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Wo Abstiegssorgen keine sind

Werder Bremen steht auf Platz 14 – so richtig verstanden hat das noch keiner

Der Umgang wird rauer. Eigentlich kennt man Thomas Schaaf als eher ruhigen Trainer, inzwischen raunzt er nicht nur Medienvertreter, sondern auch seine Spieler an. Mikael Silvestre, Sandro Wagner und Marko Arnautovic haben es am Krisentag abbekommen. Schaafs BrĂŒllerei – ein Zeichen von Hilflosigkeit. Doch die ernste Lage bei Werder, nur zwei Punkte entfernt vom Relegationsplatz, ist in Bremen lĂ€ngst nicht allen klar.

Stell dir vor, es ist Abstiegskampf, und keiner merkt es. So Ă€hnlich ist die Lage nicht nur bei Werder Bremen, sondern in Bremen allgemein. Seit der ersten Niederlage der Krisenzeit, am 30.10.2010 gegen NĂŒrnberg, holte Werder gerade einmal zehn Punkte in 14 Spielen – bei einem desaströsen TorverhĂ€ltnis von 11 zu 27. Ergebnis: Tabellenplatz 14.
Das Problem: Werder steht noch immer nicht auf einem Abstiegs-, oder zumindest dem Relegationsplatz – weil auf die Kontrahenten aus Stuttgart (die immerhin schönen Fußball spielen), Wolfsburg (mit neuem Trainer), Kaiserslautern und Mönchengladbach Verlass ist. Das ist aber auch der Grund, dass keiner ĂŒber Abstieg redet – oder selbst wenn, es zumindest nicht so gemeint ist. Tim Wiese hat es einmal gesagt, aber außer ihm hat es offenbar noch keiner verstanden.

Noch steht da nicht Abstieg in der Tabelle hinter dem großen SV Werder Bremen, der in dieser Saison immerhin in der Champions League spielte. Deshalb ist die Gefahr noch nicht so groß, mag sich manch einer denken. Das ist die eigentliche Gefahr: Im Tabellenkeller liegen die Kontrahenten so nah beieinander, dass Werder bei fĂŒr den SV ungĂŒnstigen Ergebnissen innerhalb von zwei Spieltagen den Relegationsplatz direkt ĂŒberspringen und auf einem Abstiegsplatz landen kann. Möglich ist alles.

Aber dieses Szenario, das ist völlige Utopie. „Ach, Werder fĂ€ngt sich wieder“, „Die kriegen die Kurve noch“, „Als wĂŒrden wir absteigen“, hört man von den Fans. Sie stehen geschlossen hinter ihrer Mannschaft. WĂ€hrend auf Schalke Magaths RĂŒcktritt gefordert wird, die Fans in Stuttgart den Mannschaftsbus blockierten und Armin Veh beim HSV unter Druck steht, stehen die Fans an der Weser Spalier, wenn der Mannschaftsbus ins Stadion fĂ€hrt. Um den Zusammenhalt zu demonstrieren. Man kann ja nicht immer oben stehen, sagen sie, wir mĂŒssen auch zum Team halten, wenn es mal schlecht steht.

Wenn örtliche Medien Kritik an GeschĂ€ftsfĂŒhrer Klaus Allofs oder Trainer Thomas Schaaf Ă€ußern, hagelt es Kritik. Im Stadion sah man unlĂ€ngst ein Plakat, „Geht’s noch, WK? Schaaf bleibt!“ – eine Anspielung auf einen Artikel des Weser-Kuriers unter der Überschrift „Geht’s noch?“, indem es um Schaafs Zukunft ging. Kritik ist ungern gesehen in Bremen.

Dabei ist die Frage berechtigt, ob die Fans nicht mehr geben, als die Spieler. Wer in den vergangenen, sagen wir mal, zehn Partien den SVW hat spielen sehen, der sieht keine Mannschaft, die will. Die Kampfesgeist zeigt, Motivation, Leidenschaft. Jeder spielt fĂŒr sich – wenn ĂŒberhaupt. Aaron Hunt, stĂ€ndiger Buhmann in Bremen, lĂ€sst Schultern und Kopf schon nach dem Anpfiff hĂ€ngen, ganz so, als wolle er sagen: Wird ja eh nichts.

Tim Wiese, der KĂ€mpfer, lĂ€sst sich aus Frust zu Fouls hinreißen, die unfassbar sind, vor allem in der derzeitigen Situation. Die Folge: Drei Spiele Sperre – immerhin gibt es mit Sebastian Mielitz einen Ersatz, der in der gesamten Saison der zweitbeste Werderaner war.

Das restliche Feld ist das Problem: Die Abwehr versagt, es gibt zahlreiche Dauer-Verletzte. Abwehrsorgen hatte Werder schon in vielen Saisons, dann aber hat der Angriff Tore geschossen. Tore, die hat man in Bremen schon lÀnger nicht mehr gesehen. Der ToptorjÀger Hugo Almeida, immerhin mit neun Toren, wurde in der Winterpause verkauft. Die Hoffnungen lagen auf Claudio Pizarro, der ist aber dauerverletzt. WÀren noch Sandro Wagner, der in dieser Saison noch kein Tor geschossen hat, und Marko Arnautovic hat seit August nicht mehr getroffen. Magere drei Tore sind seine Ausbeute seit er bei den Norddeutschen spielt, zwei in der Bundesliga, eins in der Champions League.

Dass Werder ohne die Spielmacher Diego und seinen Quasi-Nachfolger Mesut Özil keine Champions-League-Mannschaft hat, ist nicht unbekannt. Die Klasse allerdings, die das Team um Trainer Schaaf verloren hat, lĂ€sst sich nicht allein mit dem Abgang Özils zu Real Madrid erklĂ€ren. Aaron Hunt hatte damals getönt, er könne Özil ersetzen – davon hat man in Bremen bislang noch nichts gesehen.

Moral, ja Moral mĂŒssten die GrĂŒn-Weißen jetzt beweisen. Elf Spieltage hat der SV noch Zeit, sich aus der Abstiegszone zu entfernen. DafĂŒr mĂŒssten sich allerdings alle Feldspieler steigern, und das nicht nur ein bisschen. Und Tore – ohne Tore kommt man da unten auch nicht raus.

(Text: Miriram Keilbach)
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Über den Autor

Miriam Keilbach
Redakteurin

Miriam war 2007 im GrĂŒndungsteam von backview.eu. Sie volontierte beim Weser-Kurier in Bremen und arbeitet seit 2012 als Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau. Ihre Themen: Menschen, Gesellschaft, Soziales, Skandinavien und Sport.

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