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Wenn eine Wildfremde meinen Schmuck trägt

Interview mit einer Jungdesignerin

Astrid Nisch ist eine junge Frau aus Aachen. Tagsüber arbeitet sie im Büro, abends an der Bar, dazwischen designt und kreiert sie für ihr eigenes kleines Label „Sunkizz Design“. Über ihre Arbeit sagt Astrid: „Ich habe Schmetterlinge im Bauch, wenn ich eine Idee habe, diese umsetze, sie Form annimmt und das dann auch noch mit anderen teilen kann.“

Auf die Frage, was sie denn eigentlich macht, antwortet Astrid nüchtern: „Meine Gedanken werden zu haptischen Dingen, die die Funktion haben, schön zu machen.“ Schon als Kind merkte sie, dass Stoffreste zu Barbiekleidern und Holz zu Puppenstubenmöbel umfunktioniert werden können. Wie so viele andere Mädchen, wollte auch sie Modedesignerin werden. Zeichnete wallende Kleider und schicke Outfits.

Entwürfe für die Schublade
Aber das Risiko nach einem Designstudium arbeitslos zu sein, oder in einer Fabrik am Fließband zu stehen war ihr zu groß. Was zu einer soliden kaufmännischen Ausbildung führte. Zusätzliches Geld bringt der Job in einer Bar. Damit leistet sie sich ihre Selbstständigkeit. Material wie Schere, Papier, Stoff, alles was man für „do it yourself“ Projekte eben so braucht. Natürlich war das nicht immer so einfach, wie es sich Astrid vorstellte – „die kreative Hälfte lag zwischendrin sehr lange brach“. Ideen kamen und gingen, die Zeit verstrich und Entwürfe landeten allerhöchstens in einer Schublade.

Der Wachmoment im Kaufhaus
Bis 2008 – da hatte sie einen Wachmoment. In einem Kaufhaus sah sie dieses eine Produkt, das sie selbst in ihre geistige Schublade verstaut hatte und ärgerte sich, dass sie den Schritt zur Umsetzung nie gewagt hatte. Heute sagt Astrid Nisch, dass dieser Moment sie durchrüttelte. Und sie fing an, selber wieder Hand anzulegen. Durch Zufälle, Freunde und Bekannte kam sie an Kontakte zu Designern, die schon einiges auf ihrer Vita hatten. Sie wirkt begeistert und euphorisch, als sie an diesen Punkt der Geschichte ankommt.

Ihr Markenzeichen: Blumen und bunte Farben
2009 stand die Hochzeit ihres Bruders an. Dieser Tag ist im Nachhinein auch ein besonderes Ereignis für sie. „Ich hatte nichts zum Anziehen.“ Dann musste Astrid wieder selber ran. Mit Blumen aus Stoffbändern, Perlen und bunten Farben verzierte sie ein Oberteil, noch ein paar Handgriffe an der Hose und fertig war ihr Outfit. Seitdem sind Blumen und bunte Farben ihr Markenzeichen. Schmuck, Kettenbänder, Ohrstecker, Ringe oder auch Kinderringe werden so zu fröhlichen Blumensträuße. Sonderanfertigungen gibt es bei ihr auch. Schließlich geht es fast jeder Frau so, dass sie irgendwann nichts zum Anziehen hat und Schmuck ist auch immer rar.

Zukunftsplan: ein Atelier mit anderen Kreativen
Mittlerweile verkauft Astrid ihre Produkte in acht Shops – online, in Berlin und Aachen. Den ersten Tag, an dem sie eine Frau mit einer ihrer Ketten sah, vergisst Astrid auch nicht mehr: „Es ist schon sau cool, wenn eine Wildfremde meinen Schmuck trägt“. Für die Zukunft plant die Jungdesignerin ein Atelier mit anderen Kreativen. Ihr Schreibtisch daheim ist es mittlerweile viel zu voll. Mit anderen Künstlern sollen die Ideen nur noch so sprudeln, erhofft sich Astrid Nisch. Ob sie auf den großen Erfolg wartet? „Mittlerweile bin ich ruhiger geworden. Alles peu à peu. Wenn der Erfolg kommen will, dann kommt er.“

(Text: Denise Nestler, Foto: Sunkizz Design)

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