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Wie das größte Volksfest der Welt entstand

Ein Rückblick auf die Entwicklung des Oktoberfestes

Millionen Menschen aus aller Welt besuchen auch in diesem Jahr das Münchner Oktoberfest. Dirndl, Lederhose, Bier und Musik – all das ist heute von der Wiesn nicht mehr wegzudenken. Doch das war nicht immer so: In den Anfangsjahren wurde auf dem Oktoberfest noch kein Bier verkauft und statt blinkender Fahrgeschäften zierten gescheckte Pferde den Festplatz.

Wir schreiben den 17. Oktober des Jahres 1810:  Zu Ehren der Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen wurde auf dem Platz des Oktoberfestes – der seitdem, abgeleitet von dem Namen der Braut, Theresienwiese heißt – ein Pferderennen veranstaltet. Ein Jahr später sollte das Festbereits  aufgrund des großen Erfolgs erneut realisiert werden. Schnell entwickelte es sich zu einer Tradition: Ab 1819 war die Wiesn jährlich geplant, fiel jedoch infolge von Kriegen und Seuchen einige Male aus.

Ein Pferderennen wird zum Volksfest
Im Laufe der Zeit ergänzten immer mehr Attraktionen, beispielsweise diverse Karusselle, das Programm des Volksfestes. Zudem erlaubte die Stadtverwaltung nach einigen Jahren den Bierverkauf auf der Theresienwiese. Denn, was sich kaum einer vorstellen kann: In den ersten Jahren durfte auf dem Oktoberfest kein Alkohol ausgeschenkt und verkauft werden. Wer das Verlangen nach einem Bier hatte, musste den Weg zur knapp drei Kilometer entfernten Sendlinger Anhöhe auf sich nehmen.

Damals wie heute bei Besuchern besonders beliebt sind die Bierzelte. Wer dort in diesen Tagen eine kühle Maß Bier genießen oder zu „Que sera, sera“ schunkeln will, sollte möglichst bereits im Vorfeld einen Tisch reservieren. Besonders in den beliebten Zelten wie dem Hippodrom oder Käfers Wiesn-Schänke, die beide auch bei Prominenten sehr beliebt sind, bekommt man ohne Vorbestellung eher selten Zutritt ohne Wartezeit.

Traditionen und Rückschläge
Ende des 19. Jahrhunderts, als sich die ersten Bierzelte auf dem Oktoberfest etablierten, war es einfacher, einen freien Platz zu finden. Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie der Nachkriegsjahre fiel die Wiesn erneut mehrmals aus. Auf diese Weise entstand auch die längste Pause, die es jemals in der Historie zwischen zwei Oktoberfesten gab. Denn von 1939 bis 1948 konnte das Volksfest nicht durchgeführt werden.

Im Laufe der Jahre veränderten sich auch die Traditionen der Wiesn. Nach dem Zweiten Weltkrieg fielen die alljährlichen Pferderennen weg. Dafür kam ab 1950, als der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer das geschichtsträchtige erste Oktoberfestfass in einem Festzelt anzapfte, ein neuer Brauch hinzu: Seitdem wird die Wiesn mit dem Anstich des ersten Bierfasses durch den Oberbürgermeister Münchens sowie dem Satz “O’zapft is!” für eröffnet erklärt.

Der 26. September ging wohl als der schwärzeste Tag in die Geschichte des Oktoberfestes ein. Als zwei Bomben am Eingang der Wiesn explodierten, kostete dies dreizehn Menschen das Leben. Unter ihnen war auch Gundolf Köhler, der vermutlich auch der Attentäter des Anschlags war.

Internationale Wiesn
Heute lockt die Wiesn Besucher aus den verschiedensten Ecken der Welt an. Egal ob Italiener, Amerikaner oder Australier – während des Oktoberfestes wird München zu einem riesigen Melting Pot. Über sieben Millionen Liter Bier werden wohl auch dieses Jahr wieder ausgeschenkt werden.

Aber nicht nur in München wird im Oktober ausgelassen gefeiert. Ein erfolgreiches Fest findet natürlich auch viele Nachahmer. So gibt es heute beinahe in jeder Großstadt Deutschlands eine eigene kleine Wiesn und längst nicht mehr bloß in Süddeutschland. So lockt beispielsweise Hannover zu seinem Oktoberfest mit vielen Buden, Bierzelten und Fahrgeschäften zahlreiche Besucher in die Stadt. Und auch die deutsche Hauptstadt Berlin veranstaltet eine kleine Wiesn auf dem Alexanderplatz.

Exportschlager Oktoberfest
Aber auch im Ausland wurde die Tradition aufgegriffen und sie finden sich weltweit einige skurille Oktoberfestvarianten. Eines davon findet in Jundah, einer kleinen Siedlung im kanadischen Outback, statt. Anstelle von Achterbahnen und Kettenkarussellen können sich die Besucher dort auf Pferderennen und Livemusik freuen. Der Durst wird dort mit Bier gestillt, das eigens aus Deutschland importiert wird.

Lauter und bunter, so wie man es vom brasilianischen Karneval gewohnt ist, geht es auf dem Oktoberfest in der südbrasilianischen Großstadt Blumeau zu. Inzwischen wird das Oktoberfest dort schon seit fast 30 Jahren ausgerichtet. Das Fest, das anfangs nur dazu gedacht war, die Wirtschaft der Stadt anzukurbeln, ist es heute fester Bestandteil des hiesigenVeranstaltungskalenders. Um die 700.000 Besucher besuchen es jährlich und für das Programm werden sogar deutsche Blaskapellen gebucht.

Auch die Asiaten wollen sich der besonderen Magie der Wiesn nicht entziehen. Das erste Qingdao Beer Festival wurde 1990 in der gleichnamigen Stadt ausgerichtet und ähnelt mit seinen Bierzelten, in denen natürlich auch deutsches Bier nicht fehlen darf, stark dem Original. Selbst ein Riesenrad zierte den Festplatz. Doch es gibt auch dortige Traditionen, die nicht so viel mit dem Münchner Oktoberfest gemeinsam haben, wie diverse Trinkwettbewerbe oder beliebte  asiatische Freizeitbeschäftigungen wie Karaoke. Doch egal, wie und wo man das Oktoberfest feiert, eines steht fest: Niemand muss durstig nach Hause gehen.

(Text: Nadine Ranger)

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Kommentare (1)

  • Erika Schneider

    Schön geschriebener und informativer Beitrag. Leider ist es heutzutage so, dass Deutschland im Ausland häufig nur noch mit Oktoberfest assoziiert wird. Von anderen deutschen Kulturgütern ist sehr wenig bekannt…

    Antworten

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