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BIO – mehr als nur eine Marketingstrategie?

Was bringen biologische Lebensmittel wirklich?

Wer kennt sie nicht, die alternativen Produkte, die sich schon langsam immer unauffälliger in den Supermarktregalen reihen. Anfang des 20. Jahrhundert entwickelte sich eine Bewegung, die sich kritisch der wachsenden konventionellen Lebensmittelindustrie gegenüberstellte und statt auf Spritzmittel zu setzen, ökologisch nachhaltige Landwirtschaft anpeilte. Auch die Hippies waren von der Idee begeistert, doch es dauerte beinahe ein ganzes Jahrhundert bis das Bio-Lable salonfähig wurde.

biologische LebensmittelKennzeichen biologischer Lebensmittel

Biologische Lebensmittel wachsen in einem ökologisch kontrollierten Anbau, der darauf achtet, dass durch Artenvielfalt die Böden nicht ausgelaugt werden. „Das agro-ökologische Modell ist umfassender, gleichzeitig funktioniert es nur auf kleinen Höfen: Familienbetriebe, die versuchen, von Zusatzstoffen und Energiezufuhr unabhängig zu werden und ressourcenschonend zu arbeiten. Die also auf chemische Dünger und Pestizide verzichten und stattdessen sich ergänzende Eigenschaften von Pflanzen und Tieren nutzen, um einen geschlossenen Kreislauf zu erhalten“, so die Regisseurin Marie-Monique Robin des Dokumentarfilms „Die Zukunft der Pflanzen“ im Interview auf arte.tv.

Zudem verzichten Bio-Bauern auf Gentechnik, welche per se nicht zu verteufeln ist. Schlicht und einfach gibt es noch zu wenig Erfahrung, um eventuelle Risiken einzuschätzen, die durch den Verzehr gentechnisch veränderter Nahrung einhergehen könnten.

Heute sind viele Konsumentinnen und Konsumenten froh darüber, auf biologische Produkte zurückgreifen zu können, obwohl die Motivationsgründe dafür oft als Extravaganz abgestempelt werden. Die Richtlinien für biologische Landwirtschaft sind im europäischen Raum sogar durch die EU gesetzlich verankert. Dabei gibt es viele Bio-Anbauverbände wie Demeter oder Bioland, welche sich selbst strengeren Richtlinien unterwerfen und mit ihrem Biosiegel eine bessere Qualität versprechen.

Vorteile durch ökologisch kontrolliertem Anbau im Diskurs

Was aber hat die Bio-Tomate, was die konventionelle nicht hat? Studien zu der Thematik kommen meist zu dem Ergebnis, dass biologische Lebensmittel dem menschlichen Körper mehr geben können. Nach dem Ergebnis einer europaweiten Studie der Universität in Newcastle (Großbritannien) 2014 beinhalten biologisches Obst und Gemüse von 19 bis 69 Prozent mehr Antioxidantien als konventionelle.

Antioxidantien schützen unsere Zellen vor Krankheiten wie Krebs. Auch andere Studien belegen ein Gesundheitsplus der Bioprodukte. Wobei es allerdings wieder Studien gibt, die keine gesundheitlichen Vorteile bei ihnen finden können, wie eine Studie der Standford Universität in Kalifornien zeigt. Wirklich repräsentative Daten seien hier unmöglich, da die Welt zu komplex für Modelle sei, so ein Lebensmitteltechnologiestudent des Technischen Instituts (MCI) in Innsbruck.

Ob der Einkauf von biologischen Produkten auch dem Geschmack förderlicher ist als der Genuss konventioneller, konnte nicht bewiesen werden. In Fachzeitschriften veröffentlichte Studien als auch auf science.com kamen zu dem Ergebnis, dass in manchen Fällen biologische in anderen konventionelle Nahrungsmittel bessere durchschnittliche Geschmacksbeurteilungen erhielten.

Durch Öko-Landwirtschaft überleben

Den letzten Trumpf, den ökologische Landwirtschaft noch zu bieten hat, ist ein sehr vielversprechender: Es geht um nichts anderes als den Lebensbedingungen der Menschen in Zukunft. 2050 sollen laut UN-Berechnungen über neun Millionen Menschen diesen Planeten ihre Heimat nennen. Denn die Bevölkerung wächst trotz stagnierender Geburtenraten in den westlichen Ländern durch den vielen Nachwuchs in weniger entwickelten Staaten wie zum Beispiel Liberia oder Uganda.

Die Welternährungsorganisation FAO, Tochter der UNO, ist zuversichtlich bezüglich unserer Möglichkeiten, den Hunger weltweit auch bei größerer Gesamtbevölkerung zu stillen. Da kommen dann ökologisch nachhaltige Anbaumethoden ins Spiel, welche Familien leichter eine Existenzgrundlage bieten können als Monokulturen, die sie in die Abhängigkeit großer Landwirtschaftskonzerne wie Monsanto zwingen. Ein weiterer positiver Effekt ist der umweltfreundliche Umgang durch biologische Bewirtschaftung der Natur, Wasser bleibt unverseucht, unbrauchbare Böden und erosionsgefährdete Flächen werden zu Feldern und Erntearbeiterinnen und Erntearbeiter fallen wegen gesundheitsschädigenden Bedingungen nicht tot um.

(Text und Foto: Anna Luther)
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Über den Autor

Anna Luther

Anna Luther schreibt seit Februar 2015 bei backview.eu und interessiert sich für gesellschaftliche, kulturelle und politische Thematiken. Sie studiert in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und Philosophie.

Anzahl der Artikel : 38

© back view e.V., 2007 - 2017

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