Roland Garros steht bereit

Noch ist es still in Roland Garros. Das größte Tennisstadion Frankreichs erlebt momentan so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm, denn noch läuft lediglich die Qualifikation zu den 110. French Open in Paris – bald ist es aber vorbei mit der Stille.

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Das alljährliche Sandplatzturnier der Grand-Slam-Serie erfreut sich regelmäßig einer großen Beliebtheit. Allein der Centre Court bietet Platz für ca. 14.800 Zuschauer. Ruhig wird es hier also sicher nicht sein, erst recht nicht, wenn Rafael Nadal, der Titelverteidiger, den Schläger schwingt.

Rafael Nadal – der stöhnende Favorit auf den Titel
Der Spanier ist längst bekannt für sein notorisches Stöhnen im Spiel. Glaubt man kanadischen Forschern, so verschafft sich der 24-jährige dadurch einen Vorteil, da der Schlaglaut durch das Geschrei übertönt wird. Die Nummer eins der Weltrangliste wäre aber auch zweifelsfrei ohne diesen vermeintlichen Pluspunkt der Favorit auf den Titel.

Seit 2005 gewann Nadal die French Open fünfmal. Er wird daher nicht umsonst als Sandplatz-König bezeichnet. Doch der Spanier ist gewarnt, immerhin prescht Novak Djokovic in Richtung Weltspitze und überrollte dabei Nadal in Madrid und zuletzt auch Rom auf Asche.

Novak Djokovic auf dem Weg zur Spitze
Fast zwei Jahre lang hat Nadal jedes Match auf Ascheuntergrund gewonnen, ehe er nun konsterniert feststellen musste, dass „Nole“ einen Quantensprung in der Entwicklung vollzogen hat.

Nicht nur deshalb ist der Serbe, der im vergangenen Jahr im Viertelfinale am Österreicher Jürgen Melzer scheiterte, ein heißer Kandidat auf den Triumph in Roland Garros. Schließlich gewann der 23-jährige noch fünf weitere Titel in diesem Jahr, darunter auch  auch das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres, die Australian Open.

Roger Federers Durststrecke zieht sich weiter hin
Während sich Djokovic auf dem aufsteigenden Ast befindet, geht es bei Roger Federer langsam bergab. Fünf Monate ist der Schweizer nun schon ohne Turniersieg. Eine Zeitdauer, die für die langjährige Nummer eins der Welt eine beinahe ewig lange Durststrecke darstellt, deren Ende nicht in Sicht ist.

Nicht wenige behaupten, dass der 29-jährige seinen Zenit überschritten habe. Trotz feiner Technik und einem weiterhin unnachahmlichen Slice drängt die Jugend den Schweizer weitestgehend vom Thron. Dennoch ist es Federer zuzutrauen, sich von einem Turnier auf das Nächste zu konsolidieren, und die French Open überraschend zu gewinnen, auch wenn die letzte Entwicklung nur wenige Indizien dafür bereithält.

Florian Mayer – die deutsche Hoffnung?
Was für Federer eine Durststrecke ist, wäre wohl für jeden deutschen Teilnehmer ein großer Erfolg. So auch für Florian Mayer, dem größten Hoffnungsträger der deutschen Delegation. Der 27-jährige möchte unbedingt unter die Top 20 der Welt, momentan steht er auf Platz 21 der Weltrangliste. Wie weit der gebürtige Bayreuther bei den French Open kommen wird, hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere vom Losglück.

Deutsches Herren-Tennis mit schlechten Aussichten
Alleine der Grund, dass das Losglück ein entscheidendes Kriterium für das Abschneiden der deutschen Herren ist, zeugt von mangelnder Qualität. Ob sich dies in den kommenden Jahren ändert, bleibt zu bezweifeln. Herausragender Nachwuchs ist nicht in Sicht und so wird das deutsche Herren-Tennis auch in naher Zukunft nicht an die großen Erfolge vergangener Tage anknüpfen können.

Es werden also voraussichtlich nicht die Deutschen sein, die die Totenstille aus Roland Garros vertreiben, sondern die üblichen Verdächtigen.

(Text: Patrick Schmid)

 

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