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Zu Fuß quer durch Afrika

Frankreichs Kinoecke: „Africa United“

„Africa United“ erzählt die Geschichte einer Reise durch Afrika, eines Fußball-Erfolgs, aber vor allem die Geschichte einer Freundschaft, die im wahrsten Sinne des Wortes alle Grenzen überwindet und nebenbei Probleme wie AIDS und Prostitution thematisiert.

Ruanda, 2010: Fabrice, Fußball-Jonglierkönig seines Dorfes, wird von einem Talentscout entdeckt und soll an einem Auswahlspiel im Nachbardorf teilnehmen. In Gedanken ist er schon Teil des Teams „Africa United“, einer gemischt-afrikanischen Mannschaft aus Jugendlichen, die die WM 2010 eröffnen darf.Fabrices Mutter ist außer sich, als sie von dem Projekt ihres Sohnes erfährt. Wenn es nach ihr ginge, sollte der Junge lieber die Schulbank drücken als seine Freizeit diesem schrecklichen runden Ding zu widmen. Um seinen großen Traum dennoch zu verwirklichen, macht sich Fabrice kurzerhand heimlich aus dem Staub. Immer an seiner Seite ist sein selbsternannter „Manager“ und treuer Freund Dudu (dessen nicht vorhandene Rechenkünste die Jugendlichen mehr als einmal in die Bredouille bringen) und dessen Schwester Beatrice. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als eines Tages zur Schule gehen zu dürfen.

Doch dann steigen die drei in den falschen Bus und landen statt bei dem Auswahlspiel im Kongo. Von diesem ersten Misserfolg lässt sich Fabrice jedoch nicht entmutigen: Er setzt sich in den Kopf, nach Südafrika zu reisen, um rechtzeitig zur WM im Stadion zu stehen. Die drei haben kein Auto, keine Papiere und kein Geld. Und so machen sie sich zu Fuß auf den Weg nach Johannesburg, quer durch sieben afrikanische Länder.

Das temporeiche Roadmovie scheut keine Tabuthemen: so gesellen sich ganz nebenbei ein ehemaliger Kindersoldat und eine minderjährige Prostituierte zu dem Trio, und auch das Thema AIDS wird nicht beschönigt. „Africa United“ wird dadurch jedoch nicht zu schwerer Kost, im Gegenteil. Der Film meistert den Spagat zwischen Problematik und unterhaltsamem Kinderfilm dank der wandlungsfähigen und spielfreudigen Hauptdarsteller. Der afrikanisch inspirierte Soundtrack bringt zusätzlichen Schwung auf die Leinwand.

Auch optisch enttäuscht „Africa United“ dank einer „Geschichte in der Geschichte“ nicht. Um seine Freunde auf der langen Reise aufzuheitern, beginnt Dudu, eine „andere Schöpfungsgeschichte“ zu erzählen: Zu Anfang war ganz Afrika ein einziges Fußballfeld und alle Spieler waren glücklich. Doch dann kam das Böse in Form fieser Stacheln auf die Welt und brachte alle Fußbälle zum Platzen. Also beauftragte Gott drei Jugendliche mit der Herstellung eines unzerstörbaren „Super-Fußballes“. Dieses Märchen ist liebevoll aus Pappfiguren getrickst und vermischt sich mit der Reise der drei Hauptfiguren.

Dem europäischen Zuschauer bietet „Africa United“ noch einen ganz besonderen Bonus: Nicht verkitscht aber doch von einer schönen Seite werden die vielfältigen Landschaften Afrikas präsentiert, ob dichter Urwald oder protziger Reichtum westlicher Immigranten.

Fazit: Ein Film für alle Kinder zwischen sechs und 99 Jahren. Ein bunter und fröhlicher Sehgenuss für Fußballfans und Afrikaliebhaber, der nebenbei auch noch gesellschaftliche Themen anschneidet. Sehenswert!

 

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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(Text: Anna Franz / Zeichnung: Christina Koormann)
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Über den Autor

Anna Franz
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