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Berichte aus dem Krisengebiet

Über „Embedded Journalists“

Eine lange staubige Straße irgendwo in Afghanistan. Vom weitem sieht man schon ein kleines Dorf, am Horizont verschwimmt eine grau-braune Bergkette mit einem grau-blauem Himmel. Es ist heiß, irgendwo hört man einen Helikopter. Eine Kolonne gepanzerter GelĂ€ndewagen in hellen Tarnfarben fĂ€hrt vorbei und zieht eine lange Staubwolke hinter sich her. In ihr sitzen US-amerikanische Soldaten, die den Auftrag haben, in dem Dorf einen Kontrollpunkt aufzubauen, um den Schmuggel von Drogen und Waffen zu verhindern. Mit dabei: der „Embed“, ein Journalist, der unter Inkaufnahme hoher Strapazen und Risiken fĂŒr die eigene Gesundheit von ganz vorne berichten möchte.

Das am nĂ€chsten liegende deutsche Wort fĂŒr „Embed“ oder „Embedded Journalist“ wĂ€re wohl „Kriegsberichterstatter“, zu denen auch berĂŒhmte Personen wie Ernest Hemingway und auch der junge Winston Churchill gehörten. Ein  „Embed“ dieser Tage ist Sören SĂŒnkler, dem back view einige Fragen stellen konnte. Der erfahrene Autor schreibt seit sieben Jahren schwerpunktmĂ€ĂŸig ĂŒber militĂ€rische Themen und war bereits in Krisengebieten in Afrika, im Irak, Kosovo, Israel und natĂŒrlich Afghanistan. Hierbei konnte er Erfahrungen mit US-amerikanischen, britischen, italienischen und auch deutschen Soldaten sammeln.

SelbstverstĂ€ndlich birgt es große Risiken, als Reporter „mitten drin, statt nur dabei“ zu sein
Tragische BerĂŒhmtheit erlangte diesbezĂŒglich der deutsche Focus-Korrespondent Christian Liebig. Er begleitete alliierte Truppen bei ihrem Angriff auf den Irak im Jahre 2003 und verlor dabei sein Leben. Doch um in Gefahr zu geraten, muss man nicht unbedingt eine Patrouille begleiten oder einem Gefecht beiwohnen.
Selbst in einem paramilitĂ€risch gesicherten GĂ€stehaus kann es brenzlig werden. NĂ€mlich dann, wenn es mitten in Kandahar liegt, 800 Meter weiter eine Polizeistation angegriffen wird, und die Situation zu eskalieren droht, berichtet Guido Schmidt, ein Kollege von Sören SĂŒnkler. Auf die Frage, ob er selbst schon in Gefahr geraten sei, antwortet SĂŒnkler ausweichend: So etwas könne „schon mal passieren“, das sei jedoch nicht seine ausschlaggebende Eigenmotivation.

„Embedded Journalists“ werden oft dafĂŒr kritisiert, dass sich nicht objektiv berichten
Nach Meinung der Kritiker wanderten sie schließlich auf einem schmalen Grat, weil sie wieder eingeladen werden möchten. Dies hĂ€lt er jedoch fĂŒr unangemessen, viele Redaktionen wĂŒrden davon zu viel erwarten. GrundsĂ€tzlich sehe man als „Embed“ nur die Froschperspektive des einfachen Soldaten. Wer jedoch „die Angst, den Dreck, den Frust und Schlafmangel des einfachen Soldaten lange geteilt“ habe, verstehe die Lage vor Ort besser.
Und dann lĂ€ge es am jedem selbst, „wie sehr er sich davon beeindrucken“ lasse, und „wie viel professionelle Distanz er zum Thema“ behalte. Zudem könne und dĂŒrfe „relativ frei“ berichtet werden, solange die sicherheitsrelevanten „Ground Rules“ beachtet wĂŒrden, die man vorher unterschrieben habe.

Neben der Arbeit fĂŒr mehrere internationale und deutsche MilitĂ€rfachzeitschriften berichtete SĂŒnkler auch fĂŒr N24 aus Bagdad. Nach der Veröffentlichung zweier BĂŒcher ĂŒber SpezialverbĂ€nde der Bundeswehr und Spezialeinheiten Europas investiert er seine Erfahrung nun in ein eigenes Zeitschriften-Projekt. Seit diesem Monat ist die erste Ausgabe seines Fachmagazins „Kommando“ ĂŒber die „Welt der modernen Elite- und Spezialeinheiten“ von Polizei und MilitĂ€r. ErwĂ€hnenswert ist sicherlich die hohe QualitĂ€t der Bilder, die hauptsĂ€chlich vom Chefredakteur selbst stammen.

Sein Weg zum Autor und „Embed“ verlief ĂŒber Umwege, und sicherlich ist das kein Weg, den man ĂŒber Praktika oder Volontariate bestreiten kann. Zum einen gab es vor allem nach dem neunten September 2001 einen großen Nachholbedarf an militĂ€rischen Fachthemen, und zum anderen war es einfach leid, dass es keine guten Publikationen in diesem Bereich gab. Auch nicht schlecht.

(Text: Martin Böcker)
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