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Wieso ich meinen digitalen Fußabdruck ständig ignoriere

Kommentar über meine Sorglosigkeit im Netz

Manchmal will ich es mir selbst nicht eingestehen, wie gleichgültig es mir doch ist, dass ich mit jedem Klick im Internet Spuren hinterlasse. Spuren, die ich selbst nie wieder löschen kann und die Fremden ein erschreckend genaues Bild von mir geben.

Das Internet ist heute eine wahre Fundgrube für persönliche Daten. Und ich weiß auch, dass ich selbst einen sehr großen digitalen Fußabdruck im Netz hinterlasse. Ich bin mir sicher, dass einige Unternehmen durch mein Such- und Surfverhalten ein unglaublich genaues Online-Profil von mir erstellen können. Vielleicht existiert ein solches Profil auch schon lange auf irgendeinem geheimen Server. Wenn ich mir nur Google, Facebook oder Amazon betrachte, dann wissen die sicherlich mehr über mich, meine Wünsche und was mich bewegt, als viele meiner Freunde. Vielleicht ist mein digitales Profil ja sogar schärfer, als ich es je selbst beschreiben könnte.

Kommentar zum DatenschutzGrenzenlose Datenfreiheit für alle!

Ich bin mir zwar bewusst, dass ich mich im 21. Jahrhundert nicht mehr wirklich anonym durchs Internet bewegen kann. Wer es wirklich darauf anlegt und ein wenig technisches Know How mitbringt, wird meine Daten und Passwörter wohl schnell ausspionieren können.

Das Erschreckende daran ist für mich allerdings, dass mich diese Annahme gar nicht wirklich belastet. Selbstverständlich fühle ich mich in meiner persönlichen Freiheit beschnitten, wenn mich jemand ausspionieren oder private Fotos von meinem Rechner klauen und veröffentlichen würde. Dennoch surfe ich täglich unbeschwert durchs Netz und mache mir ehrlich gesagt keine Gedanken über die Konsequenzen.

Grundlos sorglos surfen!

Ich schiebe es weit weg, dass ich ständig mit meinem Google-Account angemeldet bin und dieses kleine fiese Unternehmen im Silicon Valley ohne großen Aufwand meine gesamten Bewegungen im Internet nachverfolgen kann. Ich schiebe es weit weg, dass Facebook all meine Vorlieben und Interessen kennt und sogar genauestens über meine engsten Freunde Bescheid weiß. ich schiebe all diese Bedenken einfach zur Seite – weit weg von mir und meiner Tastatur.  Und das gelingt mir erschreckend einfach.

Deshalb hat mich auch die NSA-Affäre kaum beunruhigt. Natürlich wäre es doch sehr naiv, zu glauben, dass die Geheimdienste sich nicht international vernetzen und so viele Daten wie möglich abgreifen wollen. Ich habe nie geglaubt, dass sich die Geheimdienste nur mit sich selbst beschäftigen und die moralischen aber auch gesetzlichen Grenzen einhalten. Dafür ist es noch viel zu verlockend, die grenzenlosen Möglichkeiten des Internets auszunutzen, um frühzeitig die Pläne seiner Feinde aber auch seiner Freunde zu kennen. Treu dem Motto “Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser”.

(Text: Konrad Welzel / Foto: “Mariesol Fumy” / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc) http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/deed.de)

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Über den Autor

Konrad Welzel
Gründer und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegründet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - dafür ist er viel zu neugierig!!!

Anzahl der Artikel : 155

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