Benazir Bhutto bei Anschlag ums Leben gekommen

Nach ersten Meldungen ist die pakistanische Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto heute durch ein Attentat ums Leben gekommen. Je nach Quelle wird gemeldet, dass ein Attentäter zwei bis fünf Schüsse abgegeben hat, von denen einer Benazir Bhutto in den Kopf traf. Kurz darauf sprengte sich der Attentäter selbst in die Luft, wobei nach unterschiedlichen Angaben zwischen zehn und 20 Menschen ums Leben kamen. Augenzeugen berichteten von „mehreren Toten“, die auf der Straße lagen. Bhutto konnte noch ins Krankenhaus eingeliefert werden, wo sie kurz darauf ihr Tod festgestellt wurde.
[divide]

In Pakistan kam es daraufhin zu heftigen Reaktionen
In Bhuttos Heimatregion kam es zu Unruhen, verfügbare Bilder zeigen chaotische Zustände am Tatort und Menschen in heftiger Trauer. Weiterhin gebe es laut Polizeisprecher fast überall Krawalle. Es kam vereinzelt zu Plünderungen, Auto- und Schaufensterscheiben wurden eingeschmissen und Anhänger Bhuttos Partei skandieren unter anderem vor dem Krankenhaus, in dem Bhuttos Tod festgestellt wurde, lautstark Parolen gegen Pervez Musharaff.
Dieser bezeichnete die Tat als „einen terroristischen Akt“, er hat eine Krisensitzung einberufen und es wird nicht ausgeschlossen, dass der Ausnahmezustand erneut ausgerufen wird. Musharaff selbst wurde vom Oppositionspolitiker Nawaz Sharif zum Rücktritt aufgefordert, dieser forderte weiterhin den Boykott der für den achten Januar anstehenden Wahl. Internationale Politiker zeigen sich unisono erschüttert und verurteilen die Tat auf das Schärfste.

Die für den achten Januar geplanten Wahlen dürften, sollten sie denn stattfinden, zur Farce werden. Die Gefahr, dass das Land im Chaos versinkt,ist groß. Ein Großteil der Internet-Nachrichten widersprechen sich in Details, CNN hat ein Sondersendung eingerichtet und insgesamt ist auch die Nachrichtenlage chaotisch.Vereinzelt werden schon Mutmaßungen über die Hintergründe der Tat geäußert, die jetzt schon verschwörungstheoretischen Charakter haben.

Kurzbiografie zu Benazir Bhutto
Am frühen Abend des 27. Dezember 2007 wurde die Ermordung Benazir Bhuttos in der Garnisonsstadt Rawalpindi gemeldet. In den Vorwochen wurde sie in den außenpolitischen Schlagzeilen hauptsächlich durch ihre Rückkehr aus dem Exil in ihre Heimat Pakistan, ihren Wahlkampf um den Posten der Premierministerin und den missglückten Anschlag auf ihre Person am 18. Oktober 2007 bekannt. Doch wer war diese Frau? Aus welchem Hause kam sie? Wie wurde sie ausgebildet? Wie sah ihre Laufbahn aus?

Wohlhabende Eltern, hervorragende Ausbildung
Nach ihrer Geburt am 21. Juni 1953 in Rawalpindi und ihren ersten Kinderjahren wurde sie schulisch  von ihren wohlhabenden, gebildeten und politisch aktiven Eltern intensiv gefördert. Sie wurde auf Privatschulen geschickt, um sowohl in Oxford (England), als auch in Harvard (USA) zu studieren. Hier zeigte sie in ihrem Studium der Politik und der Geschichte gute Leistungen und erlangte zum Beispiel als erste ausländische Vorgesetzte des „Debattierclubs“ in Oxford einige Bekanntheit. Der äußerst gut aussehende jungen Benazir Bhutto wurden zwar Arroganz, aber auch Intelligenz und Eloquenz nachgesagt.

Erste politische Erfahrungen in der UNO
Zeitgleich gelang ihrem Vater -Zulfikar Ali Bhutto- der politische Aufstieg. Nach einer ordentlichen politischen Laufbahn reiste er 1971 als Außenminister nach New York zur UNO, um dort über die Unabhängigkeitsbestrebungen des heutigen Bangladeshs von Pakistan zu verhandeln. Um ihn zu unterstützen, verließ die 19-jährige Benazir Harvard, um ihren Vater in New York zu unterstützen.
Als er jedoch später Staatspräsident und dann Premierminister wurde, wurde er jedoch 1977 durch einen Putsch abgesetzt und 1979 hingerichtet. Treibende Kraft des Putsches und der Hinrichtung war der damalige Militärchef Ziu el Haq, dessen Anhänger sie auch für das Attentat auf ihre Person am 18. Oktober 2007 für verantwortlich hielt.

Wiederaufbau ihrer Partei aus dem Exil
Nach der Hinrichtung ihres Vaters wurde sie bis 1984 unter Hausarrest gestellt und durfte erst dann das Land verlassen. Aus dem Exil in England baute sie die „Pakistan People’s Party“ wieder auf und wurde nach dem Tod Ziu el Haqs 1988 in einer freien Wahl zur Regierungschefin bestimmt. Dieses war ein außerordentlicher Vorgang, da sie die erste Frau in einem islamischen Staat war, die einen Posten dieser hohen Bedeutung bekleidete.

Ihre politische Laufbahn glich einer Achterbahn
In den folgenden Jahren wurde ihr mehrfach Korruption und Machtmissbrauch vorgeworfen. Sie führten jedoch dazu, dass sie wiederholt ihres Amtes enthoben wurde, obwohl sie auch wiederholt in freien Wahlen wiedergewählt wurde. 1997 erlitt sie und ihre PPP eine entscheidende Wahlniederlage gegen Nawaz Sharif und seine „Pakistan Muslim League“ und wurde 1999 offiziell der Korruption für schuldig gesprochen. Dieses Urteil nahm sie im Exil zur Kenntnis, wo sie bis zu ihrer Rückkehr 2007 in England, Dubai und den Vereinigten Arabischen Emiraten lebte.

Die „Unvergleichliche“
Übersetzt bedeutet ihr Vorname die „Unvergleichliche“, was wohl richtungsweisend für ihr Leben war, denn es ist tatsächlich schwer, sie zu vergleichen. 1987 heiratete sie den Politiker Asif Ali Zardari, mit dem sie drei Kinder bekam, im Exil kümmerte sie sich um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter.
Während die einen in ihr die Hoffnung auf ein stabiles und demokratisches Pakistan sahen, empfanden sie andere als machtbesessene Bedrohung. Die „Unvergleichliche“ hat die Menschen polarisiert, aus westlicher Sicht galt sie jedoch eher als Hoffnung auf ein stabiles Pakistan. Fest steht nur, dass ihr gewaltsamer Tod schlimme Folgen für ihr Land haben wird, die weder zeitlich noch in ihrem Ausmaß absehbar sind.

(Text: Martin Böcker)

Schreibe einen Kommentar