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Was sind eigentlich NGOs?

√úber Arbeit, Rolle und Probleme von Nichtstaatlichen Organisationen

Ohne demokratische Legitimation wollen weltweit Gruppierungen ihre Positionen durchsetzen und die vermeintlichen Interessen außenstehender Menschen vertreten. Als Teil der Zivilgesellschaft agieren NGOs meist als Lobbyisten und sind dennoch ein wichtiges Bindeglied zwischen beiden.

Der Begriff NGO – Non-governmental organization – wurde im Zuge der Rio-Konferenz 1992 gepr√§gt und schuf eine verbindende Definition f√ľr alle Organisationen, die nicht an der Regierung selbst beteiligt sind, aber dort bestimmte Interessen vertreten. So kann die Bezeichnung von ‚ÄěNichtstaatlichen Organisationen“ generell sehr weit gefasst und auch auf Kirchen, Vereine oder Gewerkschaften √ľbertragen werden. Heute verstehen wir jedoch meist mitgliederstarke, international t√§tige Interessengruppen als die eigentlichen Nichtstaatlichen Organisationen. Gerade im Zuge der rasanten Globalisierungsentwicklung nahm in den letzten Jahren auch die Anzahl an NGOs deutlich zu: Mittlerweile gehen Forscher von 25.000 Organisationen weltweit aus.

NGOs versuchen durch verschiedenste Mittel, nationale wie internationale Politik zu beeinflussen und die Gesellschaft f√ľr ihre Vorstellungen zu sensibilisieren. Viele widmen sich den Themen soziale Gerechtigkeit, Geschlechtergleichstellung, Umweltschutz sowie Friedenspolitik und V√∂lkerverst√§ndigung.

Akteure der Zivilgesellschaft
NGOs sind weder von staatlichen Interessen abh√§ngig, noch arbeiten sie gewinnorientiert. Sie sehen ihre Aufgabe darin, Themen aufzugreifen, die von der Politik nicht oder nur unzureichend behandelt werden. Jede Organisation sucht sich dabei ein eigenes Themenfeld, auf das sich ihre Arbeit konzentriert.¬†Ein Ziel ist jedoch bei nahezu allen NGOs das gleiche: Auf breiter Basis eine Sensibilisierung f√ľr ihre Anliegen zu schaffen und somit Einfluss auf politische Entscheidungstr√§ger oder Unternehmen zu nehmen.

So sind die NGOs der so genannten Zivilgesellschaft zuzurechnen. Die Zivilgesellschaft bildet neben Staat und Wirtschaft den so genannten „Dritten Sektor“. Dabei wird ihr vielfach die Rolle einer Ausgleichskraft zugeschrieben. B√ľrger engagieren sich freiwillig und meist unentgeltlich. Je mehr Menschen sich ehrenamtlich engagieren, desto gr√∂√üer wird ihr Gestaltungsspielraum in Gesellschaft, Umwelt und Kultur.
Ohne die freiwillige Arbeit zahlloser Mitglieder w√§ren Aktionen, Logistik und Verwaltung der meisten nichtstaatlichen Organisationen undenkbar. Die Organisationen finanzieren sich √ľber Spenden („Fundraising“) oder Mitgliederbeitr√§ge.
Zwar gelten NGOs somit als autonom, aber nicht automatisch als demokratisch legitimiert. Man kann nirgendwo f√ľr bestimmte nichtstaatliche Organisationen votieren, auch ihre Vorst√§nde und Sprecher werden intern nicht immer nach vollst√§ndig transparenten demokratischen Prinzipien ausgew√§hlt.

Die Rolle der Medien und des Lobbyismus
Nichtstaatliche Organisationen beginnen ihre Arbeit ohne R√ľckendeckung von staatlichen Vertretern, und sie bleiben schwach, solange ihre Ziele von Regierungen oder Wirtschaftsunternehmen kaum oder gar nicht beachtet werden. Daher w√§hlen zahlreiche NGOs den Umweg √ľber die Medien, um Einfluss auszu√ľben und gr√∂√üere Wirkung zu erzielen. Vor allem die schnelle und unzensierte Verbreitung von Informationen und Kampagnen √ľber das Internet ist dabei beliebt.

Die Organisationen versuchen meist, durch Medienpr√§senz neue Mitglieder zu gewinnen und auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Mit Erfolg: Wir nehmen NGOs heute vornehmlich √ľber die Massenmedien wahr. Zur Prime Time flimmern Aufnahmen von Aktionen √ľber den Bildschirm – das beste Beispiel hierf√ľr sind sicher die Greenpeace-Aktionen gegen die Versenkung der von Shell betriebenen √Ėlplattform „Brent Spar“ im Jahr 1995. Aktivisten der Gruppe besetzten damals die Plattform, was zu einem gro√üen Medienecho und zahlreichen Boykottaufrufen f√ľhrte. Als die Ums√§tze des Shell-Konzerns drastisch einbrachen, lenkten die Verantwortlichen ein und sagten zu, „Brent Spar“ an Land zu entsorgen.

Doch nicht alle NGOs zielen auf √∂ffentliche Aufmerksamkeit ab. Viele setzen bewusst auf diskrete Lobbyarbeit statt auf Medienwirkung. Regierungsvertreter und Parlamentarier werden gezielt angesprochen, was personell und finanziell nicht weniger aufw√§ndig ist. Kontakte m√ľssen aufgebaut und gepflegt werden, Vertreter m√ľssen dauerhaft vor Ort pr√§sent sein und sich eingehend mit den politischen Themen besch√§ftigen.
Industrie- oder Unternehmerverb√§nde verf√ľgen √ľber die daf√ľr ben√∂tigten finanziellen und organisatorischen Mittel, die Lobbys von nichtstaatlichen Organisationen sind hingegen oft nicht so gut ausgestattet. In den letzten Jahren haben diese deshalb unterschiedlichste Strategien entwickelt. Zugute kommt ihnen dabei oft ihre gro√üe Sachkenntnis: NGO-Mitarbeiter werden als Sachverst√§ndige zu Gremien hinzugezogen und k√∂nnen dort ihre Sicht der Dinge vertreten. Damit lassen sich Anliegen ebenso gut verwirklichen wie √ľber prestigetr√§chtige Kampagnen.

Funktion als Bindeglied
Die Globalisierung, wie wir sie heute kennen, wird vor allem durch international tätige Institutionen und Unternehmen vorangetrieben, die keiner direkten demokratischen Kontrolle unterliegen. Entscheidungen von Organisationen wie  dem Internationalen Währungsfonds werden von den nationalen Parlamenten nur bedingt legitimiert, greifen aber deutlich in die Souveränität ihrer Mitgliedsstaaten ein.

Nichtstaatliche Organisationen sind heute ein Bindeglied zwischen diesen globalen Entscheidungstr√§gern und den betroffenen Gesellschaften. Sie weisen darauf hin, was die jeweiligen Entscheidungen f√ľr einzelne Staaten bedeuten und welche Missst√§nde daraus entstehen k√∂nnen. Und sie geben den Betroffenen in den Entscheidungsprozessen die M√∂glichkeit, ihre Interessen zu artikulieren – eine M√∂glichkeit, die auch in demokratischen Gesellschaften auf den offiziellen Wegen politischer Willensbildung leicht verloren geht.

(Text: Konrad Welzel)
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√úber den Autor

Konrad Welzel
Gr√ľnder und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegr√ľndet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - daf√ľr ist er viel zu neugierig!!!

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