Du bist hier: Home » Gesellschaft » Wer will`s wissen?

Wer will`s wissen?

Die Politik scheint in den Hintergrund ger√ľckt zu sein. Viel wichtiger ist zur Zeit wer mit wem, warum und wie lange schon. Horst Seehofer kann die Tage wohl ein Lied davon singen. Seit seine Beziehung zu seiner langj√§hrigen Freundin A. Fr√∂hlich publik wurde, steigt die Auflage der Klatschbl√§tter und emanzipierte Powerfrauen gehen auf die Barrikaden. Der Verbraucherminister f√ľhrte anscheinend vier Jahre eine Beziehung, neben seiner Ehe mit Karin Seehofer, aus der seine Tochter entstand, die vor sieben Wochen das Licht der Welt erblickte. Letztendlich entschloss sich der Minister jedoch gegen seine Geliebte und entschied sich f√ľr seine Ehefrau, die ihrem Mann seine Liaison verzieh.

Jetzt meldet sich die Ex-Geliebte in der Zeitschrift BUNTE zu Wort. Strahlend schaut sie einem, mit ihrem Baby auf dem Arm, aus dem Zeitschriftenregal im Supermarkt entgegen und verr√§t der √Ėffentlichkeit, dass sie sich nicht als Verliererin sehe, da sie das gr√∂√üte Gl√ľck der Welt in ihren Armen hielt. Doch die BUNTE ist nicht die einzige Zeitschrift, die mit solchen Schlagzeilen schwarze Zahlen schreibt. Das Topthema scheint das Privatleben des Politikers zu sein.

An dieser Stelle sollte man sich jedoch fragen, ob nicht eine Grenze zwischen der Privatheit und √Ėffentlichkeit zu ziehen ist. Privatheit bedeutet in diesem Kontext, dass man die Kontrolle dar√ľber besitzt wem man Zugang zu sich und seinem Umfeld gew√§hrt. Der private Raum entzieht sich der √Ėffentlichkeit und ist somit f√ľr die Au√üenwelt unsichtbar. √Ėffentlichkeit bedeutet demzufolge, man verzichtet explizit auf seine Anonymit√§t.

In Zeiten des Big Brother-TV-Konzepts und Internetplattformen, die es erm√∂glichen selbstst√§ndig aus seiner Anonymit√§t auszutreten, f√§llt es schwer eine klare Grenze zwischen Privatheit und √Ėffentlichkeit zu ziehen. Die Tatsache, dass Intimes und Privates pl√∂tzlich normal und √∂ffentlich werden, l√§sst den Schluss zu, dass man sich im Prozess einer Grenzverschiebung befindet. Diese Beispiele beziehen sich jedoch auf Personen, die sich ganz bewusst der √Ėffentlichkeit pr√§sentieren.

Die andere Seite der Medaille widmet sich den Medienmachern. Journalisten entscheiden heutzutage dar√ľber welche Ereignisse im Leben Horst Seehofers privat bleiben und welche √∂ffentlich werden. Sie entziehen dem Politiker v√∂llig die Kontrolle √ľber seine Intimsph√§re, nicht nur aus dem Grund, dass das private Leben gro√ües Interesse genie√üt.

Nicht nur aus Gr√ľnden des Pressekodexes, sonders auch aus intellektuellen und ethischen Gesichtspunkten, sollte man sich die Frage stellen, wie viele Seiten man dem Schlafzimmerleben des Politikers widmet. Schlie√ülich ist er kein katholischer Pfarrer, der Papst schon gar nicht und vor allem in Anbetracht, dass aktuell Menschen Opfer des Terrors werden und in den Flammen der momentan w√ľtenden Waldbr√§nden sterben.


Download PDF  Artikel drucken (PDF)

Schreibe einen neuen Kommentar

You must be logged in to post a comment.

√úber den Autor

Avatar
Anzahl der Artikel : 5

© back view e.V., 2007 - 2017

Scrolle zum Anfang