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Wer wäre der christlichere Präsident der USA?

Eine religiöse Betrachtung

Die Entscheidung vieler amerikanischer Wähler dürfte auch von ihrem persönlichen Glauben geprägt sein. Durch sogenannte „Voter Guides“ versuchen Konservative, Einfluss auf die Wahlen zu nehmen, wobei eindeutig McCain ihr Favorit ist. Doch auch auf Seiten Obamas wirbt man mit liberalerem Glaubensverständnis um die christlichen Wähler. Für deutsche Beobachter mag die Art und Weise befremdlich sein, wie in den Reden beider Kandidaten selbstverständlich auf Gott verwiesen wird und von „Erwählung“ der Nation oder dem Kampf gegen das Böse gesprochen wird.

screenshot_youtubekl_bildgre_ndern.jpgAuch im Verhältnis zu Israel offenbart sich ein recht ähnliches, christliches Weltbild – einen atheistischen Präsidenten wird es wohl in den USA auch bei den nächsten Wahlen nicht geben. Eine Gegenüberstellung der beiden Kandidaten wirft einen Blick auf deren Glaubens­verständnis und dessen Auswirkung auf ihre Politik.

Barack Obama – Religiöse Werte für soziale Gerechtigkeit
Im Magazin „Spiegel“ wurde Barack Obama als „Messias“ beschrieben: Hoffnung, Erneuerung, Veränderung – in der Tat gibt es viele Anklänge an die biblische Erlösergestalt. Doch um die Christen in den Vereinigten Staaten zu überzeugen, braucht es mehr, schließlich warten sie auf einen anderen Messias.
Für sie zählt zunächst der Blick in Obamas persönliche Lebensgeschichte und die erregt bei einigen bereits Anstoß. Barack Obama stammt nämlich nicht aus einer christlichen Musterfamilie, sondern genoss durch seine Mutter eine religiös offene Erziehung, die nach eigenen Angaben Anteile von Christentum, Islam, Hinduismus und diversen mythischen Traditionen hatte. Sein Vater – zu dem er jedoch schon als Kind kaum Kontakt hatte – war Muslim, daher auch Obamas zweiter Vorname Hussein.

In Chicago war seine Familie Mitglied der „Trinity United Church of Christ“, einer Gemeinde, die vor allem aus afro-amerikanischen Mitgliedern besteht. Der vermeintliche „Kirchenaustritt“, der im Mai gemeldet wurde, ist ein Missverständnis. Obama wollte sich lediglich von Entgleisungen seines Pastors Jeremiah Wright distanzieren.

Zur Bedeutung von Religion für die Politik vertritt Obama die These, dass religiöse Werte im öffentlichen Diskurs in „universelle, nicht religions-spezifische“ Werte übersetzt werden müssen, um im Sinne der Religionsfreiheit eine Trennung von Religion und Staat zu gewährleisten. Gleichzeitig werden aber die Errungenschaften von christlichen Bürgerrechtlern gewürdigt, besonders im Kampf gegen AIDS und Armut.
Und auch einen Martin Luther King kann sich Obama ohne seine Verwurzelung im Glauben nicht vorstellen. Ein Beschränkung der „moral issues“ auf Reizthemen wie Abtreibung und Homo-Ehe lehnt Obama ab, zumal er in diesem Punkt den Konservativen eindeutig widerspricht. In seiner Rede „Call to Renewal“ ruft er zur Versöhnung zwischen dem christlichen und dem säkularen Amerika auf, wobei er auch ironisch auf seine eigenen Verständnisschwierigkeiten für einige Texte der Bibel verweist.

John McCain – Konservativ, aber kein Hardliner
Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner befindet sich in einer schwierigen Zwickmühle: Einerseits muss er sich vom unbeliebten, aber christlich bekennenden Amtsvorgänger George W. Bush distanzieren – andererseits aber auf die konservativen Christen Rücksicht nehmen, die einen Grundpfeiler der republikanischen Wähler stellen. Im Gegensatz zu seinem Rivalen Obama hat er in jedem Falle keine Scheu, auch auf der religiösen Klaviatur zu spielen. Seine legendären Kriegserlebnisse aus Vietnam enthalten auch christliche Anekdoten und Bekenntnisse.

Auch die Adoption eines Waisenkindes dürfte McCain hoch angerechnet werden. Man vermutet außerdem, dass auch die Wahl der Vizepräsidentin Sarah Palin eine Geste für die Konservativen war. Die Wahlkampfwebsite hebt ihre mütterliche Aufopferung für ihre fünf Kinder hervor; besonders für das erst dieses Jahr mit Down-Syndrom geborene Jüngste. Einen Dämpfer bekommt die Muster-Mutti jedoch durch die voreheliche Schwangerschaft der Tochter, weil ihre Enthaltsamkeits-Predigt scheinbar dort nicht fruchtete.
Punkte sammelt John McCain bei konservativen Kreisen durch seine Haltungen zur Abtreibung und zur Homosexualität.

In sogenannten „Voter Guides“ verweisen konservative Organisationen auf das bisherige Abstimmungsverhalten McCains. Im Vergleich zu den strikten Positionen Palins vertritt McCain aber noch eine Mittelposition, was einige Konservative auch enttäuscht. So spricht sich McCain nur gegen eine Gleichstellung der homosexuellen Partnerschaft mit der Ehe aus, Palin möchte die Homo-Ehe ganz verbieten. Dem Widerruf des berühmten Abtreibungsurteils „Roe versus Wade“ aus dem Jahr 1973 hofft McCain näher zu kommen, indem er die in seiner Amtszeit freiwerdenden Richter nominiert.

Linktip:
Ein Video von „WallBuilders“ fordert Christen zur „richtigen“ Wahl auf.

(Text: Sebastian Helwig)


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Über den Autor

Sebastian Helwig
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