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Wie ein altes Ehepaar

Hat Freundschaft eigentlich ein Ablaufdatum?

Beste Freunde ein Leben lang. Dieses ehrgeizige Ziel setzen sich noch viele Kinder, wenn es um ihre besten Freunde geht. Doch ist dies bei dem stetigen Wandel, dem das Leben unterworfen ist, überhaupt möglich? Häufig entfremden sich Freunde, ohne dass sie es beeinflussen können.

„Wir müssen unbedingt mal wieder was zusammen machen“. Wie oft hört man diesen Ausspruch, wenn sich alte Freunde nach langer Zeit wieder treffen. Mittlerweile ist eine solche Aussage aber, obwohl die beiden Gesprächspartner meist zustimmen, zur bedeutungslosen Floskel verkommen, denn das versprochene Treffen findet so gut wie nie statt.
Dabei war man früher doch ein Herz und eine Seele und hat gemeinsam so viele Dinge erlebt. Und heute hat niemand mehr Lust sich auch nur zu auf einen kurzen Kaffee zu treffen, ja man hat den anderen sogar fast vergessen.

Selbst, wenn sich das niemand gerne eingesteht, auch Freundschaft hat ein Ablaufdatum. Nur die wenigsten können von sich behaupten, sie hätten noch Kontakt zu ihren besten Freunden aus Kindertagen und das, obwohl man sich damals nichts sehnlicher gewünscht hatte, als für alle Zeiten befreundet zu bleiben.
Auch seine „Bros“ aus Jugendzeiten, mit denen man immer gemeinsam unterwegs war und, die damals wichtiger erschienen als alles andere, bleiben selten ein Leben lang erhalten. Doch wieso verliert man diesen Kontakt?

Die Distanz wird zu groß
In den seltensten Fällen enden Freundschaften, anders als Partnerschaften, mit einem großen Krach. Vielmehr erlöschen Freundschaften meist langsam und ohne, dass man es sofort bemerkt. Vieles kann die Routine der Freundschaft durchbrechen und man entfernt sich voneinander.

Ein häufiger Grund dafür ist ein Umzug, welcher schnell dazu führt, dass die räumliche Distanz zu groß wird, um eine Freundschaft aufrecht zu erhalten. Oft muss man wegen Beruf oder Studium aus seiner Heimatstadt wegziehen.
Den Kontakt zu seinen Freunden dort zu erhalten, erfordert viel Aufwand und Eigeninitiative. Beide müssen ein Interesse daran haben die Verbindung zu pflegen und sich regelmäßig zu melden. Letztlich gerät der andere immer mehr in Vergessenheit.

Lohnt sich die Freundschaft noch?
Doch selbst, wenn es gelingt, den Kontakt aufrecht zu erhalten, bleibt es trotzdem schwierig, die Freundschaft zu bewahren. Wie Entwicklungspsychologen feststellten, ist die Basis für das Interesse, sich weiter zu treffen, dass die Freundschaft als „belohnend“ wahrgenommen wird. Dabei reicht es oft schon aus, dass Meinungen und Einstellungen geteilt werden, um die Beziehung als positiv wahrzunehmen. Diese Gemeinsamkeiten zu erhalten, wird im Laufe der Zeit immer schwieriger, denn parallel wandelt sich auch der Freundeskreis. Diese neuen Bekanntschaften beeinflussen nun beide Freunde.

So verändern sich Angewohnheiten, Meinungen und Einstellungen und gemeinsame Interessen verschwimmen immer mehr. Ehe man sich versieht, sitzt man mit seinem ehemals besten Freund zusammen und merkt, dass man wie ein altes Ehepaar geworden ist. Die früheren gemeinsamen Interessen existieren nicht mehr, womit jegliche Gesprächsgrundlage fehlt. Letztlich schweigt man sich nur noch an oder redet aneinander vorbei.

Immer häufiger erwischt man sich jetzt dabei, auf die Uhr zu schauen und zu beten, dass das Treffen bald vorüber ist. Am Ende des Tages sind schließlich beide froh, wenn sie wieder getrennte Wege gehen und in ihren gewohnten Umgang zurückkehren können. Aus ehemals besten Freunden sind Fremde geworden.

Partnerschaft ein „Freundschaftskiller“?
Auch feste Partnerschaften können leicht zum „Freundschaftskiller“ werden. Häufig entwickelt sich der neue Partner zum Mittelpunkt des Lebens und bei Freunden meldet man sich nur noch zum Zeitvertreib oder aus Pflichtgefühl. Diese fühlen sich zwangsweise vernachlässigt und auf diese Weise geht der Bezug zum Freundeskreis immer mehr verloren.

Dabei folgt das böse Erwachen meist erst nach dem Ende der Beziehung. Es ist zudem schwierig, wenn der Partner sich nicht mit dem Freundeskreis versteht, da man dann beide Bezugspunkte voneinander trennen muss und einer von diesen zwangsweise auf der Strecke bleibt. Sind die Freunde erstmal vergeben, ist es problematisch die früher so geliebten „Mädels-„ oder „Männerabende“ noch zusammen zu verbringen.

Doch so traurig diese Entwicklung auch ist, gehört sie nun mal zum Leben. Wandel ist wichtig und der Mensch muss sich im Laufe der Zeit auch weiterentwickeln, um zu reifen. Es bedeutet dabei nicht, dass man, nachdem der Kontakt zu alten Freunden verloren gegangen ist, alleine bleibt. Vielmehr werden im Laufe der Zeit neue Freundschaften geknüpft, in denen man neue Erfahrungen sammelt, gemeinsame Interessen entdeckt und vieles zusammen erlebt.

Ernstgemeintes Wiederauffrischen
Außerdem besteht, auch wenn es schwierig ist, durchaus die Möglichkeit, Freundschaften aus Kinder- und Jugendzeiten zu erhalten. Gerade durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten des Internets, wie Skype oder die sozialen Netzwerke, wurde es viel leichter Kontakte über große Distanzen zu erhalten.
Eigentlich ist es umso amüsanter, wenn sich alte Freunde nach einer lange Zeit wieder sehen, denn man kann gemeinsam in den guten alten Zeiten schwelgen. Letztlich hat man selbst nur bedingt Einfluss darauf, ob Freundschaften erhalten bleiben. Man kann für diese kein festes Ablaufdatum vorhersehen, denn manche Freunde bleiben ein Leben lang, wohingegen andere nach kurzer Zeit verschwinden.

Zu guter Letzt ist und bleibt es ein Stück weit Glückssache, ob die engen Freundschaften von damals erhalten bleiben. Dabei gilt das Sprichwort des englischen Schriftstellers Samuel Butler „Freundschaft ist wie Geld, leichter gewonnen als erhalten“.

Fest steht, dass es sich lohnt um die alten Freunde zu kämpfen, da gerade sie einen meist am besten verstehen, da man sie lange kennt und mit ihnen auf eine Vielzahl wunderbarer gemeinsamer Erlebnisse zurückblicken kann. Deswegen sollte man die schnell daher gesagte Floskel „Wir müssen unbedingt mal wieder was zusammen machen“ einfach öfter mal ernst nehmen!

(Text: Maximilian Stenger)

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Über den Autor

Maximilian Stenger
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