebe Autorin mit diesem Text ja bereits auf dem richtigen Weg des Reflektierens!

    Antworten
  • hiro

    “Ich bin mir sicher, wäre ich ein Mann, müsste ich mich nicht rechtfertigen.”

    Woher Frauen nur immer so genau wissen, wofür ein Mann sich rechtfertigen muss …

    Ich habe kein Problem damit, wenn Menschen reine Sexbeziehungen führen. Ich bin allerdings etwas skeptisch, ob diese Beziehung wirklich so super ist, wenn einer der Teilnehmer dafür Bestätigung aus dem Bekanntenkreis braucht. Die Sexbeziehungen, die ich kenne, funktionieren jedenfalls hervorragend, ohne dass man es groß herumerzählt und um Beifall heischt.

    Insofern könnte man die Rückfragen aus dem Freundeskreis auch so verstehen, dass die Freunde schlicht merken, wie die Autorin sich mit dieser “Affäre” etwas vormacht.

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  • Revan

    “Ich bin mir sicher, wäre ich ein Mann, müsste ich mich nicht rechtfertigen. Diese Erkenntnis finde ich erschreckend und traurig zugleich.”

    Du MUSST dich überhaupt nicht rechtfertigen, man muss nicht jede Handlung seiner Freunde richtig und gut finden und solange du damit glücklich bist (was du von dir ja sagst) kann es dir recht egal sein.

    Als Mann hat man da mit anderen Vorbehalten zu kämpfen (sowohl von Frauen als auch von Männern), “kriegt wohl keine richtige Freundin ab”, “will nur seine Homosexualität kompensieren”, “was für ein unreifer Loser” sind da häufiger zu hören.

    Antworten
  • Anonym

    “Ich bin mir sicher, wäre ich ein Mann, müsste ich mich nicht rechtfertigen. Diese Erkenntnis finde ich erschreckend und traurig zugleich.”
    Ich bin mir nicht sicher, ob Du damit so richtig liegst – ich kenne in meinem näheren Freundeskreis einen Fall, wo sich beide Beteiligte einer solchen Beziehung – zumindest nach meiner Beobachtung – genau gleichermaßen rechtfertigen mussten/sollten.

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  • auchFrau

    So etwas darf man tatsächlich niemanden erzählen.. Wenn das zu viele mitbekommen wird man direkt abgestempelt als Schlampe oder ähnlcihes. Das ist erschreckend, denn was ist gegen guten Sex einzuwenden? Manchmal ist die Zeit für eine richtige Beziehung nicht gegeben.
    Ich habe selbst auch so eine und freue mich jedes Mal wieder auf die Begegnung. Es ist verboten und moralisch sehr verwerflich, aber was ist moral? Von der Gesellschaft festgelegte Regeln.
    Mein Partner ist deutlich älter als Ich was eine Beziehung generell ausschließt, deshalb kommt es auch nicht zu Gedankengängen in diese Richtung. Man trifft sich, trink ein Glas Wein zusammen unterhält sich und beginnt mit dem eigentlichen Teil des Abends. Dem Sex, auf den man den rest der woche schon gewartet hat.

    Meiner Meinung nach sollte die Gesellschaft viel offener mit dem Thema Sex umgehen und weniger Schubladen bilden.

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Über den Autor

anonym
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