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Warum ich ohne Plastik nicht leben könnte

Ein Alltagscheck im Kommentar

Wenn ich mich frage, ob ich ein umweltbewusster Mensch bin, komme ich zu folgender Antwort: „Eigentlich schon, ich benutze Jutebeutel zum Einkaufen, benutze öffentliche Verkehrsmittel, versuche recycelte Papierprodukte zu kaufen und auf die Regionalität von Produkten zu achten. Trotzdem habe ich viel Plastik Müll… könnte also besser sein.“

Doch woher kommt dies? Naja, die meisten Dinge sind nun mal in Plastik verpackt. Ja gut, dafür gibt es zum Glück verpackungslose Einkaufsmöglichkeiten, wie im „Selbsttest — Eine Woche ohne Plastik“ geschildert wird, jedoch gibt es Dinge mit Plastik, auf die ich in der Welt so, wie sie heute ist, einfach nicht verzichten könnte.
Um dies zu veranschaulichen werde ich nun einen normalen Tag von mir durchgehen, um aufzuzeigen, warum ein kompletter Verzicht für mich unmöglich wäre.

Plastik kein Leben ohne Plastik backviewEs beginnt schon beim Zähneputzen

Wenn ich morgens aufstehe zeigen sich schon die ersten Probleme. Zahnpastatube, Zahnbürste, Verpackung meiner Schminksachen. Dinge, deren Ersatz mit Plastik freien Varianten fast unmöglich ist. Eventuell auf kleine Gläser umsteigen?
Auch auf dem Weg in die Uni ist Plastik überall. Musikhören in Bus und Bahn — für mich ein Muss. Nun ist jedoch auch ein Großteil meiner Kopfhörer aus Kunststoff und es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass diese aus einem anderen Material gemacht werden können. Dann sehe ich mich selbst mit dem Hamburger Wetter konfrontiert. Also rein in die Schuhe mit Gummisohle. Ja, Gummi hält nun mal die Füße trocken. Zudem findet man, selbst wenn man umweltbewusst sein möchte und mit Bus und Bahn fährt, überall Knöpfe und Halterungen aus Kunststoff. So weit so schwer.

Dann die Zeit in der Uni: Bleistift anstatt Plastik Kuli und auf das Tablett in der Mensa verzichten. Zumindest etwas. Da ich Studentin bin und merke, dass in meinem Geldbeutel nichts mehr ist, brauch ich Bares. Also auf zum nächsten Automaten, um mit einem Stück Plastik an Geld zu kommen. In unserer Mensa kann man nicht mit dem Handy bezahlen. Schön wär’s.

Plastik in allen Lebenssituationen

Dann wieder ab nach Hause. Dringende Arbeit für die Uni fertigstellen. Diese muss selbstverständlich mit dem Computer geschrieben werden. Man muss sich an die Vorschriften halten. Also ab an den Laptop und los getippt auf den Tasten aus Kunststoff. Ich denke, es ist verständlich, dass ich darauf nicht verzichten möchte, wenn meine berufliche Zukunft davon abhängt. Nicht nur mein Laptop, sondern auch mein Smartphone ist vom Plastik-Wahn der Hersteller infiziert. Aber in der heutigen Gesellschaft reichen Brieftaube oder Bote eben nicht mehr aus. Man muss ja rund um die Uhr erreichbar sein.

Genug gearbeitet. Etwas Erholung beim Gitarrespielen. Leider besteht auch der Korpus meiner E-Gitarre aus einem Kunststoff. Zum Glück hab ich noch eine Alternative aus Holz. Leider bin ich aber noch nicht begabt genug, um sie ohne Stimmgerät zu stimmen. Ich brauch diese kleine mit Technik gefüllte Plastikbox. Mit Stimmgabeln könnte ich aber vielleicht auch etwas anfangen, bloß kosten diese Geld. Geld welches ich mir erst zusammen sparen muss.

Dann ab in mein Bett. Brille auf und noch eine Serie im Bett zum Einschlafen. Ich bin kein Millionär und kann mir weder eine Brille aus Holz noch die ganz exotische Version aus Stein kaufen. Und Komplett ohne Kunststoff geht leider nix.

Wenn ich nun diese beispielhaften Situationen aus meinem Alltag betrachte, muss ich leider sagen, dass ich wirklich nicht – zumindest noch nicht komplett – auf Plastik verzichten kann. Vielleicht ist die Wissenschaft aber irgendwann soweit und findet Alternativen für all diese Dinge. Einen Schritt dahin ist der Öko-Plastik, aber bis dieser den normalen Plastik ersetzen kann, wird es noch einige Zeit dauern. Trotzdem versuche ich schon mal einige Dinge zu tun, um meinen Plastikverbrauch zu verringern. Auch wenn es sich derzeit leider auf Dinge wie Jutebeutel zum Einkaufen mitnehmen, Bleistifte für meine Notizen verwenden und der Umstieg auf Produkte ohne Plastik, begrenzt hält. Denn wenn jeder schon diese Kleinigkeiten macht, würde dies eine riesige Belastung weniger sein, die unsere Umwelt ertragen muss.

(Text: Ulrike Botha / Foto: DANA müller by www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc))
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