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Warum ich „Contra Todesstrafe“ bin

Ein Kommentar von Ulrike Botha

Ich muss zugeben, dass ich noch vor ein paar Jahren fĂŒr die Todesstrafe bei schwerwiegenden Verbrechen, wie mehrfacher Mord, war. Warum? Naja, was man nicht will, dass man dir tut, das fĂŒge auch keinem anderen zu oder Auge um Auge, Zahn um Zahn. Der Gedanke, dass jemanden, der Leben genommen hat, noch auf dieser Erde weilen darf, war mir suspekt. Dies war jedoch meine Meinung, bevor ich beschloss, mich nĂ€her zu informieren und sie entstand aus jugendlicher Dummheit.

Warum dieser Sinneswandel?

Die Meinung, die ich nach meiner Recherche hatte, bleibt mir bis heute und ich bin stets dazu bereit, diese mit Argumenten zu unterlegen. Ich bin „Contra Todesstrafe“! Sie ist falsch und sollte weltweit abgeschafft werden. Und zwar aus den nun folgenden GrĂŒnden.

Erstens werden regelmĂ€ĂŸig Unschuldige verurteilt. Warum? Die Justiz besteht aus Menschen und Menschen machen Fehler. Korruption, Bestechlichkeit, Dummheit und Blindheit sind nun einmal leider Eigenschaften von Menschen. So werden zum Beispiel Beweise ĂŒbersehen oder GestĂ€ndnisse erzwungen.

Todesstrafe Kommentar

Außerdem sollte es keinem Menschen erlaubt sein, ĂŒber das Leben oder Sterben eines Anderen zu entscheiden. Auch die BĂŒrde, eine solche Entscheidung treffen zu mĂŒssen, sollte keinem zur Last fallen. Ein Mensch wird zu sehr von Sympathien geleitet. „Der sieht mir Suspekt aus, der ist bestimmt schuldig.“ Nun gut, das mag vielleicht etwas ĂŒberspitzt klingen, soll aber auch ein extremes Beispiel sein. Und warum sollte man sich auf das gleiche Niveua begeben, wie die Verbrecher. Sie haben Leben genommen und eine ihnen nicht gegebene Entscheidungsgewalt ausgeĂŒbt. Das macht sie zu Verbrechern und man will doch nicht selbst zum Verbrecher werden, wenn man sie zum Tode verurteilt. Oder?

Contra Qualen – contra Todesstrafe

Zu dem grenzt es meiner Meinung nach an unmenschlicher Folter, jemanden zum Tode zu verurteilen. Denn ist das Urteil gefĂ€llt, wartet der Verurteilte meist lange in einer Todeszelle auf sein Ende. Die psychischen Qualen, die der Mensch in dieser Zeit durchlebt, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Manch einer mag jetzt sagen, dass der Verbrecher Qualen verdient hat. Betrachtet man dies ganz drastisch, ist es nicht besser, jemanden lebenslĂ€nglich einzusperren und ihn seine Taten bereuen zu lassen, als ihm ein „schnelles Ende“ zu geben? Nun ja, so weit möchte ich eigentlich gar nicht gehen.

Ich kann Menschen verstehen, die Angst davor haben, dass Mörder und Vergewaltiger wieder auf freien Fuß kommen. Denn eine lebenslĂ€ngliche Strafe umfasst meist nicht den Rest des Lebens des besagten Verbrechers. Das aber als einen Grund zu nennen, warum die Todesstrafe legitim ist, ist meiner Meinung nach unĂŒberlegt und regelrecht verwerflich. Schwerwiegende StraftĂ€ter kriegen meist mehrfach lebenslĂ€nglich und werden das GefĂ€ngnis nie wieder verlassen. Wenn von einem StraftĂ€ter auch nach Absitzen seiner Strafe eine Gefahr ausgeht, gibt es auch andere Wege ihn nicht wieder durch die Straßen gehen zu lassen.

Ein Resumee

Leider reicht der Umfang dieses Kommentars nicht aus, wirklich alle Argumente abzudecken. Ich denke jedoch, dass mit oben den genannten starke Argumente gefallen sind, die auch BefĂŒrworter der Todesstrafe zum Nachdenken bringen sollten. Die Todesstrafe ist ein Urteil des Mittelalters und von einer primitiven Eigenschaft geprĂ€gt, die der heutigen Zeit und ihren Normen nicht gerecht wird. Wird nach mehreren Jahren klar, dass ein Unschuldiger hingerichtet wurde, fĂŒr ein Verbrechen, dass ein anderer begangen hat, kann man dies nicht wieder rĂŒckgĂ€ngig machen. Wurde er jedoch hinter Gittern gebracht, kann man ihn noch freilassen und ihm zumindest den Rest seines Lebens lassen.

Ich bin „Contra Todesstrafe“ – und bei dieser Meinung bleibe ich auch!

(Text: Ulrike Botha / Foto: Tobias Mittmann)
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