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Zeitreise in die 70er

Album-Kritik: „Out of the Game“ von Rufus Wainwright

Wenn selbst Produzent Mark Ronson verspricht, dass dieses Album das beste seiner Karriere sei, sind die Erwartungen entsprechend hoch. „Out of the Game“ kann diesem Anspruch zwar nicht ganz gerecht werden, geht jedoch mit charmantem 70er-Jahre-Flair einher.


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Zugegebenermaßen, „Out of the Game“ sprüht nicht gerade vor tanzbarer Melodien, Ohrwürmern oder Vielseitigkeit. Es lädt vielmehr über zwölf Songs hinweg dazu ein, träge mit dem Kopf zu nicken und langsam gegen die Müdigkeit anzukämpfen.Einige wenige Lieder brechen mit dieser Regel. „Welcome to the Ball“ bringt im Background-Gesang spannende Abwechslung ein. „Bitter Tears“ klingt dank Mark Ronson am Bass und dem Einsatz von Synthesizern nach 80er-Jahre-Electro. Eine kleine Besonderheit auf Wainwrights Album sind zudem „Rashida“ und „Jericho“.

rufus_text1Die Single „Out of the Game“ setzt sich mit einem umso interessanteren Thema auseinander. „Die Idee zu dem Song kam mir, als ich sah, was Kids sich heute antun, um Aufmerksamkeit zu erregen“, erläutert der Musiker. „Es führt dazu, dass sie jeden Blödsinn auf YouTube hochladen. Als ich meine Karriere begann, machte ich auch jede Menge Firlefanz, aber es ging mir dabei letztendlich um die Musik. Je älter ich werde, desto anstrenger wird das ganze Konzept, sich ein Image zu kreieren.“ In den ersten beiden Strophen beklage er sich, aber in der dritten Strophe mische sich darunter auch etwas Neid. „Ich wäre gerne wieder in diesem Alter und genauso albern.“
Doch Wainwright will längst nicht selbstdarstellend à la Lady Gaga agieren, sondern macht auf seinen Alben ernsthafte Musik mit Hintergrund, so auch in dem letzten Stück „Candles“, das er für seine 2010 verstorbene Mutter, die Sängerin Kate McGariggle, schrieb. Passend dazu singen sein Vater, Loudon Wainwright III, seine Tante Sloan Wainwright sowie seine Schwester Martha im Background-Gesang.

rufus_text2All die folkigen Melodien mit ihrem soulig-gospeligen Background-Gesang passen in das Bild des Gesamtkonzepts Rufus Wainwright. Und auch die trägen Rhythmen sind zu verschmerzen, hält man sich vor Augen, dass „Out of the Game“ mit einem „70er-Jahre-Laurel-Canyon-Spirit“ einhergeht. Denn wenngleich das Album in New York aufgenommen wurde, ist es angelehnt an die Musik der Bewohner des Laurel Canyons, einer Region Los Angeles‘: Elton John, Freddie Mercury und David Bowie.

„Out of the Game“ ist der perfekte Soundtrack für jeden Heimatfilm oder Schwarz-Weiß-Streifen. Es steht für zielloses Umherstreifen und idyllisches Beieinandersein am Lagerfeuer. Wer auf der Suche nach der fetzigen Hintergrundmusik für die nächste Party ist, ist hier falsch. Doch für eine Zeitreise in die 70er kommt dieses Album gerade recht.

(Text: Ronja Heintzsch / Fotos: Add On Music)


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Über den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren üben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gründe, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schließlich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Affären in dieser Welt.

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