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Wer gilt als behindert?

Drei Behindertensportarten im Überblick

Behindertensport. Was ist das eigentlich? Jeder hat schon mal davon gehört, aber die wichtigsten Regeln kennen die Wenigsten. Doch grundsätzlich stellt sich erst mal die Frage: Wer führt Behindertensport aus und wer kann überhaupt daran teilnehmen? Darf sich eigentlich jemand ohne Behinderung beteiligen?

Auch im Behindertensport kann zwischen Breitensport und Leistungssport unterschieden werden. Dabei sind diese beiden Sparten meist weit mehr als eine Form der Rehabilitation. Nur ein Blick in die Halle von Rollstuhlbasketball oder Rollstuhltennis zeigt, da stecken Energie, Kampfgeist und der Wille dahinter, trotz Rollstuhl – oder ausgerechnet wegen ihm – eine außerordentliche Leistung zu bringen.

Im Wettkampf- und Leistungssport sind früher die verschiedenen Klassen nach der Art der Behinderung unterschieden worden, heute wird nach ihrer funktionellen Auswirkung der beteiligten Sportler unterschieden.
Analog zu den Olympischen Spielen gibt es für Sportler mit körperlichen Behinderungen die Paralympischen Spiele, die in der Regel nach den Olympischen Spielen stattfinden. Unterkünfte und Wettkampfstätten sind aber gleich. Darüber hinaus organisiert das Internationale Paralympische Komitee auch zahlreiche Weltmeisterschaften.

Den Behindertensport gibt es in nahezu allen gängigen Sportarten. In Deutschland sind behinderte Sportler als Mitglieder ihrer jeweiligen Vereine im Deutschen Behindertensportverband organisiert. Dieser besteht aus 17 Landessportverbänden, den beiden Fachverbänden Deutscher Rollstuhl-Sportverband sowie Deutscher Schwerhörigen Sportverband und weiteren außerordentlichen Mitgliedsorganisationen.

Rollstuhlbasketball
Neben Menschen mit körperlicher Behinderung dürfen auch Nichtbehinderte mitspielen. Nicht vieles unterscheidet sich vom ‚Fußgänger‘-Basketball. Der Korb hängt da, wo er immer hängt; das Feld ist so groß, wie es immer ist – nur kleine Abweichungen zum herkömmlichen Reglement sind zu erkennen. Die wohl bedeutendste ist, dass die Sportler auf ihren Rollstuhl angewiesen sind, welcher den individuellen Körpermaßen und Bedürfnissen des Einzelnen angepasst wurde.

Das internationale Team der Rollstuhlbasketballer ist allerdings eingeschränkten Sportlern vorenthalten. Für Chancengleichheit und Gerechtigkeit sorgt ein funktionelles Klassifizierungssystem, das die Spieler in einer Skala von 1,0 Punkten für Spieler mit einem hohen Grad der Behinderung – wie das zum Beispiel bei einer Querschnittslähmung der Fall sein kann – bis 4,5 Punkten für Nicht- und Minimalbehinderte, einteilt. Auf dem Spielfeld darf nur eine Summe von 14,0 Klassifizierungspunkten zusammenkommen. Die Spieleraufstellung erfordert also überlegte Entscheidungen des Trainers.

Behindertenreitsport
Denkt man an Behinderte und Pferde, schießt einem sehr schnell die Reittherapie ins Gedächtnis. Doch der Behindertenreitsport hat nichts mit einer Behandlung gleich – auch, wenn der Einsatz des Pferdes für Menschen mit Behinderung in der Geschichte seit über 2000 Jahren zurückzuverfolgen ist.
Im Vordergrund steht vielmehr der sinnvolle Umgang mit dem Tier. Auch hier entscheidet der Grad der Behinderung über die Art und Weise, wie am Sport teilgenommen werden kann. Viele körperlich Eingeschränkte können die übliche Ausrüstung verwenden, größtenteils wird aber mit kompensatorischen Hilfsmitteln, wie speziellen Zügeln oder Steigbügeln am Sattel geritten.

Grundsätzlich kann jeder, entsprechend seinem Talent, am Leistungssport teilnehmen. So nehmen behinderte Reiter sowohl an Regelturnieren gemeinsam mit Nichtbehinderten, als auch an speziellen Behindertenturnieren teil. Zur Chancengleichheit erfolgt auch hier eine Einteilung in verschiedene Klassifizierungsgrade. Sie erfolgt nach funktionellen Gesichtspunkten, die direkt auf das Reiten bezogen sind.
Im Vordergrund steht, ob eine Bewegung nicht oder nur wenig ausgeführt werden kann – unwichtig ist die Ursache der Einschränkung, wie eine Lähmung der Muskeln. Eine Einstufung erfolgt aber erst bei einer um mehr als 15 Prozent reduzierten Funktion gegenüber den nicht-behinderten Reitern.

Sitzvolleyball
Das Spiel orientiert sich am Volleyball. Durch seine Modifizierung können auch behinderte Menschen daran teilnehmen, da es, wie der Name schon sagt, im Sitzen durchgeführt wird – durch Bewegungseinschränkungen am Boden kann der nicht-behinderte Spieler sogar im Nachteil sein. Neben dem Sitzen gelten bis auf wenige Ausnahmen aber die üblichen Volleyballregeln. So ist beim Sitzvolleyball das Feld zum Beispiel kleiner und das Netz niedriger.

Die Spieler können sich mit Hilfe von Armen und Beinen am Boden fortbewegen. Oberste Grundregel ist: der Rumpf muss zum Zeitpunkt einer Aktion Bodenkontakt behalten. Ist dies nicht der Fall, gewinnt der Gegner Punkt und Aufschlagsrecht.
Bei den Wettkämpfen findet keine Beschränkung bezüglich einer Behinderung statt. Zur Teilnahme an den deutschen Meisterschaften müssen alle Spieler allerdings eine Behinderung von mindestens 20 Prozent in irgendeiner Form nachweisen können.

(Text: Christina Hubmann)
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Über den Autor

Christina Hubmann
Redakteurin

Christina Hubmann wollte eigentlich mal Busfahrer werden, ehe sie sich entschloss, doch "irgendwas mit Medien" zu machen. Schreiben tut sie nämlich schon immer gern. Und wie das Leben ohne dieses Internet funktioniert hat, fragt sie sich schon seit Längerem - erfolglos.

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