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Wo sind die Maldinis?

Deutschland braucht den italienischen Flair in der Bundesliga

Paolo Maldini ist ein gestandener Mann von 39 Jahren. Dass er in diesem biblischen Alter noch in Italiens erster Profiliga spielt, ist schon erstaunlich genug. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass er seit nunmehr 29 Jahren für ein und denselben Verein die Fußballschuhe schnürt – den AC Mailand. Deshalb huldigen die Anhänger des italienischen Traditionsvereins dem Spieler mit der Rückennummer 3 über alle Maße. In der Bundesliga sind Typen vom Format eines Paolo Maldini Mangelware.

Statt Vereinstreue und Identifikation mit dem Arbeitgeber regiert Söldnertum den Bundesligaalltag. Bei einem besseren Angebot ist ein Spieler schneller weg, als die Tinte auf seinem Vertrag getrocknet ist. Daran ist soweit nichts verwerflich, denn niemand kann es den Profis verübeln, dass sie für mehr Gehalt woanders kicken. Übel stößt allerdings die Art und Weise der Wechsel auf.

Mohamed Zidan legte vor laufenden Fernsehkameras einen rührenden Treueschwur an den FSV Mainz 05 und sein Umfeld ab. Ein Lippenbekenntnis! Kaum lockte der Hamburger SV mit einem besseren Vertragsangebot und der Aussicht, weiterhin in der ersten Liga spielen zu können, wechselte der Stürmer kommentarlos an die Elbe.

Während Jermaine Jones eine Verletzung auskurierte, kamen in Frankfurt Gerüchte auf, der Frankfurter Bub habe bereits einen Vertrag bei einem anderen Verein unterschrieben. Jones reagierte auf die Gerüchte und verfasste im Eintracht Forum einen Beitrag, in welchem er beteuerte, dass die Eintracht sein erster Ansprechpartner sei und er noch keinen neuen Arbeitgeber habe. Der ehemalige Publikumsliebling wechselte dann in einer Nacht- und Nebelaktion zum FC Schalke. Der Titel seines Threads hieß übrigens „Nichts als die Wahrheit“.

Prominentestes Beispiel in jüngster Vergangenheit: Rafael van der Vaart. Der Holländer machte in Hamburg zunächst durch seine fußballerischen Fähigkeiten und seine hübsche Frau Sylvie von sich reden. Die Fans lagen ihm zu Füßen und der Mittelfeldregisseur vergaß in keinem Interview zu erwähnen, wie gut es ihm in Hamburg gefallen würde. Allerdings sagte er auch, dass es immer sein Traum gewesen sei, in Spanien zu spielen. Die Stimmung kippte, als tatsächlich eine Offerte aus Spanien kam. Der FC Valencia bot für die Dienste des Holländers stattliche 15 Millionen Euro, der HSV lehnte kategorisch ab. Nun wurde van der Vaart aktiv. Zunächst spielte er im der UEFA Cup Qualifikationsspiel gegen Honved Budapest auf Grund einer Rückenverletzung nicht mit.

Nicht nur böse Zungen behaupten, der Fußballer habe nur simuliert. Van der Vaart wäre bei einem Einsatz für den HSV international nicht mehr für Valencia spielberechtigt gewesen. Gipfel seiner Wechselabsichten war ein Foto in einer spanischen Sportgazette. Der Holländer posierte – wie immer lächelnd – mit einem Trikot seines Wunschvereins auf der Titelseite. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt. Hamburg blieb hart und van der Vaart musste zurückrudern.

Das Wechseltheater ist so alt wie die Bundesliga selbst, die Liste der Söldner lang. Heutzutage greifen die Profis jedoch zu weit in die Trickkiste. War es bei Zidan eine Lüge, bei Jones obendrein Hinhaltetaktik, so zeigt das Beispiel van der Vaart, dass ein Spieler einen Wechsel mit allen Mitteln forcieren möchte. Bei ihrem nächsten Torjubel sollten sie – und andere auch – weniger demonstrativ auf das Vereinswappen klopfen und es vor der Fankurve liebkosen. Solche Gesten sollten den Treuen vorbehalten sein, den Körberls, Seelers, Walters und Maldinis!

(Text: Matthias Hoffmann)
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