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Zwischen Überlebenskampf und Klamauk

Medialer Abschied vom Jahr 2013

Es war kein rosiges Jahr für die Medienbranche. Auch 2013 musste die Medienlandschaft einige herbe Verluste beklagen. Einige TV-Moderatoren erheiterten uns hingegen und festigten ihr Fernsehregiment. Ein Rückblick.

Das Medienjahr begann mit der Fortführung des Topthemas aus 2012: Der Insolvenz der Frankfurter Rundschau (FR). Ende Januar wurde bekannt, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Frankfurter Societät die FR übernehmen wollen. Diesem Antrag gab das Bundeskartellamt statt. Die FR war gerettet, allerdings verbunden mit enormen Stellenstreichungen. Seit dem 1. März 2013 wird die Zeitung nun von einer GmbH, deren Gesellschafter die Frankfurter Societät GmbH, die FAZ und die Karl Gerold-Stiftung sind, herausgegeben.(Foto: Jona Hoelderle, www.jugendfotos.de)

Mit Insolvenz hatte auch die Nachrichtenagentur dapd zu kämpfen – und verlor. Die erst 2010 gegründete Nachrichtenagentur mit Sitz in Berlin stellte im März 2013 ihren zweiten Insolvenzantrag. Bereits im April war dann Schluss – und die Agentur wurde eingestellt.

Akkreditierungschaos verzögert NSU-Prozess
Ebenfalls im März bewegte die Akkreditierung von Journalisten zum NSU-Prozess die Gemüter. Für die Berichtserstattung aus dem Gerichtssaal waren keine festen Plätze für türkische und griechische Journalisten reserviert. Stattdessen gab es ein Losverfahren, in dem große Zeitungen und Sender leer ausgingen, während kleinere Blätter einen Platz bekamen.

Große mediale Aufmerksamkeit und einigen Spott gab es zur Nachricht, dass die Zeitschrift „Brigitte“ einen Akkreditierungsplatz erhalten habe – im Gegensatz zu FAZ, Zeit, Welt, taz und Co. Das Bundesverfassungsgericht gab der Forderung nach einem erneuten Akkreditierungsverfahren schließlich statt. Das zweite Auswahlverfahren sollte gerechter sein: Verschiedene Kontingente – für Nachrichtenagenturen, sowie Medien getrennt nach Sitz im In- und Ausland, sollten für eine fairere Verteilung sorgen. Durch das Akkreditierungschaos wurde der Prozessbeginn verschoben und das Verfahren begann erst im Mai.

Bäumchen wechsle dich bei Unternehmen und Personal
Auch einige große personelle Wechsel hielt das Jahr bereit: Im April trennte sich der „Spiegel“ von seinen Chefredakteuren Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron. Der Grund seien Medienberichten zufolge„ unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Ausrichtung“ des Nachrichtenmagazins gewesen. Im September übernahm Wolfgang Büchner die Chefredaktion des Spiegels sowieso von Spiegel Online. Beim Nachrichtensender n-tv trennt man sich ebenfalls von Chefredakteur Volker Wasmuth. Sein Nachfolger wurde der Geschäftsführer Hans Demmel.

Nicht nur bei den Personalien gab es einige Wechsel, auch Unternehmen wechselten ihre Besitzer: Im Mai übernahm der Konzern Yahoo den Blogdienst Tumblr – für rund 1,1 Milliarden Dollar. Im Dezember kaufte der Springer-Konzern den Nachrichtensender N24 und baute so sein Medienimperium weiter aus.

TV-Spaßvögel des Jahres
Für die heiterere Seite des Medienjahres sorgt vor allem die junge Riege der TV-Moderatoren. 2013 kann man wohl als das Jahr für “Joko und Klaas” bezeichnen. Das Moderatorenduo Joachim „Joko“ Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf startete im Februar mit seiner neuen Sendung “Circus Halligalli”. Damit knüpfen sie an die Vorgänger M(Foto: Nils Gaudlitz, www.jugendfotos.de)TV Home und neoParadise auf zdfneo an.

Neben dem beliebten Olli Schulz – als Charles Schulzkowski – fanden auch wieder Palina Rojinski und die schrullige Oma Violetta in der Sendung Platz. Bands in Schränken, Interviews nach Schnapskonsum und Aktionen wie “Rangeln – Mehr als eine Bewegung” sind nur wenige der Verrücktheiten, die die Show vor allem beim jungen Publikum ähnlich beliebt machten wie seine Vorgänger. Die Kritiken waren durchwachsen, die von neoParadise übernommenen Elemente wurden weiterhin geschätzt, oftmals wurden der Witz und die Kuriosität der Sendung gelobt. Trotz des Wechsels zum Privatsender schien das der Show Eigene, abseits des Mainstreams, erhalten geblieben zu sein. Die Sendung gewann den Deutsche Comedypreis 2013 als beste Comedyshow.

Neue und alte Showmaster auf Bewährungsprobe
Zurück auf dem Fernsehbildschirm erschien auch Jan Böhmermann. Nach seinem Abschied von der Talkshow “Roche und Böhmermann” zusammen mit Charlotte Roche stellte er sich ganz allein und ohne die “Bumsbuchtante” dem ZDF-Publikum in einer neuen Show.  Auf ZDFneo ging im Oktober Jan Böhmermanns „Neo Magazin“ auf Sendung, eine saitirsche Latenight-Show, durch die Böhmermann nun allein führt.

Die ersten Kritiken zur Sendung waren ebenfalls durchwachsen. Der Sendung wurde mangelnde Satire, stattdessen übertriebene Albernheit unterstellt. Mutig und unterhaltsam scheint es doch zu sein, was Böhmermann tut. Einigkeit scheint darin zu bestehen, dass er eine Nische besetzt, in der er sich vollständig austobt. Aktionen wie „Prism is a Dancer“, in der Besucher aus dem Publikum mit ihrem “”Netzabdruck”, recherchierten peinlichen Details aus ihrer Internetvergangenheit konfrontiert werden, beweisen allerdings, dass Böhmermann den Kern des Interesses seiner Zielgruppe trifft. Während die TV-Quote schwächelt, sind die Abrufe in der ZDF-Mediathek sehr erfolgreich.

Weniger gut lief es für Markus Lanz als neuem “Wetten dass..?”-Moderator. Lanz, der die Show-Moderation im Oktober 2012 von Thomas Gottschalk übernommen hatte, sah sich in diesem Jahr zunehmend herber Kritik entgegengestellt. Ungeeignet, zu langweilig, peinlich – das waren die Vorwürfe gegen den Samstagabendunterhalter. Die Kritik schlägt sich zeigt sich vor allem auch in den Sozialen Medien während und nach den Sendungen. Viele Twitter-Nutzer protokollieren ihre Einschätzung der peinlichen Gags und unmöglichen Sprüche in Echtzeit. Einige Neuerungen gab es nach der Sommerpause der Sendung. Ob die auch die Kritiker in Medien- und Zuschauerkreisen besänftigen könne, bleibt wohl abzuwarten.

(Text: Julia Radgen, Fotos: Jona Hölderle und Nils Gaudlitz, www.jugendfotos.de)

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Über den Autor

Julia Radgen
Ressortleiterin Gesellschaft

Julia Radgen lebt in Mainz und schreibt am liebsten über Kultur- und Gesellschaftsthemen - und interessante Menschen. Sie ist Social Media-süchtig und verzichtet nur freiwillig auf Internet und Handy, wenn sie zu einem Festival fährt. Wenn sie groß ist, will Julia mal Journalistin werden.

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