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Was von der Wiesn bleibt

Eine Gesellschaftstudie ĂŒber Oktoberfestbesucher

Das Oktoberfest – oder wie der MĂŒnchner gerne nennt – die Wiesn ist seit knapp einem Monat zu Ende. Doch die verschiedenen Type, die dort anzutreffen waren bleiben. Eine Gesellschaftsstudie im Bierrausch.

Der Provinzbayer
Er tritt fast immer in einer MĂ€nnergruppe auf. Der Provinzbayer ist einer der Ersten im Festzelt und geht auch erst wenn er eigentlich nicht mehr gehen kann. Den Schnupftabak hat er immer griffbereit in seinem Wolljanker. Er flirtet gern obwohl er fĂŒr die Freundin daheim ein Lebkuchenherz oder eine selbstgeschossene Blume in der Tasche hat.

Zelt: Er hĂ€lt sich gerne im SchĂŒtzenzelt auf. Das Zelt ist nicht zu klein, aber auch nicht zu groß. Hier kann er vormittags gemĂŒtlich mit seinen Spezln Spanferkel essen und abends zĂŒnftig feiern. Außerdem ist die Bavaria gleich nebenan – falls man einmal die Orientierung verliert.

Outfit: Zur Wiesn trĂ€gt er gerne die Lederhosn mit HosentrĂ€gern vom Vater oder Großvater. Sein Hemd ist aus Leinen. Ein Wolljanker wĂ€rmt ihn auf dem Nachhauseweg. Auf dem Kopf sitzt ein Trachtenhut. An den Beinen trĂ€gt er Loferl und Haferlschuhe.

Motto: „Heute mach ich durch bis morgen frĂŒh!“

Speis und Trank: Hauptsache deftig: Beim Essen greift der Provinzbayer gerne auf Hendl, Ochsenbraten oder die Steaksemmel zurĂŒck. Eine Maß ist fĂŒr ihn keine Maß.

Fahrzeug: FrĂŒh morgens ist der Provinzbayer mit der S-Bahn oder der BOB aus dem Umland angereist um als erster vor dem Zelt zu stehen. Auf dem Hinweg hat er sich mit Trinkspielen auf die Wiesn eingestimmt. Auf dem RĂŒckweg schlĂ€ft er bis zur Endhaltestelle.

Der MĂŒnchner
Am Wochenende geht er meist gar nicht auf die Wiesn – wenn, dann nur in den Biergarten. Dort sitzt er seit 40 Jahren am selben Platz und trinkt eine Maß. Den Trubel und die laute Musik mag er ĂŒberhaupt nicht. Deshalb kann man ihn nur vor Sonnenuntergang auf dem Oktoberfest antreffen.

Zelt: Im Biergarten vom Augustiner-BrĂ€u kann es der MĂŒnchner aushalten. Dort wird seine Hausmarke serviert und er kennt die Mannschaft.

Outfit: Der MĂŒnchner trĂ€gt Jeans zum Trachtenhemd und Lodenjanker mit Hirschhornknöpfen. Tradition ist ihm zwar wichtig, aber er will sich nicht verkleiden.

Motto: „FrĂŒher war es noch gemĂŒtlich auf der Wiesn!“

Speis und Trank
: er schwört auf den Krautsalat – der ist auf der Wiesn am besten. Ansonsten mag er es klassisch. Schweinshaxe, Hendl oder Schweinsbraten sind seine Wahl.

Fahrzeug: Der MĂŒnchner kommt natĂŒrlich mit der Tram. Entweder steigt er eine Station frĂŒher aus, oder er lĂ€uft einmal um die Theresienwiese herum. Er kennt den kĂŒrzesten Weg zu den Zelten. Denn mit der Masse will er nicht mitschwimmen.

Der Zugroaste
Er wohnt erst seit kurzem in MĂŒnchen und freut sich tierisch auf das Oktoberfest. Alle seine Freunde hat er großzĂŒgig zum Übernachten eingeladen. Endlich ist er hier kein Tourist mehr. Aus diesem Grund ist er nun jeden Abend auf der Wiesn. Mit neuen Bekanntschaften fĂ€hrt der Romantiker gerne Riesenrad.

Zelt: Am wohlsten fĂŒhlt er sich im „Himmel der Bayern“, dem Hacker Festzelt. Da er ein exzessiver WiesngĂ€nger ist hat er aber jedes Zelt schon einmal von innen gesehen. Am liebsten gesellt er sich zu einem Tisch dazu und versucht, neue Kontakte zu knĂŒpfen.“

Outfit: Der Zugroaste hat sich beim Angermaier ein komplettes Wiesnoutfit gekauft. Seine SpezialitÀt sind Karohemden. Jeden Abend trÀgt er eine andere Farbe, damit es nicht langweilig wird. Den gewissen Pepp verleiht ihm das passende Halstuch.

Motto:„Ich hol das Lasso raus und flieg wie a Flieger … lalala.“

Speis und Trank:
Eigentlich geht es ihm auf dem Oktoberfest nur um das Bier. Bei der sĂŒĂŸen BreznverkĂ€uferin holt er sich dann aber doch gerne ein Riesnbreze. Dazu nimmt er den KĂ€seteller. Seinen Freunden empfiehlt er als Kenner die LandesspezialitĂ€t „Obazda“.

Fahrzeug: Da er ortskundig ist , kommt der Zugroaste mit der Ubahn von der Poccistraße auf die Wiesn.

Die PR-Dirne
Sie geht nur mit Businesspartnern auf die Wiesn. Dort hat sie einen Tisch reserviert. Sie will connecten und mit den wichtigen der Stadt ins GesprĂ€ch kommen. Sie organisiert keine Feiern sondern „Get togehter“. Am Ende geht jeder ihrer Partner mit einer TĂŒte nach Hause.

Zelt: Die PR-Dirne hat eine Box im Hippodrom reserviert. Hier trifft sich die MĂŒnchner Society. Es gibt Champagner. Man muss reprĂ€sentativ sein.

Outfit: NatĂŒrlich trĂ€gt sie Dirndl. Ihr Rock ist nicht zu kurz. Er endet zischen Knöchel und Knie. Die Farbe des Kleides ist nicht auffĂ€llig aber trotzdem sĂŒĂŸ und weiblich. Die Schleife an der SchĂŒrze hat sie immer auf der rechten Seite gebunden.

Motto: „FĂŒr den Kunden nur das beste.“

Speis und Trank: Vor dem Kunden isst sie nicht. Dabei könnte man sich bekleckern oder blamieren. Außerdem spricht es sich mit vollem Mund nicht so leicht. Denn sprechen muss sie viel. Das GetrĂ€nk ihrer Wahl ist Wasser. Zum Anstoßen nimmt sie aber auch einmal eine Radlermaß.

Fahrzeug: Die PR-Dirne lÀsst sich mit dem Taxi chauffieren. Sie hat den ganzen Tag gearbeitet. Am Abend gönnt sie sich das.

Der Italiener
Er hat seinen Jahresurlaub schon vor Monaten auf die Wiesn gelegt. Nun ist er endlich da und kann die Sorgen des Alltags mit Bier hinabspĂŒlen. Der Italiener spricht kein Deutsch und nur gebrochen Englisch – obwohl er seit fĂŒnf Jahren auf die Wiesn kommt. Am liebsten lĂ€sst er sich mit hĂŒbschen MĂ€dchen im Arm fotografieren.

Zelt: Der Italiener mag das Winzerer FÀhndl, weil er hier auch Einheimische trifft. Er belagert mit seiner mindestens zehn Mann starken Gruppe die Tische nahe der Kapelle. Dort kann er laut mitgrölen.

Outfit: Hat sich der Italiener kein T-Shirt mit Spaßspruch bedruckt, erkennt man ihn am Filzhut mit Kuhhörnern. SeineHabseligkeiten hat er in einem ĂŒbergroßen Schulrucksack oder einer Bauchtasche verstaut.

Motto: „Mama mia, che bella …“

Speis und Trank: FĂŒr den Italiener ist das Bier auf dem Oktoberfest der Himmel auf Erden. In seiner Heimat sind die GlĂ€ser Miniaturen gegen Maßkrug. Außerdem ist Bier verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig teuer. Der Italiener ĂŒberschĂ€tzt deshalb oft seinen Durst.

Fahrzeug: Der Italiener kommt standesgemĂ€ĂŸ mit dem Wohnwagen und hat mit viel GlĂŒck in einer Seitenstraße neben der Wiesn geparkt. Kann er nicht zu Fuß nach Hause gehen, nimmt er am liebsten eine Rikscha.


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