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Ein Besuch auf dem Biohof Hausmann

Interview mit Daniel Hausmann

Daniel ist seit der Schulzeit ein Freund und als ich hörte, dass er aus dem Hof seiner Eltern einen Biohof gemacht hatte, war mein Interesse natĂŒrlich gleich geweckt. So ein Projekt in unserem sehr traditionellen Teil Sachsens musste ich mir natĂŒrlich anschauen.

Auf 20ha betreibt Daniel seit 2015 seinen Biohof Hausmann. Das GelÀnde gehörte seiner Familie und wurde von seinem Vater auf traditionelle Art betrieben. Wir treffen uns in seinem Hofladen, dem ehemaligen Kuhstall. Dort verkauft er seine eigenen Erzeugnisse, aber auch Produkte seiner Partner wie der Veganz, die im nahen Leipzig einen Laden betreibt.

Biohof Collage

backview.eu: Wann kam dir die Idee den Hof deiner Eltern umzugestalten?

Daniel Hausmann: WĂ€hrend des Studiums in Eberswalde musste ich am Wochenende immer nach Hause fahren um den Hof zu betreiben. KĂŒhe und Schweine sind viel Arbeit und irgendwann wurde es einfach zu viel. Außerdem interessierte ich mich immer mehr fĂŒr Themen wie Veganismus und Bio und da macht die Haltung von Tieren ab einem bestimmten Punkt keinen Sinn mehr.

Wie lange dauert es einen Hof umzustellen?

Es ist eine Umstellungszeit von zwei Jahren – alles was 24 Monate nach der Anmeldung als Biohof geerntet wird, kann auch als Bioware verkauft werden. Ein Opfer dieser Frist: Die Kartoffeln. Die gelten als Umstellungsware, da sie 14 Tage vor der Anmeldung gepflanzt wurden.  Das muss man dann leider kennzeichnen.

BiohofDein Biohof war ja ein Familienunternehmen. Wer hilft dir heute?

Die meiste Arbeit wird von meiner Mutter und mir erledigt. Ich suche Praktikanten gegen Kost und Logis, aber wirkliches Interesse ist schwer zu finden. Oftmals sagen Menschen kurz vorher ab oder sind von den tatsĂ€chlichen Arbeiten auf einem Hof  desillusioniert. Ein ehemaliger Praktikant fand es nicht gut, dass ich ihm natĂŒrlich auch Arbeiten wie Unkraut jĂ€ten oder umgraben geben musste. Doch Freunde und Bekannte helfen öfter aus und kommen zum Beispiel fĂŒr ein Wochenende um ein bisschen mit anzupacken.

Bauern sind von der Natur abhĂ€ngig. SchĂ€dlingsbefall wird schnell zum großen Problem. Aber auch DĂŒnger ist immens wichtig fĂŒr den Anbau. Konventionelle Betriebe können das mit Hilfe von Chemie oder Gentechnik lösen. Wie machst du das?

Der Ökolandbau versucht langfristiger zu denken. Und damit Probleme wie SchĂ€dlingsbefall im Voraus zu verhindern. Auf Bauernhöfen wie meinem wird meist in Mischkulturen angebaut. Die Monokulturen der konventionellen Höfe sind meist die Ursache fĂŒr ein Übermaß von SchĂ€dlingen. Und dann kommt noch das schöne Wort BiodiversitĂ€t auf. Denn es gibt immer Schadinsekten, aber auch ihre Gegenspieler. Über dieses WechselverhĂ€ltnis muss man Bescheid wissen und dann kann man auch ohne Chemie etwas tun. Und auch DĂŒnger ist kein Problem. Normalerweise werden dafĂŒr stickstoffhaltige Verbindungen verwendet, aber die sind schlecht fĂŒr das Gleichgewicht des Bodens. Und auch die Verwendung von Phosphat in konventionellen DĂŒngemitteln ist mittlerweile ein großes Problem geworden, denn da steuern wir auf eine Knappheit zu. Bei mir wird DĂŒnger stattdessen einfach aus meinen eigenen Pflanzen hergestellt, die mit Bakterien aus der Luft reagieren. Zurzeit nutze ich ganz normalen Kompost, der aber wegen des stĂ€ndigen Wendens sehr zeitintensiv ist. Mulch wĂŒrde weniger Arbeit bedeuten, verursacht aber mehr Ammoniak als nötig.

FĂŒr andere Biobauern können die Richtlinien oft zum Strick werden. Wie ist das fĂŒr dich?

In gewissen Aspekten empfinde ich die Richtlinien sogar als zu lasch. Zum Beispiel könnte ich GĂŒlle aus einem konventionellen Betrieb als DĂŒnger verwenden. Da ist dann mein Gewissen gefragt. Das Problem ist natĂŒrlich, dass man Biolandbau fĂŒr kleine und große Betriebe möglich machen muss. Ich bin mit meinem Hof deswegen im Verbund GĂ€a. Dort sind zu 95% Höfe aus Sachsen Mitglied und man engagiert sich politisch besonders auf regionaler Ebene.

Das Studium war dir sicher auch eine große Hilfe. Arbeitest du weiter mit der Hochschule fĂŒr Nachhaltig Entwicklung in Eberwalde zusammen?

Ja, gerade war eine Exkursionsgruppe der HNE da. Sie hat sich den Hof angesehen und sich ĂŒber meine Arbeit informiert. Auch mit der Uni Halle habe ich ein wenig Kontakt. Ein Student nutzt Daten meines Hofes fĂŒr seine Masterarbeit.

Mit welchen Firmen arbeitest du sonst zusammen? Leipzig als nahe Großstadt mit viel alternativen Einwohnern ist bestimmt ein perfekter Absatzort fĂŒr Biolebensmittel.

Ich arbeite mit dem Supermarkt Veganz, dem Imbiss Vleischerei und dem Restaurant Symbiose zusammen, an die ich Lebensmittel verkaufe. Außerdem gibt es seit neuestem eine Abobox fĂŒr Lebensmittel, die ich jeden Freitag in Leipzig ausliefere. Auch ein regional ausgerichtetes Restaurant in Chemnitz hat Interesse an meinen Produkten, aber die legen sehr viel Wert auf das perfekte Aussehen der Ware und das kann ich nicht immer liefern.

Die Menschen hier sind eher konservativer was ihr Essen angeht, das kenne ich aus eigener Erfahrung.  Wie ist die Reaktion aus der nĂ€heren Umgebung? Du veranstaltest regelmĂ€ĂŸig HoffĂŒhrungen und es gibt auch einen Hofladen. Werden diese gut besucht?

Die Resonanz aus dem Ort ist eher verhalten. Aber dafĂŒr kommen öfter Leute von weiter außerhalb. Die GemĂŒsekisten sind in Leipzig sehr beliebt. Im Hofladen verkaufe ich auch Produkte aus der Veganz. Vielleicht werden sie eine Art „EinkĂ€ufermagnet“ fĂŒr interessierte Leute aus der Umgebung.

Als letzte Frage möchte ich natĂŒrlich noch wissen was deine PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft sind?

Kurzfristig gesehen ist noch immer viel zu tun. Dieses Jahr haben wir den Folientunnel und eine KĂŒhlzelle angelegt. NĂ€chstes Jahr ist dann hoffentlich Geld fĂŒr ein BewĂ€sserungssystem da. Der Sommer war dieses Jahr sehr wechselhaft und wir haben GemĂŒse, wie zum Beispiel Salat, in SchĂŒben bekommen. Aber wenn der Salat von einem Monat in wenigen Tagen reif ist, weiß man nicht gleich wohin damit. Langfristig gesehen will ich meinen Betrieb klein und regional halten. Ich will nicht Chef „spielen“, denn ich mag es die Arbeit selbst zu erledigen und draußen zu sein. Mir ist es wichtiger eine feste Kundschaft zu haben und vor allem Themen wie Biolandbau und Veganismus den Leuten nĂ€her zu bringen.
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