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Warum Indien und Pakistan nicht miteinander können

Über den Konfliktherd Kaschmir

Seit Jahren streiten sie nun schon um eine kleine Region auf den asiatischen Kontinent. Ein kalter Krieg in einer instabilen Region. Und jederzeit könnte der Konflikt explodieren, ein Konflikt zwischen den zwei Atommächten Indien und Pakistan. Wie es dazu kam, dem ist back view nachgegangen.

Der erste Kaschmirkrieg
Der Konflikt ist so alt wie die beiden Staaten selbst. Bei der Teilung von Britisch-Indien in das hinduistische Indien und das muslimische Pakistan am 15. August 1947 sollten Fürstentümer mit mehrheitlich hinduistischer Bevölkerung Indien zugeordnet und Fürstentümer mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung Pakistan zugeordnet werden.
Nur der politische Führer von Jammu und Kaschmir, der Hindu Hari Singh, schloss sich zunächst keinem der beiden Staaten an, obwohl die Bevölkerung von Kaschmir zu großen Teilen aus Muslimen bestand. Am 24. Oktober 1947 trat er mit Kaschmir Indien bei und dessen Luftlandetruppen eroberten in Folge zwei Drittel von Kaschmir, nachdem islamische Stammeskrieger nach Kaschmir eingedrungen waren.

Pakistan bezeichnete den Beitritt als illegal und entsandte Truppen zum Schutz der überwiegend muslimischen Bevölkerung. Dies führte zu einem mehr als zweijährigen Krieg zwischen beiden Ländern, in dem auch China im indisch-chinesischen Grenzkrieg 1962 mitkämpfte und einen Teil Kaschmirs besetzte.
Der UN-Sicherheitsrat begann schließlich mit einer Untersuchung der Lage, die schließlich im Juli 1949 in einem Waffenstillstandsabkommen mündete und die sogenannte „De-facto-Grenze“ zwischen Pakistan und Indien quer durch Kaschmir schuf.

Doch auch in Folge kam es immer wieder zu Grenzübertretungen durch beide Seiten und das Thema stand mehrmals ergebnislos auf der Agenda der UNO. Eine Teilung Kaschmirs schien aussichtslos. Als dann 1963 muslimische Aufständische verschwanden, spitzte sich die Lage erneut zu. Eine im Mai 1964 stattfindende Friedenskonferenz führte nicht zu einer Einigung, sondern schließlich zum dritten Kaschmirkrieg.

Der zweite Kaschmirkrieg
Auslöser für den dritten Kaschmirkrieg waren mehrfache gegenseitige Provokationen und Grenzüberschreitungen. Im August 1965 griffen muslimische Rebellen mit Unterstützung der pakistanischen Regierung die indischen Truppen an, konnten jedoch nur weniger als die Hälfte der Region besetzen, obwohl Indien weit weniger stark als früher war.
Die USA und die UdSSR beschlossen in Folge den Verzicht auf jegliche militärische- oder zivile Hilfestellungen. Am 10. Januar 1966 erreicht ein sowjetischer Vermittler schließlich die Wideraufnahme diplomatischer Beziehungen, den Abzug der Truppen und den Austausch von Kriegsgefangenen.

Alles scheint soweit ruhig. Doch der Schein trügt, denn die USA und die UdSSR unterstützen jeweils den Kriegspartner. Die USA Indien und die UdSSR Pakistan. Die führt zu einem militärischen Rüsten, das 1971 zum dritten Kaschmirkrieg führt.

Der zweite Kaschmirkrieg
Pakistan und Indien hatten sich zwar auf ein Waffenstillstandsabkommen geeignet, trotzdem kam es jedoch immer wieder zu kleineren Zwischenfällen, besonders um 1975. Seit 1990 hat sich die Lage erneut deutlich verschlechtert.
Im Januar 1990 schießt Indien sogar auf Demonstranten, die gegen die Regierung protestierten. Im Juli kam es erneut zu einem Konflikt, als angeblich pakistanische Rebellen aus dem indischen Teil Kaschmirs vertrieben wurden. Nach kurzer Entspannung kommt es dann seit 1995 wieder zu größeren Konflikten und Schießereien.

Die Situation seit 2000
Im Januar 2002 verschärfte Pakistan den Konflikt mit Indien deutlich durch eine Kampfansage militanter Moslems, gegen Indien zu kämpfen. In Folge verbot der pakistanische Militärgeneral sogar einzelne Gruppen, um die Situation zu deeskalieren.
Im März 2003 kommt es dann erneut zu größeren Grenzschießereien mit Artillerie zwischen indischen und pakistanischen Truppen, unter anderem auch in der umstrittenen Region im Himalaya, in dessen noch immer gefährliche Situation die Journalisten Angela Andersen und Claus Kleber in ihrem 2011 ausgestrahlten Dokumentarfilm „Machfaktor Erde“ einen guten Einblick gaben, zu dem es weitere Informationen unter http://www.machtfaktorerde.zdf.de gibt.

Indien droht Pakistan 2003 sogar einen Präventivschlag an, um gegen islamistische Extremisten vorzugehen. Auch die USA bieten ihre Hilfe als Vermittler an, denn auch sie sind daran interessiert, dass Pakistan gegen die Extremisten vorgeht und zusätzlich der Konflikt um die Himalaya-Region beigelegt wird. Seit 2003 gab es ständig immer wieder kleinere Konflikte und eine zum Bersten gespannte Situation.

Ausblick in die Zukunft
Der Kaschmirkonflikt hat seit Beginn um die 50.000 Tote gefordert. Indien und Pakistan rücken immer weiter voneinander ab. Die Situation ist auch deswegen so kritisch, weil beide Staaten Atomwaffen besitzen.
Auch China spielt im Machtpoker um wichtige Regionen eine entscheidende Rolle, was auch an der wirtschaftlichen Wichtigkeit der Himalaya-Region liegt. Im Himalaya entspringt die wichtige Lebensader, der Indus, der durch Indien und Pakistan fließt und eine Milliardenbevölkerung versorgt. Auch zu China gibt es Konflikt um Wasser, der bedrohlich schnell eskalieren könnte, denn Wasser ist im 21. Jahrhundert längst zu einem Kriegsgrund geworden. Der Konflikt wird also weitergehen und kaum zu lösen sein.

(Text: Simon Zöllner)
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Über den Autor

Simon Zöllner
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