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Warum mir Kinder meine Freiheit nehmen

GlĂĽcklich OHNE Nachwuchs

Eines der größten Mysterien unserer Zeit ist für mich die Tatsache, dass immer noch so viele Kinder geboren werden. Sie kosten Geld und Zeit, sie sind immer da und man ist ein Leben lang an sie gebunden. Eigener Nachwuchs bedeutet für mich das Gegenstück zu Freiheit.

Kinder. Es heißt, das Leben sei erst erfüllt, wenn man Kinder habe. Das kann ich mir so nicht ganz vorstellen. Es mag sein, dass die Gen-Weitergabe ein gutes Gefühl ist. Ich schätze, dass es zufriedenstellend ist, ein neues Wesen in diese Welt zu setzen, den eigenen Bestand fortzusetzen, jemanden ein Leben zu schenken.

Diese Erfahrung ist sicherlich mit nichts anderem zu vergleichen. Das Wunder der Natur, am eigenem Leib miterleben, das ist so einfach und doch so faszinierend. Es ist mehr als einen Schulterklopfer wert, wenn man das geschafft hat. Kinderkriegen ist dieser Teil des Lebens, der so natürlich und selbstverständlich und doch mit so einem unbeschreiblichen Gefühl verbunden ist, das ein Kinderloser niemals auch nur annähernd nachvollziehen kann.

Die biologische Uhr tickt
Irgendwann kommt man in dieses Alter, in dem man über Kinder nachdenkt, sich Gedanken macht über kleine Plagehälser, die angeblich das Leben so bereichern. Es gibt diese Sorte von Menschen, die leuchtende Augen bekommen, sobald man von schreienden Babies erzählt, denen fast stündlich die Windeln gewechselt werden müssen – und es gibt die Sorte von Menschen, die das mit diesen Kinderkriegen erst mal anderen überlassen wollen.

Ich gehöre zur Gruppe zwei. Zu denjenigen, die sich dessen bewusst sind, dass ihnen ein nicht in Worte zu fassendes Gefühl entgeht, die sich aber auch im Klaren darüber sind, dass sie ihre Freiheit über alles lieben.

Einschnitt unvergleichbarer Art
Ich stimme zu, es  gibt nichts Schöneres, als eine Mutter mit neugeborenem Kind zu sehen. Diese Liebe, die dort herrscht und mit der das kleine Etwas überschüttet wird; diese Verbindung, diese außergewöhnliche Beziehung – kein Mensch wird sie je nachempfinden können.

Doch durch ein Kind verändert sich das eigene Leben von jetzt auf gleich maßgeblich. Es bedeutet einen Einschnitt, wie sonst kein anderes Ereignis. Das restliche Leben wird man an den eigenen Nachwuchs gebunden sein. Zahlen wird man mindestens die nächsten 18 Jahre. Man wird sich bei kommenden Entscheidungen immer nach dem Kind richten, Kompromisse eingehen und Abstriche machen müssen. Eine Entscheidung für ein Kind ist eine Entscheidung, sein eigenes Leben einzuschränken.

Doppelbelastung und alltägliche Hetze
Viele werden also nach wie vor Mütter, obwohl sich die Lebensbedingungen von Frauen und die Umstände, unter denen sie Kinder zur Welt bringen, fundamental verändert haben. Frauen können sich heute politisch engagieren, sie können eigenes Geld verdienen, sie müssen nicht mehr heiraten, damit ihnen gesellschaftliche Akzeptanz entgegengebracht wird.

Ihnen stehen Verhütungsmittel zur Verfügung und Abtreibungen sind nicht mehr hochriskante Angelegenheiten in illegalen Hinterzimmern. Frauen sind gut ausgebildet, und kaum jemand wirft ihnen noch vor, wenn sie kinderlos blieben, hätten sie ihre Weiblichkeit verfehlt.

Als berufstätige Frau mit Kind ist es doch schier unmöglich, alles in einem zufriedenstellenden Modus unter einen Hut zu bekommen. Der alltägliche Wahnsinn besteht dann hauptsächlich aus Beruf und Familie – trotz Kitaplätzen, die geschaffen wurden und weiterhin werden, ist es fast unmöglich, den Spagat zwischen diesen zwei wichtigen Komponenten zu schaffen. Schwebt nicht ununterbrochen ein schlechtes Gewissen über den Kopf, zu wenig Zeit zu haben – fürs Kind, für den Mann, für die Karriere, für die Freunde, für den Haushalt, für die eigenen Bedürfnisse? Warum nur muss man sich das antun?

Erziehung versus eigenes Leben genieĂźen
Im Alltag habe ich Beschränkungen aller Art. Habe ich einen Tag frei, wurde das vorher mit meinem Chef abgeklärt. Mein Job ist okay, aber hauptsächlich renne ich täglich ins Büro, um mein Leben zu finanzieren. Ich habe unterschiedliche Verpflichtungen und führe Beziehungen, die gepflegt werden wollen. Mit einem Kind würde ein Faktor in mein Leben treten, den ich nicht noch irgendwo zwischen die üblichen Termine quetschen kann, sondern ein Faktor, der alles überdeckt und von dem plötzlich alles andere abhängt.

Ich wäre nicht mehr flexibel, sondern gebunden. Abgesehen davon, müsste ich von einem Tag auf den nächsten eine Verantwortung übernehmen, die ich nicht mehr abgeben kann. Ich wäre dafür zuständig, dass dieser kleine Mensch etwas Vernünftiges lernt. Es läge in meiner Hand, meinem Nachwuchs etwas beizubringen, ihn zu erziehen – wo ich doch selbst mit der Umsetzung meines eigenen Lebens schon genügend beschäftigt bin. Ich wüsste nicht, wie das alles funktionieren sollte, wäre schlichtweg überfordert und bei mir würde sich eine Angst einnisten, durchgehend etwas falsch zu machen.

Kinderkriegen – Vielleicht. Irgendwann
Es mag sein, dass ein Kind zum Leben einer Frau dazugehört. Aber ich bin auch so ganz zufrieden. Vielleicht, irgendwann kommt einmal der Punkt im Leben, in dem nicht mehr die Bedürfnisse vorherrschen, sich auszuleben, in der Welt herum zu reisen und mobil zu sein.

Vielleicht ist der Wunsch nach eigenem Nachwuchs etwas, wofür man Mut beweisen muss, den ich nicht habe. Vielleicht ist eine Entscheidung gegen ein Kind egoistisch und fernab der Natur. Es ist sogar wahrscheinlich, dass eine solche Überzeugung ein Zeichen dafür ist, dass man vor Verantwortungen wegläuft. Oder aber, es ist einfach eine enorm große Liebeserklärung an die eigene Freiheit.

(Text: Christina Hubmann)

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Ăśber den Autor

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Christina Hubmann wollte eigentlich mal Busfahrer werden, ehe sie sich entschloss, doch "irgendwas mit Medien" zu machen. Schreiben tut sie nämlich schon immer gern. Und wie das Leben ohne dieses Internet funktioniert hat, fragt sie sich schon seit Längerem - erfolglos.

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